Wirtschaft
Swiss Re: Der Warren-Buffet-Effekt blieb aus
Aktualisiert am 05.02.2009 10 Kommentare
Kein Spieler, ein Rechner: Warren Buffett, 62 Milliarden Franken schwer. (Bild: Keystone)
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Wenn Warren Buffett bei einer Firma einsteigt, steigt der Aktienkurs. So geht das normalerweise. Und so war es auch gestern, als bekannt wurde, dass der schlaue Mann aus Nebraska dem Motorrad-Hersteller Harley-Davidson unter die Arme greift: Die Aktie stieg um über 10 Prozent.
Und heute? Heute wurde bekannt, dass Buffett drei Milliarden Franken in Swiss Re steckt. Für diese Summe übernimmt er eine Wandelanleihe, die er ab 2012 in Swiss-Re-Aktien tauschen kann. Seit letztem Jahr bereits hielt Buffett – respektive seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway – drei Prozent am Rückversicherer vom Zürcher Mythenquai. Falls er also seine Anleihe dereinst vollends wandeln will, besitzt er über 20 Prozent des Finanzkonzerns.
Doch diesmal kam es anders: Die Aktien der Swiss Re brachen ein und verloren ein Viertel ihres Wertes – zu gross war die Enttäuschung der Anleger über den Jahresverlust. Dass der «Buffett-Effekt» diesmal ausblieb, lag wohl an Buffett selbst: Der Multimilliardär hatte offenbar knallharte Konditionen durchgedrückt. Swiss Re muss 12 Prozent Zins bezahlen, und der Wandelpreis einer Aktie liegt bei 25 Franken - also auf dem Niveau von gestern. Kein Zeichen grosser Stärke.
Coca-Cola, American Express, Swiss Re
Doch wer den Regeln der Investorenlegende vertraut, darf nun wieder Hoffnung hegen für Swiss Re. Ein Hauptprinzip von Buffet lautet: Ermittle den inneren Wert einer Firma und prüfe, ob ihr Börsenwert darunter liegt – falls ja, greif zu. Buffett erachtete Swiss Re also schon vor dem Kurssturz von heute als unterbewertet. Kommt hinzu, dass der 78-Jährige stur auf starke Marken setzt: Coca-Cola, American Express, Johnson & Johnson, Wells Fargo, Procter & Gamble – so klingen die Namen, an denen sich Berkshire Hathaway zu beteiligen pflegt.
Ganz nach seinem Prinzip, dann einzusteigen, wenn alle aus der Börse flüchten, befindet sich Buffet derzeit auf Einkaufstour. «Wir sind ängstlich, wenn andere gierig sind, und sind gierig, wenn andere sich fürchten», lautet ein weiteres Motto des «Orakels von Omaha», und folgerichtig beteiligte sich Buffett in den letzten Krisenmonaten an Goldman Sachs, General Electric, Harley-Davidson. Und jetzt eben an Swiss Re.
Was er kann, können andere auch
Es wäre also verlockend, von Buffetts Gesetzen auf den Schweizer Finanzkonzern zu schliessen: gute Marke, unterbewertet, eine antizyklische Chance. Doch einzuschränken ist, dass der Meister jüngst auch ein paar Kratzer abbekommen hat. Im Krisenjahr 2008 sank der Wert von Berkshire Hathaway um 32 Prozent. Da kam mancher Kleinaktionär besser davon.
Oder anders: Auch ein Warren Buffett kann falsch liegen. Aber das weiss keiner besser als er selbst: «Wenn die Vergangenheit so entscheidend wäre in diesem Spiel, wären die reichsten Leute Bibliothekare», lautet ein weiterer Kernspruch von ihm. Entscheidend ist, dass Swiss Re jetzt den reichsten Mann der Welt im Rücken weiss. Sein Nimbus ist dabei wohl eher Nebensache.
(rap)
Erstellt: 05.02.2009, 17:15 Uhr
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10 Kommentare
Höchste Zeit wäre es wenn endlich auch mal Kielholz’s Rolle bei Swiss Re und CS thematisiert würde. Hier zeigen die Medien eigenartige Beisshemmungen. Dieser Mann hat doch im Januar 2008 als die erste Rekapitalisierung der UBS notwendig wurde, am WEF grossartig kommuniziert, man habe es bei der CS eben "kommen" sehen. Einige Tage nach der CS GV ist es dann auch tatsächlich "gekommen"! Die Ebenfallsabschreiber! Dann ist es mit den Lehmann-Papieren "gekommen" und seit längerer Zeit "kommt" es ebenfalls und regelmässig bei der Swiss Re. Dieser Mann, der es "kommen" sieht, hat noch vorletzte Woche die Boni verteidigt. Logo, er hat es "kommen" sehen und will trotzdem abkassieren. Und wir CS und Swiss Re Aktionäre können nur hoffen, dass wir ihn bald "gehen" sehen. Antworten
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