«Ursprünglich war ich gegen die Abzocker-Initative...»
Aktualisiert am 01.04.2010 215 Kommentare
Gross ist die Aufregung im Leserforum von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Solche Gehälter sind einfach nur noch obszön», schreibt ein ratloser Leser. Und ein weiterer schiebt nach: «CS und UBS haben mit ihrerer exessiven Entlöhnungspolitik der oberen Manager ein Mass erreicht, das unerträglich ist.» Über 100 Kommentare waren es innert kürzester Zeit. Und kaum noch einer äussert Verständnis für das, was bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) vor sich geht. Viele Kommentatoren kommen zum Schluss, dass die CS damit den Abzocker-Initianten Vorschub leisten. Und damit treffen sie wohl den Nagel auf den Kopf.
SVP, FDP und CVP stellten sich anfänglich gegen die Abzocker-Initiative von Thomas Minder. Die SVP wagte inzwischen gar den Schulterschluss mit dem Initiant und brachte diesen sogar fast zur Aufgabe seines Volksbegehrens. Doch dann durchkreuzte die politische Mitte die Pläne der Volkspartei, indem sie auf einen Gegenvorschlag setzte, welcher wiederum den Blocher-Getreuen nicht passte.
Die Folge davon: Die Abzocker-Initiative wird zusammen mit dem Gegenvorschlag vors Volk kommen. Vermutlich Anfang nächsten Jahres. Und weil es Volksinitiativen bei einer solchen Konstellation aus Erfahrung schwer haben – nur eine Handvoll kamen durch – setzt die politische Mitte darauf, dass Initiant Minder spätestens vom Volk gestoppt wird.
«Dann müssen wir handeln»
Diese Rechnung droht aber nicht aufzugehen. Nach dem neusten Boni-Exzess bei der Credit Suisse brodelt es im Volk. Dass CS-Chef Brady Dougan nur wenige Tage nach dem Jahressalär von knapp 20 Millionen Franken erneut ein Zustupf von 70 Millionen Franken winkt, löst Unverständnis aus.
«Ursprünglich war ich gegen die Abzocker-Initative. Doch wenn die Banker sich nicht selbst disziplinieren können, müssen wir handeln», schreibt Patrick Eberle in einem Kommentar. Die Abzocker-Debatte in der Frühlingssession im Parlament ist vielen noch sehr präsent. Und sie bringen das eine nun mit dem anderen in Verbindung.
«Wasser auf die Mühlen»
«Ein weiterer überzeugender Werbespot für die Abzockerinitiative. Und da diese sowieso hochgradig angenommen wird, nimmt man sich halt jetzt noch was man kann», schreibt ein anderer resignierter Leser. Ob das Volksbegehren dann an der Urne durchkommt, wird sich weisen. Klar ist aber, die Befürworter-Fraktion hat mit dem milliardenschweren PIP-Plan der CS noch breitere Unterstützung erhalten. «Wasser auf die Mühlen der Abzocker-Initiative», folgert auch Leser Willy Loosli.
Abzocker-Initiant Thomas Minder sieht das selber auch so: «Dieses Programm wird dazu führen, dass die Unterstützung für meine Initiative noch grösser wird als bisher gedacht.» Der Performance Incentive Plan (PIP) der Credit Suisse könnte also zum Vote Yes Incentive Plan (Stimme-Ja-Anreiz-Plan), dem VYIP werden. (cpm)
Erstellt: 01.04.2010, 15:23 Uhr
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215 Kommentare
@peter berger Warum nur mag die Öffentlichkeit dem schwer arbeitenden Mann seine Belohnung nicht gönnen? - Weil der erneute Erfolg der Banken auch darauf beruhen, dass sie einige Leute auf die Stasse gestellt hatten - das ist weder belohnens- noch lobenswert - mit diesem Geld hätte man locker noch einige einstellen können. Antworten
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