Wirtschaft
Überraschung: Die grossen Buchläden sind am teuersten
Von Bernhard Kislig. Aktualisiert am 10.02.2012 31 Kommentare
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«Es gibt Kunden, die feststellen, dass die Bücher bei uns billiger sind als bei den grossen Buchhandelsketten. Sie sind verständlicherweise empört und schimpfen dann manchmal – eine absurde Situation», erzählt Gurli Jensen, Inhaberin der Berner Zytglogge-Buchhandlung. Das Vorurteil lautet: Grosse Handelsketten wie Orell Füssli oder Thalia (Eigentümerin von Stauffacher) verkaufen Bestseller billiger und verlangen dafür im übrigen Sortiment überhöhte Preise. Jensen ist deshalb überrascht, dass die beiden grossen Buchhandlungen auf dem Platz Bern selbst bei Bestsellern nicht billiger sind (siehe Vergleich unten). Zytglogge hält sich wie die anderen kleinen Berner Buchläden derzeit an die Verlagsempfehlung und ist deshalb günstiger.
«Es gibt keine Grundregel», rechtfertigt András Neméth, Sprecher und Marketingleiter von Orell Füssli, die hohen Preise. «Bei uns erhalten Kunden in der Regel auf Bestsellern und auf ‹Ankerwerken› Rabatte», ergänzt er. Unter Ankerwerken versteht er wichtige Bücher aus verschiedenen Bereichen, die nicht auf der Bestsellerliste sind. Das wirkt wie Lockvogelangebote auf ausgewählten Büchern, die mit höheren Preisen auf anderen Produkten finanziert werden. Neméth bestreitet aber, dass es Lockvogelangebote gebe: «Die Preisreduktionen finanzieren sich selber über höhere Verkaufsmengen.»
Thalia: «Attraktive Preise»
Für Stauffacher wollte Antje Deichsel, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Thalia, nur schriftlich Stellung beziehen. Die meisten Fragen wurden nicht beantwortet. Antje Deichsel wies aber darauf hin, dass «bei sieben Millionen Artikeln, die wir anbieten, eine Stichprobe mit sechs Artikeln nicht wirklich repräsentativ ist». Im Preis zu berücksichtigen seien nebst dem Buch auch Ambiente, Servicequalität, Sortimentsbreite und Beratungskompetenz. Zu dieser Gesamtdienstleistung gehöre auch «eine grosse Auswahl an Titeln zu äusserst attraktiven Preisen – nicht nur im Bestsellerbereich».
Die Antwort auf die Frage, warum die Preise gemäss Stichprobe bei Stauffacher/Thalia alles andere als attraktiv sind, blieb Antje Deichsel gestern schuldig. Es ist richtig, dass der Vergleich nicht repräsentativ sein kann. Trotzdem überrascht, dass von der Stichprobe alle Preise höher sind als die Verlagsempfehlung und somit die Preise von kleinen Berner Buchhandlungen mit ebenfalls hoher Beratungsqualität.
Im Buchhandel kursiert auch das Gerücht, dass die grossen Buchhandelsketten mit höheren Margen andere finanzielle Lücken stopfen. Tatsächlich machen sie mit Fehlinvestitionen und Ladenschliessungen von sich reden. Neméth bestätigt, was bekannt ist: Orell Füssli musste vergangenes Jahr vier Läden schliessen. «Bis vor zwei Jahren versuchten die grossen Handelsketten, möglichst viel Ladenfläche zu besetzen.» Schliesslich zeigte sich, dass diese Strategie nicht aufgeht.
Es wird auch gemunkelt, dass Orell Füssli mit dem Billigst-Internetangebot Storyworld.ch Verluste kompensieren muss. Tatsächlich sind hier die Bücher teilweise noch billiger als bei Ex Libris, das im vorliegenden Preisvergleich am besten abschneidet. Aber Neméth betont, dass keinerlei Zusammenhang zum übrigen Buchgeschäft bestehe.
Wird alles teurer?
Die Preisempfehlung der Verlage würde dem entsprechen, was Konsumenten bei einer Preisbindung zahlen müssten. Naheliegend wäre die Annahme, dass die Preise ohne Bindung sinken. Im seit 2007 freien Buchmarkt sind nun aber vor allem bei den grossen Handelsketten viele Preise gestiegen, wie der Preisvergleich zeigt. Für Gurli Jensen ist das der Beweis, «dass es eine Buchpreisbindung braucht, weil sonst Konsumentinnen und Konsumenten in Zukunft zu viel bezahlen müssen». Doch die durchwegs tieferen Preise bei Ex Libris, Storyworld.ch und Amazon relativieren diesen These. Hier erhalten Kunden nicht das gleiche Einkaufserlebnis wie in traditionellen Buchhandlungen – sei es wegen des kleineren Sortiments oder weil Bücher am Bildschirm ausgewählt werden müssen. Wie sich die Preise bei einem Volksnein zur Preisbindung entwickeln, ist noch ungewiss. (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.02.2012, 08:42 Uhr
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31 Kommentare
In DE und insbesondere FR wurde die Buchpreisbindung eingeführt, damit Bücher erschwinglich bleiben. In der Schweiz ist die Situation aber gänzlich anders, denn hierzulande wurde die Buchpreisbindung seit jeher dafür missbraucht, die Konsumenten mitels überhöhter Wechselkurse auszunehmen. Dank ExLibris und amazon gibt es heute günstige Alternativen. Mit der Buchpreisbindung würden diese wegfallen. Antworten
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