US-Deal wird für Bär teurer – Aktie legt zu

Die Schweizer Privatbank Julius Bär hat mit der New Yorker Justiz eine grundsätzliche Einigung im Steuerstreit erzielt. Dafür wurden weitere Rückstellungen getätigt.

Kostspielige Altlastenbewältigung: Bär-Chef Boris Collardi, hier an einer Medienkonferenz in Zürich. (22. Juli 2013)

Kostspielige Altlastenbewältigung: Bär-Chef Boris Collardi, hier an einer Medienkonferenz in Zürich. (22. Juli 2013) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Der Steuerstreit mit den USA kommt die Bank Julius Bär vermutlich teurer zu stehen als bislang erwartet. Der Vermögensverwalter hat seine Rückstellungen zur Beilegung des Steuerstreits um 197 Millionen auf insgesamt 547 Millionen Dollar erhöht.

Grundlage dafür ist eine vorläufige Einigung mit den US-Behörden, die allerdings noch vom US-Justizministerium bestätigt werden muss, wie die Bank mitteilte. Eine definitive Lösung im US-Steuerstreit erwartet die Privatbank im ersten Quartal 2016. Die zusätzlichen Rückstellungen wird Julius Bär in der Bilanz 2015 verbuchen. Dennoch erwarte die Bank einen bereinigten Nettogewinn für 2015, heisst es in der Mitteilung.

Eine der höchsten Bussen

Sollte die Busse für Julius Bär schliesslich in der Höhe der inzwischen erhöhten Rückstellungen ausfallen, wäre dies der dritthöchste Betrag, den eine Schweizer Bank zur Beilegung des US-Steuerstreits aufwenden müsste. Bisher zahlten die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse mit 780 Millionen respektive 2,6 Milliarden Dollar die höchsten Bussen.

Angaben über die Höhe der verwalteten Vermögen und die Anzahl US-Kunden wollte Julius Bär auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA im Hinblick auf das laufende Verfahren nicht machen.

Unternehmenssprecher Jan Vonder Muehll bestätigte jedoch, dass die Bank für die Aufarbeitung aller Dokumente zuhanden der US-Behörden sowie für Anwaltskosten bislang einen Betrag zwischen 80 bis 90 Millionen Franken ausgegeben hat.

Weitere Entscheide hängig

Das US-Justizministerium ermittelt seit Jahren gegen Schweizer Banken und hat zur Beilegung des Steuerstreits 2013 ein Selbstanzeigeprogramm angeboten. Weil die US-Behörden damals aber schon ein Verfahren gegen Julius Bär wegen mutmasslicher Steuerdelikten eingeleitet hatten, landete die Bank automatisch in Kategorie 1.

Auf das Zustandekommens eines Abkommens in dieser Kategorie warten neben Julius Bär auch die Basler und die Zürcher Kantonalbank, die Genfer Filiale der britischen HSBC oder Privatbanken wie Rahn & Bodmer oder Pictet. Einen Vergleich abschliessen konnte wie die beiden Grossbanken auch die Bank Leumi.

Aktie gesucht

Die vorläufige Einigung mit den US-Behörden im Steuerstreit hat den Aktien von Julius Bär Auftrieb verliehen. In einem freundlichen Markt legten die Papiere der Privatbank um vier Prozent auf 48,62 Franken zu.

«Ein Ende des Steuerstreits rückt endlich in Griffnähe», sagte ein Händler. Damit könne die Bank bald wieder andere Projekte ins Visier nehmen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) beurteilt die Einigung positiv und weist darauf hin, dass in Medienberichten von einer Busse in der Höhe von bis zu 700 Millionen Dollar die Rede war. (rub/sda)

(Erstellt: 30.12.2015, 07:32 Uhr)

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