Syngenta-Standorte in der Schweiz gesichert

Die chinesische ChemChina tastet den Schweizer Hauptsitz und die hiesigen Standorte nicht an. Es gibt aber auch scharfe Kritik am Deal mit China.

Hauptsitz und Standorte von Syngenta bleiben sicher für fünf Jahre in der Schweiz: Logo der Basler Firma. (Archivbild)

Hauptsitz und Standorte von Syngenta bleiben sicher für fünf Jahre in der Schweiz: Logo der Basler Firma. (Archivbild) Bild: Michael Buholzer/AFP

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Mit dem Basler Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller Syngenta geht ein technologisch führendes Schweizer Unternehmen in das Eigentum eines chinesischen Staatskonzerns über. Wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat, hat Syngenta-Präsident Michel Demaré mit dem chinesischen Investor Chem China eine Schonfrist von fünf Jahren für Syngenta ausgehandelt.

Der Hauptsitz und die wichtigsten Produktionsstandorte sollen in dieser Zeit nicht angefasst werden. Somit wäre ein zweiter Fall Alstom in der Schweiz ausgeschlossen. Beim einst französischen Staatskonzern kam es nur wenige Monate nach der Übernahme zum Abbau von 1300 Arbeitsplätzen. Syngenta beschäftigt in der Schweiz rund 3300 Mitarbeiter. Eine Syngenta-Sprecherin sagt auf Anfrage: «Es wird sich nichts ändern – weder wird der Hauptsitz aus der Schweiz verlegt, noch werden Stellen abgebaut.»

Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» lobt Ems-Chefin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher Chinas Investoren. «Chinesen wollen das Geschäft langfristig weiterentwickeln.» Das sei positiv. «Das machen wir als Schweizer Firma auch so.» Von US-Unternehmen hat sie ein weniger gutes Bild: «Nach Akquisitionen machen US-Firmen meist Umstrukturierungen mit Entlassungen, um kurzfristige Gewinnverbesserungen auszuweisen.»

Harsche Kritik am Firmen-Ausverkauf in der Schweiz

Weniger positiv sieht der Wirtschaftsanwalt Peter Nobel den Syngenta-Verkauf nach China: «China ist nun mal kein liberales Wirtschaftssystem – es ist eine politisierte Bürokratie. Und diese hat letztlich den Durchgriff auf ihre Unternehmen. Ein chinesisch beherrschtes Unternehmen ist ein Anhängsel des Staatsapparats und dient der Rohstoff- und Know-how-Beschaffung.»

Er äussert sich in der «Schweiz am Sonntag» allgemein kritisch zur Häufung von Firmenverkäufen ins Ausland. «Wenn der kontrollierende Mehrheitsaktionär ein ausländischer Konzern ist, dann bringt das aus Schweizer Sicht schon Nachteile mit sich, die möglicherweise unterschätzt werden», sagt er.

«Die Schweiz ist wirtschaftlich eine Macht – noch. Ein Teil der wirtschaftlichen Macht eines Landes beruht darauf, die Kontrolle über die eigenen Assets (Vermögenswerte; die Red.) zu haben. Wenn diese verloren gehen, verliert ein Land zunehmend auch seine Unabhängigkeit.» Er führt weiter aus, dass die Schweiz dadurch geschwächt werde: «Ich halte es zum Teil für fragwürdig, wie wir Wirtschaftsfaktoren unter ausländische Kontrolle geben. Gerade auch, weil wir ein kleines Land sind. Die Schweiz lebt von ihrem Know-how, ihrem Qualitätsdenken, ihrer Reputation und ihrer Innovationskraft. Solche Werte sind ein Stück weit mit der Eigentümerschaft verbunden. Wenn diese verloren geht, können sich auch unsere Werte verflüchtigen. Bei uns findet bisweilen ein leichtfertiger Ausverkauf statt.» Explizit sagt er, der Verkauf der Winterthur oder auch der Holcim sei nicht notwendig gewesen. (ofi)

(Erstellt: 06.02.2016, 23:52 Uhr)

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