Wirtschaft
«UBS hat eingesehen, dass man so nicht miteinander umgehen kann»
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 10.08.2009
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Eben noch sah es so aus, als würde der einstige Chefökonom der UBS auf Druck der Grossbank für längere Zeit von der Bildfläche verschwinden. Jetzt startet Klaus Wellershoff ab September sein eigenes Business: Er wird grosse und mittlere Unternehmen in strategischen Fragen zur Wirtschaftsentwicklung beraten. Dabei kann es sich etwa um die Evaluation eines Zielmarktes einer Firma in einer aufstrebenden Volkswirtschaft handeln oder um die Frage, was ein früher als erwarteter, steiler Anstieg der Teuerung für ein Unternehmen bedeutet.
UBS wollte Maulkorb bis März 2010
Exakt dies wollte die Grossbank ursprünglich verhindern. Anwälte der Bank versuchten bis vor kurzem, ihrem ehemaligen Chefökonomen, der 14 Jahre für die Bank tätig war, bis Ende März 2010 Auftritte zu generellen ökonomischen Themen unter eigenem Namen zu verbieten. Wellershoff musste darauf eine Reihe von Veranstaltungen absagen, zu denen er als Referent geladen war. Nun hat die Grossbank doch eingelenkt. Das Verbot endet Ende August. Wellershoff eigener Kommentar zu diesem Gesinnungswandel: «Bei der UBS hat man wohl eingesehen, dass man so nicht miteinander umgehen kann.»
«Wellershoff & Partners Ltd.», wie das neue Unternehmen heisst, wird im September mit vorerst nur zwei Beschäftigten starten. Neben Wellershoff selbst ist das seine Assistentin Sabine Weiersmüller, die schon bei der UBS für ihn tätig war. Im Oktober stösst als zweiter Ökonom Felix Brill dazu, auch er ein UBS-Veteran. Bei der Grossbank war er für die Schweizer Konjunkturanalyse zuständig. «Ziel ist, am Ende ein Team von drei bis fünf starken Ökonomen zusammenzubringen», sagt der frischgebackene Unternehmer.
Bereits volle Auftragsbücher
Besonderes Gewicht im Angebot des Beratungsunternehmen sollen Risikoanalysen haben. Angesichts der jüngsten dramatischen Erfahrungen vieler Firmen mit ihrem wirtschaftlichen Umfeld dürfte diese Dienstleistung auf rege Nachfrage stossen. Tatsächlich melden sich schon jetzt potenzielle Kunden in grosser Zahl, obwohl Wellershoff noch gar keine Werbung für sein Unternehmen macht und bis Ende August auch noch nichts machen darf.
Organisiert ist die Firma als private Aktiengesellschaft. «Diese eignet sich besonders gut für eine Partnerschaft, die neuen Partnern eine Kapitalbeteiligung ermöglicht», erklärt Wellershoff. Damit seine Einschätzungen auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich bleiben, ist eine abonnierbare, kostenpflichtige Publikation geplant. Ausserdem wird Wellershoff für Zeitungen regelmässig Artikel verfassen. Um welche es sich handelt, will er noch nicht sagen.
Neben seiner Tätigkeit für das neue Unternehmen wird Wellershoff wieder vermehrt im universitären Umfeld unterrichten. Seit diesem Frühjahr sitzt er zudem im Verwaltungsrat des Liftbauers Schindler. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.08.2009, 14:36 Uhr
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