Wirtschaft
Teures Öl lockt Touristen in die Berge
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 08.08.2008
Im Moment dominiert die gute Laune: Der Schweizer Tourismusbranche geht es ausgezeichnet. Allein im ersten halben Jahr ist die Zahl der Hotelübernachtungen um 4,6 Prozent gestiegen, wie das Bundesamt für Statistik am Freitag bekannt gab. Und der Sommer läuft gemäss ersten Angaben der Tourismus-Regionen vom Bündnerland bis ins Wallis so gut, dass 2008 ein Rekordjahr werden könnte. Das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel Economics geht davon aus, dass in der Schweiz erstmals über 37 Millionen Übernachtungen gezählt werden dürften.
Schuld an der gestiegenen Beliebtheit der Schweiz ist vor allem die gute Konjunkturlage und der Euro-Kurs. Er macht das Ausland teuer für die Schweizer und die Schweiz günstig für die Ausländer. Einen Teil des Rückenwinds dürfte der Schweizer Tourismus ab dem nächsten Jahr verlieren. Das weltweite Wachstum lässt nach und die gute Stimmung der Konsumenten schwindet.
Konjunkturflaute trifft die Städte
Hier zu Lande hat das zweierlei Folgen, wie Tourismus-Experte Thomas Bieger von der Universität St. Gallen erklärt: «Für die Städte birgt die Entwicklung vor allem Gefahren, insbesondere durch einen Rückgang des Geschäftstourismus, der immer rascher auf wirtschaftliche Abkühlungen reagiert.» Wenn das Geld knapp ist und Fliegen teuer, fällt schon mal ein Tagungsbesuch ins Wasser. Für die Berggebiete sieht Bieger hingegen primär Chancen: «Auf Grund der steigenden Energiepreise könnte es Touristen aus der Schweiz und dem umliegenden Ausland künftig in die Berge statt ans Mittelmeer ziehen – sofern das Angebot attraktiv ist.»
Und gerade hier haben die Schweizer Berggebiete in den letzten Jahren ganz klar zugelegt. Bieger spricht in diesem Zusammenhang von einem «Innovationsschub»: «Eine Fülle neuer Erlebnis- und Lernprodukte ist derzeit am Entstehen.» Solche Angebote führen die Gäste durch das natürlich vorhandene kulturelle und landschaftliche Angebot und bieten so einen deutlichen Mehrwert.
Kulinarische Erlebnisse im Wallis
Erfolgreiche Beispiele gibt es viele. Im Wallis etwa werden kulinarische Erlebnisse besonders gepflegt: «Die Besichtigung von Alpkäsereien, Aprikosenfeste, Rebwanderwege für Weinliebhaber», erzählt Bruno Huggler von Wallis Tourismus. Im Bündnerland ist man stolz auf den neuen Parc Ela, der Mittelbünden als Tourismusregion erschliessen soll. «Besonders beliebt ist die Exploratour: Dort schlüpfen die Gäste in die Rolle eines Forschers oder Erkunders und testen Gesteinstypen mit einem ausgeliehenen Forscher-Kit», erklärt Myriam Keller von Graubünden Ferien. Aber auch Schnitzeljagden per Handy oder GPS-Gerät, Lern- und Themenwege, natürliche Abenteuerparks, Sommerrodelbahnen, Trottinettabfahrten oder Kreativkurse in der freien Natur gehören in vielen Bergregionen bereits zum Alltag.
Für Bieger sind die alpinen Feriengebiete damit auf dem richtigen Weg, um die grossen Profiteure des steigenden Ölpreises zu werden. Voraussetzung: Die Erlebnisangebote bleiben innovativ und werden nicht einfach vom Nachbarn abgekupfert. Er warnt lediglich davor, unrentable Angebote zu subventionieren: «Das führt bloss zu einem Überangebot und dazu, dass die guten Ideen entwertet werden.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.08.2008, 23:28 Uhr
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