Wirtschaft

Umstrittene Finanzprodukte der Credit Suisse

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 12.01.2012 6 Kommentare

Massgeschneiderte Produkte der Schweizer Grossbank vereinfachen laut einem Bericht Leerverkäufe für Hedgefonds. In vielen Ländern sind diese Geschäfte höchst umstritten, die Bank versichert die Einhaltung aller Vorschriften.

1/3 Wer hat hier die Übersicht? Dutzende, wenn nicht Hunderte Händler gehen ihren Geschäften nach (Blick in den Traderraum der deutschen Commerzbank).
Bild: Keystone

   

Artikel zum Thema

Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren zum Beispiel Aktien eines Unternehmens aus und verkaufen diese weiter, um sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Ein ungedeckter Leerverkauf bedeutet, dass eine Aktie verkauft wird, die der Verkäufer zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht oder noch nicht hält. Kritisch wird es dann, wenn der Verkäufer zwischenzeitlich einem Dritten liefern muss, das aber nicht kann, weil er die Aktie nicht hält.

Alles für den Kunden

Credit Suisse bietet institutionellen Anlegern eine ganze Palette an Dienstleistungen im Investmentbanking an. Besonders für Hedgefonds sollen die elektronischen Informations- und Handelsprodukte das so genannte Trading erleichtern (Prime Services). Die Handels- und Produktplattform der Schweizer Grossbank erleichtert im Speziellen den Handel mit Derivaten und auch Leerverkäufen. Dabei geht die technische Ausstattung mit einer Vorauswahl der Wertschriften für den Kunden Hand in Hand. Die anderen Bereiche des CS-Investmentbankings sind das Anleihengeschäft (Fixed Income) und Beratung.

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Laut einem Bericht der «Financial Times» (Artikel online nicht frei verfügbar) bietet die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) Produkte für Hedgefonds an, die Wetten auf fallende Aktien in der Eurozone erleichtern. In den USA hat die Bank mit derlei Produkten bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Die US-Finanzmarktaufsicht (Finra) hat der Schweizer Grossbank wegen Mängeln bei der Kontrolle von sogenannten Leerverkäufen eine Geldbusse von 1,75 Millionen Dollar aufgebrummt. Das Überwachungssystem der Bank habe von Juni 2006 bis Dezember 2010 in diesem Bereich ernsthafte Lücken aufgewiesen, erklärte die US-Aufsichtsbehörde im Dezember 2011.

Angesichts der anhaltenden europäischen Staatsschuldenkrise hinterlässt das CS-Angebot offenbar auch in der Finanzindustrie einen schalen Nachgeschmack: Die drei grossen Hedgefonds-Broker Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan erachten laut FT die «optimierten» CS-Produkte als heikel.

Im Einklang mit den Vorschriften

Die Credit Suisse nahm zu den Produkten in Europa am Mittwoch Stellung: «Wir bieten unseren Kunden Produkte an, die das Management von Investmentstrategien erleichtern und im Einklang mit regulatorischen Vorschriften stehen.» Die Produkte, die die CS in diesem Zusammenhang anbietet, sind Teil der Investmentbanking-Sparte. Konkret wird dadurch der Handel erleichtert, indem auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Analyse- und Handelsinstrumente angeboten werden. Das reicht bis zu vollelektronischen Handelsinstrumenten für sogenannte Trader. Die CS gehört zu den fünf grössten Anbietern der Welt, die ihren Kunden aus der Hedgefondsbranche solche spezifischen Produkte verkauft.

EU strenger als die Schweiz

Dass damit auch Leerverkäufe (Short Selling) ermöglicht werden, stört am Schweizer Finanzplatz weniger als in einigen Staaten der EU. «Leerverkäufe, die nicht durch eine Wertpapieranleihe unterlegt sind, sind hierzulande nach wie vor verboten», sagt Tobias Lux, Sprecher der Finanzmarktaufsicht (Finma). Herkömmliche Leerverkäufe hingegen bleiben weiterhin ohne Ausnahmen erlaubt. Dennoch hat die CS in einem internen Papier ihre Hedgefondskunden darauf hingewiesen, vor Handelsbeginn die Rechtmässigkeit solcher Geschäfte im eigenen Land zu überprüfen.

Spekulationsgeschäfte auf fallende Aktienkurse von Banken und Finanzunternehmen wurden in Frankreich, Italien, Belgien und Spanien angesichts der europäischen Schuldenkrise weitgehend verboten. Insbesondere Bankentitel leiden unter der anhaltenden Krise, weil diese hohe Abschreiber auf diverse Euro-Staatsanleihen vornehmen müssen. Investoren stossen deshalb Bankaktien im grossen Stil ab, weil sie das Vertrauen in die Performance der Banken verlieren – und auf diese Erwartungen auch spekulieren. Die Finanzinstitute sind gegen diese Dynamik wehrlos. Unter anderem deshalb haben einzelne Regierungen in der EU und Eurozone ein eingeschränktes Verbot über Leerverkäufe ausgegeben, um die Finanzindustrie vor einem weiteren Absturz zu bewahren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2012, 12:27 Uhr

6

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

6 Kommentare

Andres Müller

12.01.2012, 12:57 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Goldman Sachs ist der führende Anbieter von Wetten gegen den Euro -gegen Schweizer Franken. Mario Monti war Berater von Goldman Sachs, ebenso Draghi (welcher auch zuständig war zur Zeit der Fälschung der griechischen Statiken). Man sollte alle diese Leute in die Wüste schicken anstelle sie mit Posten zu beglücken bei denen Sie dem Treiben weitere Türen und Tore öffnen. Antworten


Alejandro Galan

12.01.2012, 19:35 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Keine Angst. Falls die CS sich tatsächlich irrt und Milliarden Verluste macht, stört überhaupt nicht. Die CS ist „to big to fail“ und man muss sich nicht beunruhigen. Die „Mama“ Helvetia und ihre Töchterchen SNB wären sie wieder bereit einige Milliarden locker zu machen, falls diese „Heiligtum“ in Gefahr wäre. Kein Problem, so wie so am Ende werden die Steuerzahler zahlen, die ja so nett sind Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.