Wirtschaft

Trotz Gewinneinbruch: Nestlé auf Kurs

Aktualisiert am 19.02.2010

Leicht weniger Umsatz und einen deutlich tieferen Reingewinn: Doch der Riese Nestlé will an seiner Stärke keine Zweifel aufkommen lassen. Die Anleger freuen sich über eine Dividendenerhöhung.

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Im Geschäft mit Kaffee, Wasser und Leckereien kommt so leicht keiner am weltgrössten Nahrungsmittelproduzenten vorbei. Der Umsatz sank 2009 zwar um 2,1 Prozent auf 107,6 Milliarden Franken. Organisch, also aus eigener Kraft, ist der Konzern 2009 immer noch um 4,1 Prozent und damit schneller als die Konkurrenz gewachsen. Dazu trugen Preiserhöhungen um 2,2 Prozent bei. Wechselkurse belasteten mit -5,5 Prozent und Akquisitionen mit -0,7 Prozent.

Der Betriebsgewinn (Ebit) konnte Nestlé (NESN 54.8 0.27%) auf 15,7 Milliarden Franken konstant halten. Auch dass der Reingewinn um rund 40 Prozent auf 10,4 Milliarden Franken eingebrochen ist, lässt sich erklären: Im Vorjahr war die Zahl höher, weil damals eine erste Tranche des Augenmittelherstellers Alcon an Novartis verkauft wurde. Die Gewinnzahlen seien daher nicht vergleichbar, teilte Nestlé am Freitag mit.

Zwar sei das wirtschaftliche Umfeld schwierig gewesen. «Doch wir tun, was wir immer tun», sagte Konzernchef Paul Bulcke vor den Medien in Vevey. Nestlé habe schon immer gewusst, auf veränderte Märkte zu agieren.

Von der Krise getroffen wurde Nestlé besonders in Europa: Hier macht der Konzern rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes und erzielte 2009 lediglich ein organisches Wachstum von 0,3 Prozent. Gute Geschäfte machte Nestlé aber in der Schweiz, Frankreich und Grossbritannien. Stark nachgefragt waren Kaffee, Bonbons und Tierfutter.

In Nord- und Südamerika mit einem Umsatzanteil von rund 30 Prozent erzielte Nestlé ein organisches Wachstum von 6,5 Prozent. Die Konsumenten in Nordamerika sollen in Zukunft vermehrt zu den Tiefkühl-Produkten von Nestlé greifen. Einen Schub erhofft sich Nestlé vom Kauf des Pizza-Geschäfts des dortigen Marktführers Kraft.

Milch für Senioren

Stark entwickelten sich auch die Geschäfte in Asien, Ozeanien, Afrika, die organisch 6,7 Prozent wuchsen. Sowieso setzt Nestlé auf Asien: So haben die Nestlé-Forscher speziell für diesen Markt eine Milch entwickelt für Senioren. In Malaysia wiederum gibt es Milch mit extra viel Kalzium - ebenfalls für ältere Menschen. Und selbst Kaffee hat sich in China gut verkauft.

Doch war Kaffee weltweit begehrt. Die Sparte «Getränke in Flüssig- und Pulverform» verzeichnete mit 9,5 Prozent das stärkste organische Wachstum. Nespresso ist von jenen rund 30 Produkten, die mindestens eine Milliarde Umsatz machen (z.B Maggi oder Nestea) sogar am stärksten gewachsen.

Umsatzmässig liegt diese Sparte nun nur noch leicht hinter dem stärksten Feld «Milchprodukte und Speiseeis» zurück. Die Verkäufe im Wert von 19,55 Milliarden Franken entsprechen einem organischen Wachstum von 2 Prozent.

Das Geschäft mit gesunder Ernährung (Nutrition) wuchs organisch 2,8 Prozent. Vor allem mit den Verkäufen von Säuglingsnahrung zeigte sich das Unternehmen zufrieden. Hingegen entwickelte sich das Wassergeschäft (Nestlé Waters) rückläufig (-1,4 Prozent). Die Umsätze der gesamten Industrie seien rückläufig, begründete Nestlé.

Weitere Wachstumsbeschleunigung

Für 2010 erwartet Nestlé trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit ein höheres organisches Wachstum des Kerngeschäfts mit Nahrungsmittel und Getränken als letztes Jahr (3,9 Prozent) und eine höhere EBIT-Marge zu konstanten Wechselkursen.

Dieser Ausblick und vor allem die Dividendenerhöhung um 14 Prozent auf 1.60 Franken pro Aktie erfreute die Anleger. Zudem sollen dieses Jahr eigene Aktien für 10 Milliarden Franken zurückgekauft werden. Die Nestlé-Aktie schloss 2,4 Prozent fester.

Roth vorgeschlagen

Neben dem Aktienrückkauf soll die Generalversammlung über die Wahl des ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Jean-Pierre Roth, in den Verwaltungsrat entscheiden. Auch die Holländerin Titia de Lange wird neu zur Wahl in das Gremium vorgeschlagen. (bru/sda)

Erstellt: 19.02.2010, 19:47 Uhr

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