Wirtschaft

Umstrittenes Krebsmedikament: Roche bietet FDA die Stirn

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 22.11.2011 6 Kommentare

Der geplante Blockbuster Avastin darf laut FDA in den USA gegen Brustkrebs nicht zum Einsatz kommen. Der Pharmakonzern setzt deshalb auf die neuen Hoffnungsmärkte China und Lateinamerika.

1/5 Roche hält trotz Absage der US-Behörden an Vertrieb und Produktion des Brustkrebsmedikaments Avastin fest: Das neue Verwaltungszentrum von Roche im Kanton Zug.

   

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Die Food and Drug Administration hat am Freitag vergangener Woche die Zulassung für das Brustkrebsmedikament Avastin von Roche (ROG 152.4 0.26%) widerrufen. Die Entscheidung der obersten US-Zulassungsbehörde trifft den Schweizer Pharmariesen hart. Rund 800 Millionen Franken stehen allein für den US-Markt auf dem Spiel.

Gemäss den geplanten Umsatzzielen gehört das Krebsmittel zu den grössten Hoffnungsträgern des Konzerns. Gegen Darm-, Lungen-, Nieren- und Gehirnkrebs ist Avastin in den USA unverändert zugelassen. Nur als Brutskrebsmedikament hält die US-Behörde das Medikament für ungeeignet. Von der zugekauften US-Tochter Genentech in San Francisco wurde Avastin ursprünglich als Darmkrebsmedikament positioniert.

Die gesamte Pharmasparte, in der auch Genentech mit Avastin für Roche forscht, macht rund 80 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die anderen 20 Prozent entfallen auf den diagnostischen Bereich. An den zukünftigen Umsatzzielen für Avastin von weltweit sieben Milliarden Franken pro Jahr hält das Unternehmen eisern fest.

Neue Studie im nächsten Jahr

Roche geht deshalb in die Gegenoffensive und baut nun parallel zu den USA noch mehr auf die Wachstumsmärkte China und Lateinamerika, so Roche-Sprecher Daniel Grotzky. «Im internationalen Markt gibt es für Avastin durchaus Wachstum. Für 2012 rechnen wir damit, dass das Umsatzwachstum bei Avastin zurückkehren wird.» Im restlichen Weltmarkt inklusive China und Lateinamerika schlummere ein Umsatzpotenzial von 500 Millionen Franken. Generell solle die Pharmasparte des Konzerns in diesem Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich und mindestens um ein bis zwei Prozent wachsen.

Mit den gescheiterten Studien für Avastin gegen Brustkrebs in den USA sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. «Wir werden weitere Studien herausbringen, um die Palette der Indikationen zu erweitern», sagt Grotzky. Was gegen Brustkrebs helfen soll, kann gegen Eierstockkrebs nicht schlecht sein, dürfte die Devise lauten. In Europa hat der Konzern die Zulassung gegen Eierstockkrebs bereits beantragt. Im nächsten Jahr soll die Zulassung des Medikaments gegen diese Form der Krebserkrankung auch in den USA beantragt werden.

Kein weiterer Jobabbau geplant

Auch auf die Forschungsquote – also auf die Ausgaben anteilig vom Umsatz – werde sich der Rückschlag in den USA kaum auswirken, betont man bei Roche. Zwischen acht und neun Milliarden Franken pro Jahr gibt das Unternehmen insgesamt für Forschung aus. «Die Ausgaben für die Avastinforschung bleiben unverändert. Das ist eines der grössten Forschungsprojekte, das in der Onkologie betrieben wird», sagt Grotzky. Da die Forschungsausgaben langfristig geplant sind, werde sich wegen einer regulatorischen Entscheidung nichts daran ändern.

Somit seien auch keine weiteren Arbeitsplätze wegen der FDA-Absage unmittelbar betroffen. Ein weiterer Stellenabbau sei konzernweit zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht geplant. «Auf die Erhöhung der Produktivität muss man immer ein Auge haben.» Mit dem FDA-Entscheid habe das aber nichts zu tun.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2011, 14:47 Uhr

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6 Kommentare

Thomas Brown

21.11.2011, 15:48 Uhr
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Die übliche Geschichte. Wenn es nicht in die erste Welt darf dann verkaufen sie in der Dritten Welt. Antworten


Dani Kern

21.11.2011, 15:09 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Das ist moderne Form von Protektionismus. Die amerikanische Aufsichtsbehörde unterstützt mit ihrem Entscheid die einheimische Konkurrenz von Roche. Logischerweise wird das ganze so verpackt, dass es nach aussen nicht so aussieht. Antworten



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