Wirtschaft

Swissair-Verwaltungsräten droht 100-Millionen-Klage

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 11.09.2010 6 Kommentare

Das Bundesgericht hat die Bank Nordea zur Rückzahlung von 78 Millionen verurteilt. Nun sollen auch die SAir-Verwaltungsräte zahlen.

Segnete die Rückzahlung einer Obligationenanleihe einen Monat vor dem Grounding ab: Mario Corti und der Swissair-Verwaltungsrat.

Segnete die Rückzahlung einer Obligationenanleihe einen Monat vor dem Grounding ab: Mario Corti und der Swissair-Verwaltungsrat.
Bild: Keystone

Die Liquidatoren der SAirGroup, die vor neun Jahren nach dem Grounding der Swissair in Konkurs ging, haben vor Bundesgericht einen Sieg errungen. Wie aus einem bisher unveröffentlichten Urteil vom 3. August hervorgeht, muss die Nordea Bank der SAir-Konkursmasse 61 Millionen Dollar plus Zinsen zurückzahlen.

Total macht das 78 Millionen Franken. SAir-Liquidator Karl Wüthrich bestätigt das Bundesgerichtsurteil und hofft, dass er bei einem weiteren Verfahren, das gegen die Fortis-Bank läuft und bei dem es um 40 Millionen Franken geht, ebenfalls recht bekommt.

393 Millionen Franken zurückgeholt

Das Urteil gegen Nordea reiht sich in eine Serie von ähnlichen Urteilen, mit der Wüthrich total 393 Millionen Franken zurückgeholt hat. Warum müssen die Banken zahlen? Nordea hat sich laut Urteilsbegründung angesichts der manifest werdenden Probleme der Swissair-Gruppe im Sommer 2001 einen Kredit zurückzahlen lassen. Dies, gestützt auf eine Klausel im Vertrag, nach der im Fall eine Verschlechterung der Geschäftslage die Bank ihre Kredite zurückziehen konnte. Nordea argumentierte, die Klausel sei nicht ausschlaggebend gewesen, sondern sie habe ihr Kundendossier bereinigen wollen.

Das Bundesgericht sah es aber als erwiesen an, dass sich sowohl Nordea als auch die Verantwortlichen der SAir Group bewusst sein mussten, dass die Darlehensrückzahlung am 29. Juni 2001 zur Schädigung der übrigen Gläubigern führen könnte. Ein Indiz dafür ist laut Urteil die Tatsache, dass die SAir-Führung der Nordea vorschlug, den noch nicht fälligen Kredit nicht zu kündigen.Denn das hätte auch andere Banken dazu berechtigt, ihr Geld zurückzuziehen. Nordea sollte einen neuen Kreditvertrag unterzeichnen, der am 29. Juni fällig wurde. So wurde es dann auch gemacht. Dazu heisst es wörtlich: «Die gewählte Vorgehensweise lässt keinen anderen Schluss zu, als dass beiden Parteien bewusst war, dass die vorzeitige Befriedigung (der Schuld) zulasten der anderen Gläubiger gehen könnte.»

Hoffnung für weitere Klagen

Da das Geld nun zurückbezahlt wurde, ist dieser Fall für Mario Corti und seine Kollegen nicht mehr gefährlich. Aber mit Blick auf andere Fälle schöpften die SAir-Liquidatoren Hoffnung, erfolgreich Verantwortlichkeitsklagen gegen die ehemaligen Verantwortlichen führen zu können. Denn nicht überall kann man das Geld so einfach zurückholen wie bei Nordea.

Einen Monat vor dem Grounding der Swissair segnete der Verwaltungsrat unter Mario Corti die Rückzahlung einer Obligationenanleihe ab. Deren Rückzahlung von den Tausenden von Obligationären zu verlangen, ist aussichtslos. Darum wird es heikel. Denn laut Mario Corti ist der Kollaps der Swissair auf den Terroranschlag vom 11. September in New York zurückzuführen. Am 12. September setzte er den Bundesrat über die sehr kritische Lage der Swissair ins Bild. Und trotzdem: Am 17. September zahlte Corti die Obligationenanleihe von 100 Millionen Franken zurück.

Klage bereits vorbereitet

Wenn es laut Bundesgericht bereits im Juni klar war, dass man mit Rückzahlungen die Gläubiger potenziell schädigen könnte, dann hätte Corti am 17. September niemals zahlen dürfen, sondern den Verwaltungsrat um Nachlassstundung ersuchen müssen. Eine entsprechende Klage ist vorbereitet und wird nächste Woche dem Gläubigerausschuss vorgelegt. Wüthrich bestätigt, dass bald über das weitere Vorgehen in diesem Fall entschieden wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2010, 20:16 Uhr

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6 Kommentare

Sibylle Weiss

13.09.2010, 12:34 Uhr
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"Den Verwaltungsräten droht". Bekanntlich gibt es auch LEERE Drohungen, wo danach alles beim Alten bleibt!Drohungen und effektives Handeln sind Lichtjahre voneinander entfernt!Im Gegenteil; diese Gattung wird zum Dank noch befördert,wo jeder unschuldig Stellensuchender auf Teufel komm raus NICHTS findet und KEIN Milliardenschaden anrichtete.Aber dies scheint für einen Job die Voraussetzung zu sein Antworten


Anton Stroppel

11.09.2010, 21:00 Uhr
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Wie wäre wenn man sich an die Verwaltungsräte erinnern die es tatsächlich verbockt haben Corti kam zur Swissair als sie schon fast ausgeblutet war ich würde gerne die Fotos derer sehen die der Swissair den Todesstoss versetzt haben und jetzt wahrscheinlich sich mit ihrem Geld irgendwo zurückgezogen haben oder irgendwo wieder horrende Gehälter beziehen diese sind die am Tod der Swissair schuld sind Antworten



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