Wirtschaft
Ticketcorner droht Konsumentenschutz mit Klage
Von Stefanie Christ. Aktualisiert am 13.01.2010 13 Kommentare
Wird Krokus Vorband?
Wie Krokus-Bassist Chris von Rohr gegenüber Radio 24 ausgeplaudert hat, könnte Krokus die Vorband von AC/DC werden. «Wir sind im Gespräch für die ausländischen Konzerte, zum Beispiel in Deutschland.» Am Berner Konzert im nächsten Juni will die Schweizer Hardrockband hingegen nicht auftreten. «Das bringt nichts. Hier zu Lande spielen wir selbst als Headliner», kommentiert von Rohr selbstbewusst.
Zuerst sah alles nach einem ungetrübten Erfolg aus: Über 45'000 Konzertkarten konnte Ticketcorner.ch am Freitag fürs AC/DC-Konzert in Bern verkaufen – in nur zwölf Minuten. Nun hat der Vorverkauf für Ticketcorner vielleicht ein juristisches Nachspiel. Das Onlineportal hat dem Schweizerischen Konsumentenschutz (SKS) ein Ultimatum gestellt, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben.
Der SKS veröffentlichte letzte Woche eine Mitteilung, in der er schwere Vorwürfe gegen Ticketcorner erhob: «Ein stattliches Kontingent an Tickets wird wohl bewusst an den offiziellen Kanälen vorbeigeschleust, um so einen profitablen Absatzkanal für Wuchertickets zu haben», vermutet Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS, darin. Falls der SKS diese Mitteilung nicht bis am Donnerstagmittag von der Website entferne und online erkläre, dass er keinerlei Beweise gegen Ticketcorner habe, werde eine Klage eingereicht.
Ticketcorner beruft sich auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) und hält im Schreiben an den SKS fest, dass sich seine «untreffenden Aussagen» rufschädigend auswirken könnten.
VIP-Member benachteiligt
«Der Vorverkauf konnte ohne Probleme abgewickelt werden. Wir haben zudem im Vorfeld betreffende Verkaufs- und Auktionsportale, etwa Ricardo oder Ebay, gebeten, Schwarzmarkttickets vom Netz zu nehmen», sagt Marlies Keck, Pressesprecherin von Ticketcorner.
Aber nicht nur der SKS übt Kritik an Ticketcorner. Eine 26-jährige Berner-Zeitung-Leserin, die anonym bleiben möchte, stellte fest, dass VIP-Neulinge auf Ticketcorner langjährigen Mitgliedern die Konzertkarten wegschnappten. Als VIP-Mitglied hatte sie am Freitag die Möglichkeit, um 10 Uhr Billette zu reservieren, die für VIP-Member zurückgelegt wurden. Doch das Portal war derart überlastet, dass sie sich nicht einloggen konnte. Derweil meldeten sich Nichtmitglieder, die bereits um 8 Uhr auf die Seite gelangen, aber keine Tickets ergattern konnten, für die 49 Franken Jahresgebühr im VIP-Bereich an und konnten so bequem um 10 Uhr ihre Karten bestellen.
«Ticketcorner wollte doch nur Geld machen und neue VIP-Mitglieder gewinnen», meint die Leserin. «Tatsächlich haben alle, die sich am Freitag bis 10 Uhr noch als VIP-Member registrierten und zu AC/DC wollten, ein Ticket erhalten», bestätigt Marlies Keck. «In der Regel können VIP-Mitglieder aber bereits 24 Stunden vor Beginn des offiziellen Vorverkaufs Tickets reservieren.» Das dies beim AC/DC-Konzert nicht möglich war, lag nicht an Ticketcorner, sondern am Management der Band, das nur für den Fanclub einen Vor-Vorverkauf zuliess. «Aus diesem Grund wurde das Ticketcorner-Memberkontingent leicht zeitversetzt zum offiziellen Vorverkaufsstart angeboten», so Keck.
Nicht nur für Ticketcorner, auch für die Post hat der Vorverkauf ein Nachspiel. Als M.B.* auf dem Weg zur Arbeit letzten Freitag um 7.45 Uhr bei der Poststelle Kriegsstetten hielt, um sich zusammen mit zwei Arbeitskollegen Tickets fürs AC/DC-Konzert zu besorgen, befand sich bereits vor Öffnung ein Postmitarbeiter im Warteraum und stand für die Konzertkarten an. Als die Kunden um 8 Uhr hereingelassen wurden, staunten sie nicht schlecht: 8 von 12 Tickets, die die Poststelle für den Verkauf zur Verfügung gestellt bekam, schnappten ihnen die Postbeamten vor der Nase weg; für die Kunden blieben noch vier übrig – für M.B. keins. Vier der Tickets druckte sich ein Postmitarbeiter in einem abgeschirmten Büroraum aus.
Abklärungen bei Post
«Unserer Ansicht nach handelt es sich bei diesem Vorgehen um persönliche Bevorteilung, allenfalls sogar persönliche Bereicherung der Poststellenmitarbeiter», schreibt M.B. in einem Beschwerdemail an die Post. Diese bezieht zum Fall noch keine Stellung, da die genauen Umstände erst abgeklärt werden müssen. Generell gilt beim Ticketverkauf in den Poststellen, dass Mitarbeiter zuerst die Kunden bedienen müssen. «Wenn ein Postangestellter selber Tickets beziehen will, muss er sich wie alle anderen auch in die Warteschlange stellen», so Post-Sprecher Oliver Flüeler. Dass Mitarbeiter hinter dem Schalter Tickets untereinander verkaufen, sei hingegen verboten.
Die Post muss also abklären, ob bei dem Vorverkauf alles mit rechten Dingen zu und her ging. Ticketcorner geht vielleicht vor Gericht. Über 200000 Fans, die keine Karten mehr ergattern konnten, sind enttäuscht. Immerhin bleibt den 45000 Kartenbesitzern die Vorfreude aufs Berner Konzert vom 8.Juni.
*Name der Redaktion bekannt
(Berner Zeitung)
Erstellt: 13.01.2010, 07:47 Uhr
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13 Kommentare
Liebe ACDC Fans, nach der Ticketcorner-Kartenstrophe 2 Tickets von Stuttgart ergattert! Und zwar über die offizielle ACDC Homepage, alle Tourorte haben im Moment noch freie Tickets...komisch dass gerade die CH sooo viele Fans hat und solche Konzerte in einer knappen Viertelstunde ausverkauft sind...it's a long way to the top... Antworten
Was für ein Theater. Es war schon vor 15 Jahren so, dass Bankverein-Mitarbeiter die Telefonlinien von Ticketcorner mit der Rückruftaste intern 1h vorher belegten. Wieso regt man sich erst heute so auf? Leider kennt man keine Fairness mehr, sondern nur Gier nach Gewinnen, was wiederum von diesen Firmen und Bands vorgelebt wird. Sitzen alle im gleichen Boot. Antworten
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