UBS setzt zum grossen Schnitt an

Das Abbaupaket bei der UBS ist gemäss Insidern fast fertig geschnürt: Konzernchef Sergio Ermotti sei entschlossen, weitere Massnahmen zur Kostensenkung durchzusetzen. Bis zu 10'000 Stellen sind in Gefahr.

Lichter aus in der Informatik? UBS-Bürogebäude in Zürich. (Archivbild)

Lichter aus in der Informatik? UBS-Bürogebäude in Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die UBS-Oberen haben damit begonnen, das Terrain vorzubereiten – so Präsident Axel Weber, der vor einer guten Woche als Gastredner an der Herbsttagung der KOF-Konjunkturforschungsstelle auftrat. Der wachsende Bedarf an Eigenkapital bei gleichzeitig sinkenden Margen habe seinen Preis. Deshalb, so Weber, werde es auch bei den Schweizer Banken zu Anpassungen bei den Mitarbeiterzahlen kommen. Dass das Abbaupaket bei der UBS (UBSN 16.62 0.30%) fast fertig geschnürt ist, erwähnte er mit keinem Wort.

Dabei fallen in der UBS-Konzernleitung demnächst die Entscheide über ein Kostenreduktionsprogramm. Allein in der Informatik soll das Jahresbudget von heute 3,6 Milliarden auf 2,35 Milliarden Franken im Jahr 2015 gesenkt werden. Bereits für das kommende Jahr lautet die Vorgabe, den Aufwand für das sogenannte Change Portfolio von 1,5 auf 1 Milliarde zu drücken. Der «Tages-Anzeiger» hatte Einblick in entsprechende Dokumente.

Über 2000 IT-Stellen gefährdet

Auf die Frage, wie hoch der Anteil der Personalkosten am Gesamtbudget der IT ist, gibt es widersprüchliche Angaben. Sie dürften bei 50 Prozent oder darüber liegen. So oder so lassen sich solche Kosteneinsparungen nur über einen massiven Stellenabbau bewerkstelligen, selbst wenn Sparmöglichkeiten auch über Auslagerungen an Dritte denkbar sind.

Der IT-Bereich der UBS umfasste Anfang 2011 weltweit 9000 Vollzeitstellen. Aktuell sind es noch 8200 Arbeitsplätze – davon 3200 in der Schweiz. Mitarbeitende des Bereichs gehen davon aus, dass sich der geforderte Kostenabbau von 30 Prozent praktisch eins zu eins auf den Stellenplafond auswirken wird. In Zahlen heisst das, dass von den 8200 Arbeitsplätzen über 2000 weggespart werden. Macht man die Rechnung für die IT-Arbeitsplätze in der Schweiz, sind gegen 1000 Stellen gefährdet. Die Listen der zu Entlassenden sind gemäss Insidern zum Teil erstellt, zum Teil noch in Ausarbeitung durch die Kaderleute.

4500 Schweizer Stellen könnten verloren gehen

Beim Abbau in der IT dürfte es nicht bleiben. Ein Informatiker der UBS sagt: «Was in der IT passiert, ist die Folge von Sparmassnahmen in den Business Units.» Das heisst: Das Senken der Kosten im IT-Bereich in dieser Grössenordnung ist nur nachvollziehbar, wenn parallel dazu die Aktivitäten in den Geschäftseinheiten auch heruntergefahren werden. Daraus muss geschlossen werden, dass über den IT-Bereich hinaus ein massiver Stellenabbau bevorsteht. In der IT rechnen die Leute damit, dass die UBS weltweit bis 20 Prozent der Arbeitsplätze streichen wird.

Das wären 12'700 der Ende Juni ausgewiesenen 63'520 Vollzeitstellen. In der Schweiz gingen bis 4500 Arbeitsplätze verloren. Die UBS äussert sich nicht. Man kommentiere Gerüchte nicht, sagt eine Sprecherin. Es ist davon auszugehen, dass die Konzernleitung spätestens im November, eventuell im Rahmen der Quartalsberichterstattung am 30. Oktober, über die Sparmassnahmen berichten wird.

Die Informatiker, die entlassen werden, dürften nur mit Mühe eine neue Stelle finden. Zu viele Gekündigte werden gleichzeitig auf Jobsuche sein. Zudem ist davon auszugehen, dass auch die Credit Suisse in vergleichbarem Rahmen die Kosten senken und IT-Fachleute entlassen wird.

Die «verrückte» IT-Chefin

Die Britin Michele Trogni ist die Frau, die das Sparprogramm im IT-Bereich der UBS durchziehen wird. Sie startete vor 24 Jahren ihre Laufbahn beim damaligen Bankverein in London. Über verschiedene Stationen – zuletzt in der Investmentbank – wurde sie globale IT-Chefin der UBS. Sie sei «eine verrückte Frau», sagt ein Insider, «eine unmögliche Frau» ein anderer. Ein Dritter meint nachdenklich: «Leute entlassen kann sie gut. Etwas aufbauen kann sie nicht.»

Er spricht damit die angelsächsische Mentalität an, für die auch Michele Trogni steht – eine Mentalität, die sich in der UBS mehr und mehr durchsetze. Die Angelsachsen seien im Auftreten brillant, sehr eloquent, aber nicht nachhaltig. Die Schweizer wirkten daneben dumm, im Ausdruck unbeholfen. «Aber nach einem Jahr liefern die Schweizer Resultate, während die Angelsachsen immer noch am Reden sind.» Mit den Angelsachsen sei viel der UBS-Kultur zerstört worden, so eine Klage, der man in der UBS Schweiz auf Schritt und Tritt begegnet.

Stellenkürzungen seit 2008

Im Nachgang der Finanzkrise und dem Beinahe-Zusammenbruch der UBS baute die Bank bereits massiv Stellen ab. Nachdem sie Anfang 2008 noch über 83'000 Vollzeitstellen zählte, waren es per Ende Juni 2012 noch deren 63'520, davon rund 22'500 in der Schweiz.

Im August 2011 kündigte die Bank an, bis Ende 2013 ihre jährliche Kostenbasis um 2 Milliarden Franken zu reduzieren. Bis heute gelang es, dieses Ziel zur Hälfte umzusetzen. Im ersten Halbjahr 2012 wurden annualisiert 1 Milliarde Franken eingespart. Erreicht wurde dies vor allem mit dem Abbau von 2400 Stellen, davon 1400 bei der Investmentbank. Die Bank sei zuversichtlich, die angestrebten Kosteneinsparungen zu erreichen, sagt die Sprecherin. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.10.2012, 06:54 Uhr)

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