UBS-Händler haben rund um die Welt beim Libor betrogen

In New York musste sich die UBS im Libor-Skandal schuldig bekennen. Brisant: Mark Branson, bei der Finma zuständig für die Grossbanken, war verantwortlich für die fehlbare Einheit der UBS Japan.

Der Hauptsitz der UBS in New York.

Der Hauptsitz der UBS in New York. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

36 UBS-Händler rund um den Globus haben fünf Jahre lang betrogen. Dies muss die Bank in New York zugeben und sich schuldig bekennen. Dann wird ihre japanische Tochtergesellschaft in einem Strafverfahren verurteilt und die Bank muss knapp 1,5 Milliarden Franken überweisen. Damit ist die Affäre aber noch lange nicht vorbei. Weil es sich um eine Verurteilung und nicht um einen Vergleich handelt, haben Zivilkläger gute Chancen, Schadenersatz zu erhalten.

Worum geht es? Eine Gruppe von drei Dutzend Händlern rund um den heute 33-jährigen Thomas Hayes manipulierte zwischen 2005 und 2010 den japanischen Interbanken-Zinssatz Libor. Der Libor ist bei uns bekannt, weil der Zins von vielen Hypothekardarlehen von ihm abhängt.

Die Händler manipulierten den Satz darum, weil der Libor für viele derivative Produkte ein wichtiger Bestandteil ist. Wer den manipulieren kann, der kann risikolose Gewinne einfahren. Das taten die meist jungen Männer während fünf Jahren und offenbar auch noch dann, als sich die Bank bereits selber angezeigt hatte.

Die Finma untersucht mit

Inzwischen haben die amerikanischen Behörden, konkret die SEC und das Justizministerium (DOJ) eine umfassende Untersuchung durchgeführt, bei der auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) beteiligt war, wie deren Sprecher Tobias Lux bestätigt: «Die Finma untersucht, ob das Verhalten der UBS bei der Festlegung des Libor oder vergleichbarer Referenzzinssätze im Einklang mit dem Schweizer Aufsichtsrecht stand. Wir stehen in diesem Kontext in Kontakt mit ausländischen Aufsichtsbehörden. Auch im Rahmen von Amtshilfe.»

Im Laufe der Untersuchung wurde die Libor-Affäre für die UBS immer bedrohlicher. Nachdem sie erst davon ausging, sie werde relativ glimpflich davonkommen, weil sie sich teilweise selbst angezeigt und dank der frühen Kooperation mit den Behörden viele Konkurrenten mit in den Strudel der Affäre gezogen hat, sieht es nun gar nicht mehr danach aus. Denn die Selbstanzeige nützt offenbar nur etwas im Verhältnis zu den Wettbewerbsbehörden des DOJ. Die Kriminaluntersuchung war davon nicht betroffen. Vor Wochenfrist meldete die «Financial Times», die UBS werde in den USA wohl knapp ein halbe Milliarde Franken Busse zahlen müssen, um einen Vergleich zu erzielen. Doch gegen diesen Deal wehrte sich die Politik. Der republikanische Senator Charles E. Grasseley, immerhin Vorsitzender der Justizkommission, warf den Behörden vor, sie drückten sich vor einer Verurteilung der fehlerhaften Banken.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Am Dienstag wurde der frühere UBS-Händler Thomas Hayes in London verhaftet. Gestern kam die Meldung von einer Milliardenbusse. Und nun dies: Die Bank muss sich der Marktmanipulation, also des Betrugs, schuldig bekennen und eine Busse von gegen 1,5 Milliarden Franken zahlen. Dass dies nicht zum Kollaps der Bank führt – wie im Fall Arthur Anderson nach dem Enron-Skandal geschehen liegt daran, dass die Verurteilung nur die japanische Tochtergesellschaft betrifft, nicht die Bank als Ganze – sofern der Deal auch wirklich zustande kommt. Noch müssen letzte Details ausgehandelt werden und noch muss der UBS-Verwaltungsrat zustimmen.

Affäre nicht ausgestanden

Doch selbst wenn dieser zustimmt, dürfte auch in der Schweiz die Affäre nicht beendet sei. Einerseits wird in den öffentlich zugänglichen Akten der US-Justizbehörden nämlich einmal mehr zu lesen sein, wie sträflich die Kontrollen innerhalb der UBS versagt haben. Die UBS selber wollte sich zu den neusten Entwicklungen nicht äussern.

Zum anderen ist die Libor-Affäre auch peinlich für die Finma. Dies weil Mark Branson, zuständig für die Grossbankenaufsicht bei der Finma, in der fraglichen Zeit bei der UBS arbeitete. Und zwar ausgerechnet als CEO der UBS Japan. Nun gehört er nicht zu den 36 betrügerischen Händlern. Aber er war der Verantwortliche der nun verurteilten Tochtergesellschaft der UBS. Fragen des TA nach seiner Tragbarkeit und Verantwortung wurden von der Finma nicht beantwortet. Die Finma wurde jahrelang kritisiert, weil ihr ehemaliger Präsident Eugen Haltiner zuvor ebenfalls ein Kadermitglied der UBS war. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.12.2012, 08:56 Uhr)

Artikel zum Thema

Libor-Affäre: UBS droht Milliardenstrafe

Gemäss Insiderinformationen hat die UBS eine Milliardenstrafe zu befürchten. Diese wäre mehr als doppelt so hoch wie diejenige, die der Bank Barclays im Juni aufgebrummt wurde. Mehr...

Ex-UBS-Mann soll unter Festgenommenen in London sein

Hintergrund Die britischen Behörden haben im Zusammenhang mit der Libor-Affäre drei Männer inhaftiert. Laut Berichten soll sich darunter ein ehemaliger UBS-Mann befinden. Sein Name tauchte bereits in früheren Berichten auf. Mehr...

900 Millionen zur Seite gelegt

Offenbar wird die UBS in «Liborgate» mindestens 450 Millionen Dollar an Strafe bezahlen. Was aber kommt noch alles auf die Grossbank zu? Antworten zu den wichtigsten Fragen im Manipulationsskandal. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hart am Wind: Taifun Megi wütet im Osten Taiwans mit starkem Regen und noch stärkerem Wind. (27. September 2016)
(Bild: Ritchie B. Tongo (EPA, Keystone)) Mehr...