Wirtschaft
Tragischer Mountainbike-Unfall wird zur Millionenklage gegen die CS
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 22.09.2010 50 Kommentare
Martin Knoll
Der ehemalige Chef von McDonald’s Schweiz ist letztes Jahr bei einer Mountainbike-Tour ums Leben gekommen. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
Stellungnahme der CS
Die Credit Suisse nimmt zum Fall folgendermassen Stellung: «Wir bedauern diesen tragischen Unfall sehr. Jede Diskussion über eine Mitverantwortung und/oder Haftung der Credit Suisse für diesen tragischen Unfall erübrigt sich aber, nachdem der Unfallhergang erstellt ist und keine Zweifel bestehen, dass die Teilnehmenden über die Risiken der Tour und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen im Detail aufgeklärt worden waren. Dies haben die Untersuchungsbehörden im Kanton Bern bestätigt.
Die Teilnehmenden wurden insbesondere instruiert und wiederholt ermahnt, an der fraglichen Stelle zu Fuss zu gehen und das Mountainbike zu stossen.»
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«Die Credit Suisse freut sich, Sie zu einem unvergesslichen Mountainbike-Event im Berner Oberland einzuladen», hiess es im Schreiben, das Martin Knoll, damals Chef von McDonald’s Schweiz, im Frühjahr 2009 bekam. Zwei Tage mit dem Velo in den Bergen, zwei Mountainbike-Touren «in der schönen Natur», geführt von Experten der Firma Scott, wurden angepriesen.
Und für die, die nicht sicher waren, ob ihre Kondition reichte, organisierte die CS eine zusätzliche Dienstleistung: «Wo es möglich ist, begleitet uns ein Fahrzeug, sodass Sie jederzeit das Bike verladen und einsteigen können.» Unterzeichnet ist das Schreiben vom Chef des KMU-Geschäfts Schweiz sowie vom Leiter Special Business der CS.
Kundenanlass der Credit Suisse
Das Unglück passierte laut Polizeibericht am Freitag, 21. August 2009, um 15.55 Uhr. Martin Knoll war mit einer Gruppe von 30 Personen mit dem Mountainbike von der Tannalp über die Spycherflue in Richtung Engstlenalp unterwegs. Nach der Spycherflue habe Knoll auf dem schmalen, in den Fels gehauenen Bergweg sein Bike bestiegen und begonnen, talwärts zu fahren. Dabei habe er auf dem äusserst unebenen und felsigen Pfad das Gleichgewicht verloren und sei gestürzt. Dann sei Knoll über den Wegrand hinaus geraten und 80 Meter über die «steile, grasbewachsene und mit Felsen durchsetzte» Böschung in die Tiefe gestürzt. Knoll überlebte den Absturz nicht.
Durchgeführt wurde die Tour als Kundenanlass der Credit Suisse, für die Tourenplanung und Tourenführung zuständig war die Firma Scott. Heute, gut ein Jahr nach dem tragischen Vorfall, geht es darum, wer für den Unfall verantwortlich war. Also um die Frage, ob es ein selbst verschuldetes Unglück eines waghalsigen, unbelehrbaren Teilnehmers war, wie die CS argumentiert, oder ob die Organisatoren der Tour fahrlässig handelten und die Teilnehmer ungenügend instruierten. Dieser Meinung sind Michaela Knoll, die Witwe des Verstorbenen, und ihre beiden Gutachter Gregor Benisowitsch und Patrick Hilber.
Keine Strafverfolgung
Unstrittig ist, dass die Tour bis kurz vor der Unfallstelle relativ ungefährlich verläuft. Weite Teile führen gar über geteerte Strässchen. Auch auf der Einladung zur Tour war nicht von einem gefährlichen und anspruchsvollen Event die Rede. Von den Teilnehmern wurden auch keine besonderen Fähigkeiten verlangt. «Erleben Sie mit uns zwei herrliche Touren, abseits vom Alltag», hiess es.
Nach dem Unfall kam es zu einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Berner Oberland. Sie kam zum Schluss, man solle keine Strafverfolgung eröffnen und niemanden entschädigen. Doch die Staatsanwaltschaft machte es sich zu einfach, so die Kritik der Experten von Frau Knoll. Sie habe lediglich CS-Mitarbeiter und Angestellte der Firma Scott befragt.
Den Sturz hat niemand gesehen
Gesehen, wie Knoll genau gestürzt ist, hat laut Polizeibericht niemand. Aber die Bekleidung Knolls gibt zu Fragen Anlass. So trug er offenbar Bike-Schuhe mit einer Klick-Vorrichtung, die bei einem Sturz fast zwangsläufig bewirken, dass der Fallende am Velo angebunden bleibt. Und selbst wenn Knoll sein Bike gestossen haben sollte, so hatten seine Schuhe kein Profil. Für die Gutachter ist somit klar: Knoll hatte bei seinem Sturz keine Chance. Sie sagen: «Die Fähigkeiten der Teilnehmer waren der Tour keineswegs angepasst.»
Weiter ist unklar, ob die Tourenführer wirklich kommuniziert hatten, dass jeder Teilnehmer an der Absturzstelle absteigen und zu Fuss weiter gehen solle. Die Firma Scott wollte sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zum Unfall nicht äussern, die CS teilte Folgendes mit: «Die Teilnehmenden wurden insbesondere instruiert und wiederholt ermahnt, an der fraglichen Stelle zu Fuss zu gehen und das Mountainbike zu stossen.»
Einsicht in Konten verwehrt
Das alles wird entscheidend sein, wenn es um die Frage der Verantwortlichkeit geht. Dazu kommt der Umgang der CS mit dem tragischen Ereignis. Der Witwe wurde eine Entschädigung von 150'000 Franken angeboten, unter der Bedingung, dass sie gegenüber der Öffentlichkeit schweigt. Auch wurde ihr die Einsicht in die Konten ihres verstorbenen Mannes während über einem Jahr verwehrt mit der Begründung, sein Tod sei noch nicht amtlich festgestellt. Dies, obwohl er an einem CS-Kundenanlass gestorben ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.09.2010, 23:04 Uhr
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50 Kommentare
"Bike-Schuhe mit einer Klick-Vorrichtung" - eine nachweisliche Todesfalle - auch mein Kollege ist so schwer gestürzt ohne einen Meter zu fahren. Selbstverantwortung ist gefragt und wenn Leute mit solchen u.a. todbringenden Features herumfahren - der Tod fährt mit. Antworten
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