Wirtschaft
UBS-Präsident Villiger macht auf Verzicht und verdient doch viel Geld
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 16.03.2011 7 Kommentare
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Manipulationsverdacht
Libor im Fokus
US-amerikanische und japanische Behörden untersuchen, ob die UBS den Referenzzinssatz Libor zu manipulieren versuchte.Sie haben die Grossbank aufgefordert, Informationen zu liefern.
Die London Interbank Offered Rate, kurz Libor, wird täglich von den wichtigsten international tätigen Banken festgelegt und dient als Referenz, zu welchem Zinssatz Banken sich untereinander Geld ausleihen. Der Libor ist auch der Referenzzinssatz der Schweizerischen Nationalbank.
Die Untersuchung publik gemacht hat die UBS selbst in ihrem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht unter Rückstellungen und Eventualverpflichtungen.
Aufgrund der Vorladungen führe sie nun interne Abklärungen, schreibt die UBS in ihrem Geschäftsbericht und verweist darauf, dass sie in dieser Beziehung mit den Behörden kooperiere.
Der Verdacht, dass Banken mit beschönigten Angaben den Libor beeinflusst haben sollen, wurde vor gut drei Jahren laut.(rf)
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UBS-Präsident und Alt-Bundesrat Kaspar Villiger liess sich im letzten Jahr eine Gesamtvergütung von 1'491'308 Franken gutschreiben. Das ist aus Sicht von Normalverdienern sehr viel Geld. Gemessen an dem, was sich andere Verwaltungsratspräsidenten von Grosskonzernen auszahlen lassen, ist es wenig.
Die Grossbank streicht denn auch heraus, auf was Villiger alles verzichtet. Statt sich ein Grundgehalt von 2 Millionen Franken auszahlen zu lassen, bezieht er nur 850'000 Franken. Und statt der ihm zustehenden 200'000 UBS-Aktien liess er sich nur deren 26'940 gutschreiben.
Die UBS weist den Marktwert (Fair Value) dieser 26'940 Aktien mit 500'000 Franken aus. Der Wert des ganzen Pakets von 200'000 Titeln würde damit auf über 3,7 Millionen Franken zu stehen kommen. Mit anderen Worten: Aktien und Grundgehalt zusammengezählt, hätte Villiger im vergangenen Geschäftsjahr Anrecht auf eine Totalvergütung von 5,7 Millionen Franken gehabt. Effektiv gutschreiben liess er sich die bereits erwähnten knapp 1,5 Millionen – Basissalär, Aktienvergütung plus sogenannte Sachleistungen. Das können etwa Beiträge an die Krankenkasse oder Spesenentschädigungen sein.
Vorsatz über Bord gekippt
Gemessen an dem, was ihm zusteht, und im Quervergleich mit anderen Präsidenten ist Villiger also äusserst bescheiden. Misst man ihn aber an seinen eigenen Aussagen, sieht die Sache anders aus. Als sich der Bundesrat im Ruhestand am 4. März 2009 den Journalisten als neuer UBS-Präsident präsentierte, schlug er noch andere Töne an. Er mache keinen Karriereschritt und lehne deshalb die ihm angebotene Entschädigung ab. Stattdessen schlage er ein Jahresgehalt – ohne Bonus und Aktien – von 850'000 Franken vor, vergleichbar dem Direktoriumsgehalt bei der Nationalbank. An diese Aussage hielt sich Villiger im ersten Amtsjahr. Im zweiten waren es dann – mit den Aktien – 50 Prozent mehr.
Dass sich auch Konzernchef Oswald Grübel in Verzicht übt, hat er bereits früher öffentlich gemacht. Wie im Vorjahr hat er beschlossen, auf jegliche Bonuszahlungen zu verzichten. Er begründet dies damit, dass er mit der Entwicklung der UBS-Aktie nicht zufrieden sei.
3 Millionen für Grübel
Das ist Balsam auf die Wunden der gebeutelten UBS-Aktionäre. Viele haben nämlich wenig Verständnis dafür, dass die Manager hohe Boni beziehen, während sie auf den Buchverlusten ihrer UBS-Anlagen sitzen.
Der Bonusverzicht bedeutet für Grübel, dass er sich mit seinem Grundsalär von 3 Millionen Franken begnügen muss. Und er bedeutet auch, dass er – obwohl Kopf der Bank – bei weitem nicht das bestverdienende Konzernleitungsmitglied ist. Wie vor Jahresfrist schaffte es Investmentbank-Chef Carsten Kengeter zuoberst auf das Podest. Ihm wurde eine Totalvergütung von 9,3 Millionen Franken zugestanden – knapp 4 Millionen weniger als 2009.
30 Prozent mehr für die Chefs
Die UBS erklärt die Vergütung Kengeters damit, dass die Investmentbank 2010 in die Gewinnzone zurückgekehrt sei. Auch seien bei der Positionierung der Investmentbank für die Zukunft erhebliche Fortschritte erzielt worden. Über 8 Millionen von Kengeters Abgeltung sind Bonus. Davon sind 88 Prozent aufgeschoben, wurden also noch nicht ausbezahlt. Die Aktien bleiben zwischen drei und fünf Jahre gesperrt.
Die Auszahlung des Bonus ist abhängig vom Erreichen finanzieller Ziele. Die UBS betont in ihrem Vergütungsbericht aber auch, dass für die Boni noch andere Faktoren massgeben seien – etwa «die Befolgung unserer Unternehmenswerte», das «Erzielen eines angemessenen Verhältnisses zwischen Risiko und Ertrag» oder auch «professionelles und ethisches Verhalten». Offen bleibt, wie solche Faktoren gemessen und in Vergütungen umgerechnet werden.
Bescheiden im Vergleich
Die 13 Konzernleitungsmitglieder erhielten insgesamt für das vergangene Geschäftsjahr 91 Millionen Franken. Das sind rund 30 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Damals waren es 68,7 Millionen gewesen. Der gesamte Personalaufwand – die Bank zählt knapp 65'000 Vollzeitstellen – blieb praktisch konstant bei knapp 17 Milliarden Franken.
Gemessen an dem, was ihm zusteht, und im Quervergleich mit anderen Präsidenten ist Villiger bescheiden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.03.2011, 23:35 Uhr
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7 Kommentare
Hat Geld den Charakter erst einmal verdorben, lacht man ungeniert über den dummen Mob. Vermehrt wird offen provoziert als versuche man den sozialen Frieden bewusst zu brechen und Gründe zu finden, Staatsgewalt im Gewand von Lobbyisten gegen das Volk einzusetzen. Die Frage stellt sich ob der Rütlischwur noch etwas gilt oder ob ein paar Gessler mit Schweizer Namen das Volk ausnehmen? Antworten
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