UBS kann sich in Deutschland freikaufen

Die Grossbank steht vor einer Lösung im Steuerstreit. Im Raum steht die höchste Zahlung, die je eine ausländische Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung nach Deutschland überwiesen hat.

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Die UBS verhandelt mit der deutschen Justiz über die Höhe einer Strafzahlung, die fällig wird, weil die Grossbank deutschen Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet hat. Dies berichtet die «Süddeutsche Zeitung», mit der der «Tages-Anzeiger» (TA) zusammenarbeitet. Gemäss Insidern läuft es auf eine Zahlung in Höhe von etwa 200 Millionen Euro hinaus. Damit wäre die UBS die dritte grosse Bank nach Julius Bär und Credit Suisse, die eine Einigung mit der deutschen Justiz erzielt. Die Grossbank wollte den Bericht und die Höhe der Zahlung heute nicht kommentieren.

Die UBS soll Kunden bei der Verschleierung von Geldern über liechtensteinische Stiftungen und Trusts geholfen haben. Gemäss einem Dokument der Staatsanwaltschaft Bochum, das auch dem TA vorliegt, sind 20 von insgesamt 30 Milliarden Franken an verwalteten deutschen Vermögen betroffen.

Vergangenes Jahr wurden Razzien bei diversen deutschen UBS-Filialen durchgeführt, nachdem Ermittler auf einer gekauften Daten-CD umfangreiche Informationen über das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft in Deutschland erhalten hatten.

Brady Dougan vor dem US-Senat

Bewegung kommt auch in die Verhandlungen von 14 Banken mit den US-Behörden: Morgen wird die Spitze der Credit Suisse mit Konzernchef Brady Dougan zu einem Hearing vor dem Senat in Washington erwartet, um sich zur Rolle der CS bei der Steuerhinterziehung zu äussern. Beobachter messen dem Auftritt einen hohen Stellenwert bei. Eine ähnliche Anhörung war der Einigung der UBS mit den USA 2009 vorausgegangen.

Mit den Versicherungsmänteln für Geldanlagen, die etwa Swisslife für US-Personen angeboten hatte, weitet sich der Steuerstreit derweil an anderer Front aus. US-Behörden wollen die Konstrukte genauer unter die Lupe nehmen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.02.2014, 06:33 Uhr)

Dasselbe Drehbuch wie bei der CS

Mit der kolportierten Zahlung von 200 Millionen Franken durch die UBS steht nach Credit Suisse und Julius Bär auch die grösste Schweizer Bank kurz vor dem Ende des Disputs um hinterzogene Steuern in Deutschland. Ins Rollen gebracht wurden die Untersuchungen jeweils durch entwendete Datenträger mit Informationen über deutsches Schwarzgeld. 2010 erwarb das Bundesland Nordrhein-Westfalen erstmals eine CD mit Daten von Kunden der Credit Suisse, im selben Jahr gelangten Behörden in Besitz von Daten von Julius Bär. Diese Daten bildeten die Basis für Durchsuchungen der deutschen Filialen der Vermögensverwalter.

So wurden zwischen 2010 und 2012 mehrere Razzien in den CS-Niederlassungen durchgeführt. Dabei gelangten die Fahnder an Organigramme und Schulungsunterlagen fürs Cross-BorderGeschäft, Informationen über Umfang der Kundenbetreuung und die dabei verwendeten Konstrukte. Die Credit Suisse musste schliesslich 149 Millionen Euro zur Beilegung der Angelegenheit bezahlen. Laut einem Beschluss des Landgerichts Düsseldorf bot die Bank ihren deutschen Kunden sogenannte Lebensversicherungsmäntel an, um ihr Geld vor dem deutschen Fiskus zu verstecken. Auf rund 26 Milliarden Euro wurde das Gesamtvermögen von Deutschen bei der CS damals beziffert.

Eine Daten-CD bildet auch den Ausgangspunkt der deutschen Ermittlungen gegen die UBS im Jahr 2012. Käuferin war ebenfalls Nordrhein-Westfalen. Es folgten Razzien in den deutschen UBSFilialen. Ein der «Süddeutschen Zeitung» und dem TA vorliegender Durchsuchungsbefehl listet von Frankfurt über Berlin bis Stuttgart zehn Standorte auf. Total 30 Milliarden Franken soll das Gesamtvermögen deutscher Kunden bei der UBS Schweiz laut diesem Dokument betragen. Die Summe ist praktisch identisch mit jener im Fall der Credit Suisse.

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