Wirtschaft

UBS gibt der Branche den Takt vor

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 12.04.2010 6 Kommentare

Die Gewinnankündigung der Grossbank wird in der Finanzindustrie genau beobachtet. Auch von den Wallstreet-Banken, die ab dieser Woche ihre Zahlen präsentieren, werden hohe Profite erwartet.

Beispielhaft für die ganze Branche: Das Resultat der UBS (links) gibt vor, was die US-Banken liefern werden. Am Mittwoch folgen die Zahlen von JPMorgan Chase (rechts).

Beispielhaft für die ganze Branche: Das Resultat der UBS (links) gibt vor, was die US-Banken liefern werden. Am Mittwoch folgen die Zahlen von JPMorgan Chase (rechts).
Bild: Keystone

Um mehr als 4 Prozent haben heute Morgen die Aktien der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) zugelegt. Dies nach einer Vorankündigung der Grossbank, sie erwarte für das erste Quartal einen Gewinn vor Steuern von 2,5 Milliarden Franken. Doch nicht nur die UBS legt zu, sondern die Branche insgesamt. Seit Anfang Februar legten die Banken in Europa gemäss Stoxx-Bankenindex um beinahe 20 Prozent zu, jene der USA – die von der Griechenlandkrise nicht betroffen sind – gemessen am KBW-Index sogar fast 25 Prozent.

Mit Spannung werden jetzt die Zahlen der US-Grossbanken erwartet, die ab dieser Woche für das erste Quartal des laufenden Jahres präsentiert werden. Den Anfang macht am Mittwoch JPMorgan Chase. Laut der «Financial Times» rechnen die Marktbeobachter für die meisten Institute mit höheren Gewinnen als in derselbe Periode des Vorjahres.

Gewinntreiber FICC

Gewinntreiber der Grossbanken dürfte der so genannte FICC-Bereich im Investmentbanking sein. Er steht für Fixed Income, Currencies and Commodities. Damit ist vor allem die Emission und der Handel mit Anleihen und Derivaten daraus gemeint, sowie der Devisen- und Rohstoffhandel. Bereits Ende März hat die UBS ein Gerücht bestätigt, dass sie im laufenden ersten Quartal alleine in diesem Bereich Erträge von bis zu 2,3 Milliarden Dollar erzielen werde.

Andere oft besonders lukrative Bereiche der Banken dürften dagegen laut Erwartungen von Analysten eher mässige Ergebnisse zeigen. Aktienemissionen und Übernahmen hat es im ersten Quartal eher wenige gegeben und die tiefe Volatilität an den Märkten (die Kurse zeigen nur wenige Ausschläge) drückt auf die Handelseinnahmen. Gestützt werden die Gewinne dagegen noch immer von den nach wie vor rekordtiefen Zinsen, zu denen die Banken Geld von den Zentralbanken beziehen und zu höheren Sätzen ausleihen können.

Boni werden üppig sprudeln

Dass ein Grossteil der Profite erneut aus einer Abteilung des Investmentbanking fliessen wird, hat daher auch Bedeutung für die Boni: Sie werden wohl noch üppiger fliessen. Für Goldman Sachs zum Beispiel erwarten Analysten einen Gewinn von 2,3 Milliarden im ersten Quartal, 43 Prozent mehr als im ersten Quartal des Vorjahres. Der Anteil, den die Bank an ihre Mitarbeiter auszahlen will, soll sich diesmal auf 43 Prozent erhöhen, im Vorjahr waren es noch 36 Prozent.

Die Aktienkurse könnten von den Zahlen dennoch unbeeindruckt bleiben. Einerseits hat der bisherige Anstieg schon die Erwartung nach besseren Zahlen vorweggenommen, andererseits werden selbst im Erfolgsbereich FICC die Bedingungen härter. Die beste Zeit hatte dieser im vergangenen Sommer, als die Konkurrenz noch relativ gering war, weil viele Institute damit beschäftigt waren, ihre Wunden zu lecken. Die Margen sind bereits jetzt wieder kleiner. Die guten Resultate verdanken sich vor allem den hohen Volumen in diesem Geschäft.

Gemauschel um die Kapitalstärke

Mit Vorsicht sind zudem die Angaben zur Kapitalposition der Banken zu geniessen. Das ist die Lehre aus den jüngsten Enthüllen zu Methoden, wie Grossbanken ihre Situation durch Finanztricks geschönt haben. So hat das «Wall Street Journal» letzte Woche berichtet, dass 18 Grossbanken vor der Präsentation der Quartalszahlen über die letzten fünf Quartale ihre Schulden dank Finanztransaktionen tiefer auszuweisen vermochten, als sie tatsächlich waren. Mit solchen Tricks ist es einst auch Lehman Brothers gelungen, die Öffentlichkeit über die wahre Tragweite der eingegangenen Risiken zu täuschen. Der Zusammenbruch dieser Investmentbank markierte den Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2010, 12:54 Uhr

6

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

6 Kommentare

Janosch Lall

12.04.2010, 14:25 Uhr
Melden

@ Bislang: Leider haben Sie vergessen, dass die UBS die nächsten Jahre keine Steuern zahlen wird. Antworten


Dieter Wundrig

12.04.2010, 16:00 Uhr
Melden

Geht es der UBS wirklich besser? Was ist, wenn unverhofft "vergrabene Leichen" das Tageslicht erblicken, das ist ja noch nicht ausgeschlossen. Da wird doch etwas zu früh frohlockt mit dieser Gewinnankündigung, besser wäre, man streut vorsorglich schon etwas Sand. Aber bitte nicht in die Augen! Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.