Syngenta im Visier der Agrar-Lobby

In den USA wollen Landwirtschaftsvertreter die Anti-China-Stimmung ausnutzen und die Übernahme von Syngenta erschweren.

ChemChina hatte bereits im letzten Sommer eine Übernahme vorbereitet: Syngenta-Standort in Monthey VS. Foto: Maxime Schmid (Keystone)

ChemChina hatte bereits im letzten Sommer eine Übernahme vorbereitet: Syngenta-Standort in Monthey VS. Foto: Maxime Schmid (Keystone)

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Der Übernahme von Syngenta durch ChemChina muss in den USA von der Kommission für ausländische Investitionen bewilligt werden. Deren Auftrag ist es, militärische und sicherheitspolitische Risiken zu klären, nicht aber die Interessen der Landwirtschaft zu wahren. Und dies stört die Agrar-Lobby. Chuck Grassley und Joni Ernst, die Senatoren des Mais- und Ethanolstaates Iowa, fordern denn, die Übernahme von Syngenta sei explizit mit Rücksicht auf die amerikanischen Bauern zu prüfen. Zudem müsse das Agrarministerium einen festen Sitz in der Kommission erhalten.

Völlig überraschend kommt der politische Querschläger nicht. Schon im Februar hatte Landwirtschaftsminister Thomas Vilsack, ein früherer Gouverneur in Iowa, den Syngenta-Deal in Frage gestellt. Ihn störe, dass China mit der Übernahme des Schweizer Konzerns in einen Interessekonflikt gerate, sagte er. Zum einen würde die chinesische Regierung über ChemChina die Kontrolle über gentechnisch verändertes Saatgut bekommen. Zum anderen könnte sie in ihrer Rolle als Zulassungsbehörde von Agrarprodukten den Markt steuern und so Konkurrenz aus den USA behindern. Was Vilsack meinte, war die Lage von Monsanto und der in Fusion befindlichen Dupont und Dow Chemical. Sie allen wollen seit Jahren Gentech-Saatgut nach China exportieren, die Zulassungen erfolgten bis anhin aber nur stockend. Dies gilt auch für Syngenta.

Die neuen Protektionisten

Die Senatoren Grassley und Ernst verlangen nun eine formelle Untersuchung der chinesischen Zulassungspraxis. Die USA müssten aufpassen, «nicht zu viel unserer Nahrungsmittelindustrie zu verkaufen, vor allem dann, wenn der Käufer ein staatlich kontrolliertes Unternehmen wie ChemChina ist». Damit spielen die Senatoren voll in die Hände der neuen Protektionisten wie Ted Cruz und Donald Trump, Analysten gehen zudem davon aus, dass die Zulassungskommission das Agrarministerium bereits zugeschaltet hat, um die Bedenken der Agrarlobby zu prüfen.

Dass die Bedenken den Deal kaum zum Entgleisen bringen werden, deutete kürzlich der grösste Konkurrent von Syngenta selber an. Monsanto-Präsident Brett Begemann wischte in einem Interview der «Financial Times» Bedenken hinweg, wonach Syngenta einen unfairen Vorsprung erhalten könnte. Er verwies darauf, dass Monsanto und die staatliche Sinochem selber ein Joint-Venture eingegangen sind und keine Grund bestehe, «sich zu sorgen, nicht gleiche lange Spiesse» in China zu haben.

Zudem sind Syngenta und ChemCina bereit, wesentliche Teile des US-Geschäfts abzustossen, um Konkurrenzbedenken auszuräumen. So könnte das gesamte Saatgut-Geschäft mit einem Umsatz von einer Milliarde Dollar abgetrennt werden, ohne dass der Deal mit ChemChina gefährdet wäre. Schliesslich fällt auf, wie China die Kritiker im Westen in den letzten Wochen zu beruhigen sucht. Nachdem Greenpeace in fast allen Ernteproben im Nordosten Chinas Spuren von (illegalem) Gentechmais entdeckt hatte, nahmen die Behörden im Februar zum ersten Mal Ermittlungen auf. Kurz zuvor hatte China ferner die neueste Version des Roundup-Herbizids von Monsanto für den Soja-Anbau freigegeben. Bekannt ist inzwischen auch, dass ChemChina bereits im letzten Sommer eine Übernahme von Syngenta vorbereitet hatte, zu einem Zeitpunkt, als erst die Avancen von Monsanto öffentlich bekannt waren. Agrar-Lobby schon früher skeptisch Trotzdem: ein politisches Restrisiko in den USA bleibt. Die Kommission für ausländische Investitionen tagt im Geheimen, sie begründet ihre Entscheide nicht öffentlich. Dies schafft Unsicherheiten, besonders im einem von Opportunisten beherrschten Wahljahr. Das Restrisiko lastet auf den Syngenta-Aktien. Sie werden rund 15 Prozent unter der Kaufofferte von ChemChina gehandelt. Eine solche Differenz ist an sich nicht ungewöhnlich. Sie wird aber erst verschwinden, wenn der Entscheid in den USA fällt. Syngenta gibt sich optimistisch. «Wir glauben nicht, dass die Transaktion irgendwelche Fragen des nationalen Interesses oder der Nahrungsmittelsicherheit aufwirft. Die Kombination mit ChemChina ist für die Bauern in den USA und die Konsumenten weltweit gut.»

Mit einem Entscheid wird erst nach den Sommerferien gerechnet. Die Zeitdauer lässt sich aus einem Präzedenzfall aus dem Jahr 2013 ableiten. Damals kaufte der chinesische Schlachtviehkonzern WH Group den grössten amerikanischen Schweinefleisch-Verarbeiter Smithfield für 4,7 Milliarden Dollar. Auch damals opponierten Kongressabgeordnete dem Deal, doch liess die Kommission die Übernahme ohne irgendwelche Einwände durchlaufen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.03.2016, 20:06 Uhr)

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