Wirtschaft
UBS im Dienst der Hedgefonds
Die reichen Kunden der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) haben in den letzten Wochen Post bekommen. «Eine attraktive Gelegenheit zur Steigerung ihrer Wertpapierrendite», war zu lesen. Was den Kunden beliebt gemacht wird, ist Securities Lending. Der Kunde soll der Bank das Einverständnis geben, die Aktien in seinem Depot gegebenenfalls gegen eine Gebühr auszuleihen.
Es fragt sich, wofür die UBS die Titel braucht. Normalerweise wird Securities Lending bei Übernahmekämpfen eingesetzt oder zur Absicherung von Hedgefonds. Dabei geht es um die Deckung von Leerverkäufen (short sellings). Bei diesen Geschäften werden Wertpapiere auf Termin verkauft. Der Verkäufer rechnet mit einem Preiszerfall des Papiers. Geht die Rechnung auf, kann er die Titel am vereinbarten Termin billiger kaufen als heute. Solche Leerverkäufe sind meist nur mit einer Deckung zulässig. Diese Deckung erfolgt mit Securities Lending.
Das Paradoxe ist, dass ein Kunde, der an einem steigenden Aktienkurs interessiert ist, seine Aktien verleiht, damit ein Spekulant gegen ihn wetten kann. Davon steht natürlich im Werbetext der UBS nichts und UBS-Sprecher Dominique Gerster sagt: «Securities Lending wird nach unserer Erfahrung in der Regel nicht zur Spekulation auf fallende Kurse betrieben.» Man wolle auch nicht vermehrt mit Hedgefonds zusammenarbeiten. Trotzdem hat die Bank für das Securities Lending einen weltweiten Pool von Aktien eingerichtet, auf den interessierte Spekulanten 24 Stunden zugreifen können, wie auf der Website stolz vermerkt ist. In der Schweiz ist das Geschäft vor vier Jahren ins Gerede gekommen, als die Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf mit diesen Instrumenten ihre Firmenübernahmen organisierten und die Übernahmekommission 2006 der ZKB vorwarf, sie habe als Steigbügelhalter mit Staatsgarantie gedient. Die ZKB hat sich dann aus dem Geschäft weitgehend zurückgezogen. Normalerweise wird dieses Geschäft nur mit grossen Wertpapierhändlern und Fonds betrieben, nicht mit Privatkunden. Berühmt wurde der Fall des ehemaligen UBS-CEO Luqman Arnold, der seine ausgeliehenen UBS-Aktien beim Untergang von Lehmann Brothers verlor. Das ist denn auch das Hauptrisiko für den Kunden: Im Konkursfall der Bank fallen die Aktien in die Konkursmasse, es sei denn, sie seien in einem separaten Fonds gesichert.
«Überschaubare Risiken»
Total schätzte die Finanzmarktaufsicht (Finma) das Volumen des Securities Lending 2007 auf 150 Milliarden Franken, etwa 50 Prozent davon waren ungedeckt. Darum hat die Finma neue Regeln für das Geschäft erlassen und ungedeckte Ausleihungen für Kunden mit weniger als 2 Millionen Franken Vermögen verboten. Die UBS spricht von überschaubaren Risiken. Laut Finma-Sprecher Alain Bichsel entspricht das neue Programm der UBS den Regeln.
Stellt sich die Frage nach dem Risiko der Bank. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 führte der Kollaps von Hedgefonds beinahe zum Zusammenbruch des Finanzsystems. Der UBS-Kundenbrief ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Bank auf allen Ebenen versucht, mehr Umsatz aus den bestehenden Kunden herauszuholen. 15 Milliarden Franken Gewinn werden angestrebt. Der Wirtschaftsprofessor Martin Janssen sagt dazu: «Eine Bank, die schwächer dasteht als vor der Krise und nun deutlich mehr Gewinn machen will, kann dies nur mit deutlich höheren Risiken erreichen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.11.2010, 19:10 Uhr
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