Wirtschaft
Swisscom-Anleger stossen Aktien ab
Aktualisiert am 15.02.2012 22 Kommentare
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Der Milliardenabschreiber auf Fastweb in Italien und die Preiserosion im Heimmarkt haben den Gewinnn der Telekomanbieterin Swisscom (SCMN 352 0.09%) im Jahr 2011 mehr als halbiert. Der Kundenzuwachs im Mobilfunk- und im Digital-TV-Geschäft vermochte dies nur teilweise wettzumachen.
Aufgrund des bereits im Dezember bekannt gewordenen Abschreibers von 1,2 Milliarden Franken auf der italienischen Breitbandtochter Fastweb ist der Reingewinn der Swisscom im Jahr 2011 um 61,2 Prozent eingebrochen. Wo 2010 noch fast 1,8 Milliarden Franken herausgeschaut hatten, waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr nur noch 694 Millionen Franken.
Ohne den Abschreiber auf Fastweb hätte die Swisscom 2011 einen im Vergleich zum Vorjahr um 95 Millionen Franken oder 5,3 Prozent höheren Reingewinn verzeichnet, wie Swisscom-Finanzchef Ueli Dietiker am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich vorrechnete.
Der Betriebsgewinn vor Steuern (Ebit) des grössten Schweizer Telekomkonzerns reduzierte sich um 57,1 Prozent auf 1,13 Milliarden Franken. Ohne den Fastweb-Abschreiber wäre das Ebit um 2,1 Prozent gestiegen.
Sinkende Preise im Kerngeschäft Telefonie
Der Umsatz ist wegen der gesunkenen Preise im Schweizer Kerngeschäft der Telefonie sowie dem starken Franken um 4,3 Prozent auf 11,47 Milliarden Franken gefallen. Den durch die tieferen Preise bedingten Umsatzverlust beziffert Swisscom auf 508 Millionen Franken.
Allein im Festnetzbereich seien 360 Millionen Franken weggefallen, erklärte Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter. Teilweise sei dieser Rückgang aber durch den Gewinn von neuen Kunden kompensiert worden.
Laut Schloter hat die Swisscom ihren Kundenstamm im Mobilfunk- Geschäft um über 220'000 neue Nutzer auf über 6 Millionen gesteigert, 2 Millionen davon sind Smartphone-Nutzer. Beim Digital- Fernsehen stieg die Kundenanzahl um 190'000 auf 608'000.
Die Preiserosion werde weiterhin ein bestimmendes Thema für die Swisscom bleiben, sagte Schloter. So geht er davon aus, dass die Bündelangebote von Telefonie, Internet und Digital-TV in drei bis fünf Jahren bereits gleich viel Umsatz erwirtschaften werden wie der klassische Geschäftsteil Telefonie, Datenverkehr und SMS.
Infrastrukturausbau wird vorangetrieben
Um diese Angebote so vielen Kunden wie möglich zugänglich zu machen, investierte die Swisscom im vergangenen Jahr 1,54 Milliarden Franken in die Schweizer Telekommunikations-Infrastruktur, 226 Millionen Fr. mehr als im Vorjahr. 2012 sollen die Investitionen in der Schweiz noch einmal um 100 Mio Franken erhöht werden.
Dieses Geld will die Swisscom zum einen für den Ausbau von bereits bestehenden Kapazitäten einsetzen. Gemäss Swisscom werden in den nächsten Jahren rund 6000 Mobilfunkantennen aufgerüstet; so dass bis 2015 bis zu 90 Prozent des mobilen Datenverkehrs über den neuesten Mobilfunkstandard LTE abgewickelt werden könnten.
Zum anderen investiert die Swisscom in den Ausbau von zukunftsträchtigen Projekten wie jenen des Glasfasernetzes, das einen schnelleren Datenverkehr über das Telefonkabel ermöglichen soll. Ende 2011 waren bereits 10 Prozent der Schweizer Haushalte an das Netz angeschlossen, bis 2015 sollen es 30 Prozent sein.
Für 2012 leicht tieferer Umsatz
Für das Geschäftsjahr 2012 erwartet die Konzernführung leicht tiefere Umsatz- und Gewinnzahlen als 2011. Dieser etwas enttäuschende Ausblick sowie der starke Gewinnrückgang haben die Aktienpapiere der Swisscom belastet. Bei einem überdurchschnittlich hohen Handelsvolumen fielen sie bis 16.00 Uhr um 2,3 Prozent auf 359 Franken.
Bezüglich Fastweb geht Swisscom von keinen weiteren Abschreibern aus. Die Konzernspitze gibt sich zuversichtlich, dass Fastweb unter anderem dank Kosteneinsparungen von 120 Millionen Franken – darunter fallen auch Entlassungen - wieder Tritt fassen wird. Die Partnerschaft mit dem Fernsehsender Sky Italia bei Satelliten-TV und Breitband- Internet soll zudem neue Kunden generieren. (mrs/bru/sda)
Erstellt: 15.02.2012, 07:50 Uhr
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22 Kommentare
In einem reinen Privatunternehmen hätte C. Schloter schon den Hut nehmen müssen, der Bund aber vergoldet diesen "Topmanager" wohl zuerst noch. Selbstkritik und Rückgrat haben heute wohl nur noch KMU-Inhaber, welche die Betriebe selber aufgebaut haben. Antworten
Ich kann es nicht glauben, wie sehr die bürgerliche Wachstums-Ideologie jedesmal scheitert, wenn man sie in die Tat umsetzt. Swissair-Hunter-Strategie: Konkurs. Migros-Auslands-Expansion: gescheitert. Swisscom-Fastweb-Akquisition: Milliardenverluste. Bald schon werden wir dasselbe von der SBB, der Post, dem Strom usw. lesen. Es wird Zeit, alle ehemaligen Bundesbetriebe wieder zu verstaatlichen! Antworten
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