Trump setzt auf die Deutsche Bank

Fast alle Wallstreet-Häuser gingen auf Distanz zu Donald Trump. Bei der Deutschen Bank jedoch erhält er noch immer Kredit. Wie das?

Das Prestige für Trump, die Kosten für die Bank: Spatenstich für den Umbau der Post zum Luxushotel. Foto: Gary Cameron (Reuters)

Das Prestige für Trump, die Kosten für die Bank: Spatenstich für den Umbau der Post zum Luxushotel. Foto: Gary Cameron (Reuters)

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Der Umbau der alten Hauptpost in Washington zu einem Luxushotel ist das bisher letzte Trump-Projekt, das die schwer angeschlagene Deutsche Bank finanziert. Typisch aber für Trump: Er selber steckt nur einen minimalen Anteil eigenes Geld ins Vorhaben; das Hauptrisiko liegt somit bei der Bank. Warum die Bank mit dem prozesssüchtigen und zahlungsunwilligen Unternehmer weiterhin geschäftet, ist nicht ganz klar. Vermutet wird, dass die hohen Kommissionseinnahmen eine Rolle spielen könnten.

Die Deutsche Bank hat seit 1998 in sechs Bauprojekte von Trump investiert und Kredite von mindestens 2,5 Milliarden Dollar gesprochen. Dazu kommt eine Milliarde Dollar Kreditzusagen an weitere Unternehmen innerhalb des Trump-Imperiums, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Die Diskrepanz zu anderen Wallstreet-Banken ist augenfällig. Sie haben ihre Beziehungen zu Trump abgebrochen, nachdem sie noch in den 80er- und 90er-Jahren gross in seine Hotels und Casinos investiert hatten. Bei der Citigroup, JP Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Credit Suisse hat Trump keine laufenden Kredite mehr. Bei der UBS steht noch eine aus dem Jahr 2006 stammende Hypothek zwischen 5 bis 25 Millionen Dollar aus (exaktere Angaben muss Trump in den Eingaben an die Wahlkommission nicht liefern). Die UBS-Hypothek kostete einen Zins von 6,18 Prozent und läuft dieses Jahr aus. Trump behauptet, er brauche Wallstreet nicht. «Ich finanziere mich selber.» Sein Freund Carl Icahn, ein milliardenschwerer Spekulant, sieht dies dezidiert anders. Die Banken hätten genug von Trump. «Viele an der Wallstreet können ihn nicht ausstehen. Sie hassen wohl seine Frechheit.»

Die Beziehungen zwischen Trump, dessen Vorfahren aus Kallstadt in der Rheinland-Pfalz ausgewandert waren, und der Deutschen Bank gehen mehr als 20 Jahre zurück. In den 90er-Jahren fuhr die Bank einen Expansionskurs in den USA und versuchte auch im New Yorker Immobilienmarkt Fuss zu fassen. Damals noch gewährten mehrere Grossbanken dem Casino- und Hotelbesitzer regelmässig Kredit, unter ihnen auch die UBS und die Credit Suisse. Die Deutsche Bank verschaffte sich aber einen Vorsprung, als sie 1998 das Investmenthaus Bankers Trust aufkaufte, eine Bank, die Trump seit seinen Anfängen finanziert hatte. Daraufhin flossen die Kredite: 2003 legte die Deutsche Bank eine Anleihe von 468 Millionen für das Trump Hotel und Casino in Atlantic City auf. Wie sich kurz darauf herausstellte, nahm Trump das Casino als sein persönliches Sparschweinchen aus und überhäufte es mit Schulden.

Luxus pur – hier wohnt Donald Trump:

Er entzog dem Spielbetrieb praktisch sämtliche Gewinne, um andere Vorhaben zu finanzieren. Das Casino wurde zahlungsunfähig und musste im Zuge eines Konkursverfahrens saniert werden. Für die Gläubiger hiess dies ein Verlust von 550 Millionen auf ihren Forderungen von 1,8 Milliarden Dollar. Für Trump war dies der dritte Bankrott, und die Deutsche Bank hatte sich definitiv als seine Hausbank etabliert.

2005 stellte sie einen Kredit von 640 Millionen Dollar zusammen, diesmal für die Konstruktion des Trump Hotels in Chicago, einem Prunkbau, den Trump auch in seiner neuen Rolle als Rausschmeisser in der Fernseh-Realityshow «The Apprentice» vermarkten sollte. Der Turmbau sollte biblische Ausmasse annehmen, und die Deutsche Bank wollte unbedingt dabei sein, winkte doch eine Kommission von 12,5 Millionen Dollar. Trump begnügte sich mit einem Darlehen von 40 Millionen. Doch mit der Immobilienkrise begann der Streit.

Trump weigerte sich, eine fällige Tranche von 334 Millionen zurückzahlen, und berief sich auf die Klausel, wonach die Rezession ein Ereignis «höherer Gewalt» darstelle und ihn von seinen Pflichten entbinde. Die Idee für diese ungewöhnliche Auslegung hatte angeblich Notenbankchef Alan Greenspan geliefert, als er von «einen Jahrhundert-Kredit-Tsunami» sprach.

Annäherung ans Weisse Haus

Trump unterlag vor Gericht, doch ging er gegen seine Hausbank mit einer Gegenforderung von drei Milliarden Dollar vor. Damit wurde Trump eine «Persona non grata», sagte ein damals am Prozess beteiligter Banker. Dennoch einigten sich die Streitparteien aussergerichtlich; womit der Turmbau zu Chicago abgeschlossen werden konnte. Hätte die Bank nicht eingewilligt, hätte sie die Bauherrschaft übernehmen müssen, was ihre bereits einsetzenden Probleme noch erhöht hätte. Für ihre kriminellen Machenschaften im Hypothekarmarkt, mit Zinsmanipulationen und Embargoverletzungen, wurde die Deutsche Bank in den USA bisher mit über 4,5 Milliarden Dollar bestraft.

Die Bank allerdings gewährte Trump seit 2011 drei weitere Kredite von über 1,2 Milliarden Dollar. Mit dem letzten Kredit baut Trump die alte Hauptpost in Washington zu einem Luxushotel um. Das Projekt gilt als riskant. Hoteliers schätzen, dass für eine Übernachtung mindestens 700 Dollar verlangt werden müssten, um die Kosten zu decken – 200 Dollar mehr als vergleichbare Luxushotels verlangen. Überwacht wird das Projekt von Trumps Tochter Ivanka. Sie macht wie ihr Vater auf Optimismus. Die Finanzierung sei gesichert, nichts könne schiefgehen. Und selbst wenn: Dies sei ein «Langfristprojekt der ganzen Familie». In Washington entsteht also das Stammhaus für die künftigen Trumps. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 21.03.2016, 23:06 Uhr)

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