Wirtschaft
Ticketpreise im Sinkflug
Artikel zum Thema
Eine Schwemme von Aktionen sorgt für zusätzlichen Preisdruck. Grund dafür ist der krisenbedingte Wegfall von rentablen Business-Passagieren. «Verdienen tut derzeit niemand etwas», doch auch in der Krise wolle jede Fluggesellschaft ihre Linien erhalten. Dies sagt Ralf Fioretti, Betreiber von Citytrip, einem Schweizer Internetportal für Flugbuchungen. Die Airlines versuchten nun, trotz Krise die Auslastung ihrer Sitze, den sogenannten Sitzladefaktor, zu halten. Und da sind beim aktuellen Nachfrageeinbruch Preissenkungen unumgänglich. Seit drei, vier Monaten sei der Preiszerfall bei den Flugtickets zu beobachten, sagt Fioretti – und besonders bei den Langstreckenflügen werde es «noch extremer» werden.
Preiszerfall, das heisst, dass die Flüge in den vergangenen Monaten 20 bis 30 Prozent günstiger geworden sind, wie Nick Gerber, Produktmanager beim Reiseveranstalter Globetrotter, schätzt. Dies gelte weltweit für praktisch alle Regionen. «Wir werden im Moment überflutet mit Aktionspreisen», sagt Gerber. So hätten beispielsweise die Singapore Airlines in den letzten Wochen Interkontinentalflüge zum halben Preis angeboten. Für Staunen sorgen derzeit etwa auch die Flugpreise von Zürich nach New York, die bei verschiedenen Fluggesellschaften für die Economy-Klasse noch zwischen 500 und 600 Franken liegen – retour und inklusive aller Gebühren.
Swiss hält sich relativ gut
In der Tabelle, welche die Europäische Luftfahrtgesellschaft AEA am Montag veröffentlichte, dominiert das Minuszeichen: Insgesamt haben die 28 Fluggesellschaften, die der Vereinigung angehören, von Januar bis April im Vorjahresvergleich über 8 Prozent an Passagieren verloren. Einzig die Turkish Airlines konnten noch mehr Tickets verkaufen als vor einem Jahr. Die Swiss steht mit einem Verlust von 0,7 Prozent in derselben Periode ebenfalls noch relativ gut da – doch nur weil ihr Europa-Geschäft den hohen einstelligen Einbruch im Langstreckensegment auffangen konnte. Nun hat die Schweizer Fluggesellschaft weitere Kostensenkungen angekündigt: Wie die Zeitung «Sonntag» berichtete, bleiben zwei Flugzeuge am Boden – und die Mitglieder der Swiss-Geschäftsleitung verzichten auf ein halbes Monatsgehalt. Doch auch die Swiss muss ihre Preise dem Markt anpassen.
Preise im Sekundentakt senken
«Das Problem ist: Jeder senkt die Preise», sagt Nick Gerber von Globetrotter. Früher habe es ein, zwei Wochen gedauert, bis die Konkurrenz ihre Preise angepasst habe. Doch im Zeitalter der Internet-Vergleiche ist die Anpassung von Ticketpreisen noch eine Sache von wenigen Sekunden. Laut Gerber durchsuchen Programme amerikanischer Fluggesellschaften gar systematisch die Preise der Konkurrenz und gleichen die ihrigen automatisch an – derzeit praktisch nur gegen unten. «Die Rechnung geht für die Fluggesellschaften kaum auf», sagt Gerber, «für den Konsumenten natürlich schon.» Einen solchen Preiszerfall habe er «noch nie erlebt».
Die Ursache dafür liegt bei der Finanz- und Wirtschaftskrise: Unternehmen rund um den Globus sparen bei den Flügen. «Die UBS-Angestellten zum Beispiel reisen nun um ein Mehrfaches weniger», sagt Gerber. Dazu kommt, dass die Marge der Fluggesellschaften auf den Business-Class-Plätzen deutlich grösser ist als in der Touristenklasse. Auch Private reisen nun laut Gerber weniger, vor allem jene aus den USA. Doch auch die Schweizer fliegen – bei den jetzt so günstigen Tarifen – nicht mehr als sonst.
Die Rolle des Ölpreises
Klar ist: In der Branche werden 2009 die roten Zahlen dominieren. Einen Teil der gesunkenen Einnahmen können die Fluggesellschaften mit den tieferen Treibstoffkosten wettmachen: Seit letztem Sommer hat sich der Ölpreis mehr als halbiert. Da ein grosser Teil des Kerosins jedoch in langfristigen Verträgen erworben wird, schlagen die Preisschwankungen nicht voll auf die Ticketpreise (und die darin enthaltenen «Treibstoffzuschläge») durch. (Der Bund)
Erstellt: 17.06.2009, 10:27 Uhr
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



