Umstrittene Kapitalstärke: UBS wehrt sich gegen Studie von Standard & Poor's
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 25.11.2009
«Kein repräsentatives Bild» der Kapitalstärke: UBS-Chef Oswald Grübel.
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Sowohl die Credit Suisse als auch die arg krisengebeutelte UBS gelten im internationalen Vergleich als stark kapitalisierte Banken. Als Kennzahl hierfür dient die sogenannte Kernkapitalquote (Tier 1 ratio) gemäss dem Regelwerk Basel II. Per Ende September wies die Credit Suisse im Konzern eine Kernkapitalquote von 16,4 und die UBS eine solche von 15,0 Prozent aus. Damit dürfen sich beide Institute zur weltweiten Spitzengruppe zählen.
Die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) ist nun aber zu einem deutlich abweichenden Befund gekommen. Laut einer von ihr verfassten Studie ist die Credit Suisse nurmehr Mittelmass. Als geradezu prekär erweist sich aus Sicht von S & P die Kapitalausstattung der UBS, die in einer Auswahl von 45 Grossbanken auf dem drittletzten Platz landete (siehe Tabelle).
Noch ein Ergebnis der S & P-Erhebung stimmt nachdenklich: Die Kapitalpolster der Banken generell sind wesentlich schwächer einzustufen, als Basel II vermuten lässt. Die Ratingagentur hält denn auch als Fazit fest, das Kapital sei bei der Bonitätseinstufung der meisten der berücksichtigten Banken ein Schwachpunkt. Da das Basler Regelwerk in den kommenden Jahren verschärft werden soll, legt die S & P-Studie die Vermutung nahe, dass eine Vielzahl von Geldhäusern um Kapitalerhöhungen nicht herumkommen dürfte.
Umstrittenes Hybrid-Kapital
Doch weshalb gelangen die Bonitätsprüfer zu einer so ganz anderen Einschätzung als das Basler Regelwerk? Weil sie zum einen, die risikogewichteten Anlagen der Banken weitaus höher veranschlagen und zum andern das Eigenkapital schärfer eingrenzen als Basel II. So lässt S & P neben dem Aktienkapital und den Reserven nur begrenzt Hybridkapital zum Eigenkapital zu. Basel II dagegen zählt hybrides Kapital in einem breiteren Masse zum Kernkapital. Hybridkapital ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdmitteln: Rechtlich handelt es sich um Eigen-, wirtschaftlich gesehen aber um Fremdkapital.
Bei der UBS war das hybride Kapital am 30. Juni, dem Stichtag der Studie, mit einem Anteil von 81 Prozent am Kernkapital besonders hoch. Grund dafür war die Pflichtwandelanleihe des Bundes. Wie die UBS gestern mitteilte, vermittle S & P «kein repräsentatives Bild» von ihrer Kapitalstärke, weil in der Studie weder die Umwandlung von 6 Milliarden Franken in Aktienkapital im August noch die bis spätestens März 2010 vorgesehene Umwandlung von weiteren 13 Milliarden - beides aus der Pflichtwandelanleihe - enthalten sei.
Unter Einbezug dieser Mittel hat die UBS laut S & P-Definition eine risikoadjustierte Kapitalquote von 7,1 Prozent errechnet. In der Studie dagegen wird ihre Quote mit nur 2,2 Prozent angegeben. Zum Vergleich: Die Credit Suisse erreicht laut Studie eine Kapitalquote von 6,9 Prozent, und den Durchschnitt aller 45 einbezogenen Grossbanken hat S & P mit 6,7 Prozent errechnet.
Der Sprecher der Finanzmarktaufsicht Finma, Alain Bichsel, mochte sich zu den konkreten Zahlen nicht äussern. Entscheidend ist aus seiner Sicht jedoch die Notwendigkeit verschärfter Eigenmittelvorschriften für die Banken. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.11.2009, 06:12 Uhr
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