Wirtschaft
Vasella tritt als Novartis-Konzernchef zurück
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Vasellas Lohn
Daniel Vasella hat in seinem letzten Jahr mit Doppelfunktion von Verwaltungsratspräsident und Konzernchef bei Novartis eine Entschädigung von 20,472 Millionen Franken kassiert. Das sind gut 70'000 Franken weniger als für 2008, dürften Vasella aber erneut zum bestbezahlten Manager der Schweiz machen.
Das Salär setzt sich laut dem Geschäftsbericht erneut überwiegend aus Aktien und Optionen basierten Entschädigungen zusammen, während der Barbetrag knapp 3,3 Millionen Franken ausmachte. Auf Entschädigungen von insgesamt über sieben Millionen Franken kamen die Novartis-Manager Mark Fishman, Joe Jimenez und Joerg Reinhardt. Die Entschädigung Vasellas hatte in den vergangenen Jahren Stoff für die Abzocker-Kontroverse geliefert. 2008 war das Salär noch um 21 Prozent gestiegen, nun blieb es trotz neuen Rekordergebnissen praktisch unverändert. Auf Grund anderer Bewertungsmethoden war die Anlagestiftung Ethos jeweils auf viel höhere Zahlen als die im Jahresbericht ausgewiesenen gekommen.
Daniel Vasella, der starke Mann an der Spitze des Basler Pharmakonzerns Novartis, (NOVN 49.33 0.57%) gibt etwas Macht ab: Er gibt sein umstrittenes Doppelmandat auf und tritt als Konzernchef zurück. Zum Abschied präsentiert er erneut ein Rekordergebnis.
Vasella bleibt Präsident des Verwaltungsrats. Er werde sich künftig auf strategische Prioritäten konzentrieren, teilte Novartis am Dienstag mit. Vasella, der im August 57 Jahre alt wird, leitete den Pharmakonzern während der letzten 14 Jahre als Konzernchef, davon elf Jahre im Doppelmandat als Verwaltungsratspräsident.
Sofortiger Rücktritt überraschend
Über die Aufgabe des Doppelmandats, wie dies kritische Aktionäre unter dem Gesichtspunkt guter Unternehmensführung (Corporate Governance) fordern, wurde schon länger spekuliert. Der sofortige Rücktritt kommt aber überraschend. Er erspart Vasella womöglich kritische Fragen an der Generalversammlung von Ende Februar.
Vasellas Nachfolger wird Joe Jimenez, bislang Leiter der Pharma- Sparte. Er übernimmt die Funktion des Konzernchefs auf den 1. Februar.
Der 1959 geborene US-Bürger trat im April 2007 in die Novartis ein, zuvor war er beim Ketchup-Giganten H.J. Heinz tätig. Zwischen 2002 und 2007 gehörte er zudem dem Verwaltungsrat des US- Pharmaunternehmens AstraZeneca an und war zuletzt als Berater beim Private-Equity-Unternehmen Blackstone tätig.
Rekordergebnis im 2009
Jimenez übernimmt von seinem Vorgänger ein gut bestelltes Haus. Konzernchef Vasella konnte am Dienstag für 2009 erneut ein Rekordresultat präsentieren: Novartis erzielte einen Gewinn von 10,267 Mrd. Dollar. Das ist ein Plus von 8 Prozent.
Der Umsatz kletterte um 7 Prozent auf 44,267 Mrd. Dollar. In lokalen Währungen betrug das Plus 11 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 11 Prozent auf 11,437 Mrd. Dollar.
Besonders dynamisch wuchsen die Pharma-Sparte und - wegen der Schweinegrippe noch ausgeprägter - das Geschäft mit Impfstoffen. Mit Pharma, dem wichtigsten Standbein des Konzerns, erhöhte Novartis den Umsatz um 8 Prozent auf 28,538 Mrd. Dollar. Die Sparte Impfstoffe und Diagnostika wuchs um 38 Prozent auf 2,424 Mrd. Dollar.
Generika-Umsatz rückläufig
Das Wachstum nicht mitzuhalten vermochte die Generika-Sparte Sandoz. Der Umsatz dort sank um 1 Prozent auf 7,493 Mrd. Dollar. Die Gesundheitssparte (Consumer Health) stagnierte auf Vorjahresniveau bei 5,812 Mrd. Dollar.
Die ausgewiesenen Zahlen sind Kernergebnisse, die um den Einfluss akquisitionsbedingter Faktoren und anderer Sonderpositionen bereinigt wurde. Unbereinigt belief sich das operative Ergebnis auf 9,982 Mrd. Dollar (&11 Prozent) und der Reingewinn auf 8,454 Mrd. Dollar (&4 Prozent)
Im vierten Quartal erzielte Novartis einen um satte 28 Prozent höheren Umsatz von 12,926 Mrd. Dollar. Der Pharma-Umsatz belief sich auf 7,773 Mrd. Dollar (&21 Prozent).
Konzernführung gestrafft
Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Novartis eine Fortsetzung des Wachstums. Der Umsatz soll in Lokalwährungen im «mittleren einstelligen Prozentbereich» wachsen. Dafür sollen jüngst eingeführte Produkte sowie Investitionen in Wachstumsmärkte sorgen.
Gleichzeitig mit dem Wechsel an der Spitze strafft Novartis die Konzernführung. Sie wird von 12 auf 9 Mitglieder verkleinert. Die Funktion des operativen Leiters (COO) wird aufgehoben. Auf diesem erst im Dezember 2008 geschaffenen Posten sass bislang Jörg Reinhardt, der lange als möglicher Nachfolger von Vasella als Konzernchef gehandelt wurde. Nun verlässt er das Unternehmen.
David Epstein, derzeit Leiter der Sparte Krebsmedikamente, wird Leiter der Pharma-Division. Ferner tritt Jon Symonds am 1. Februar die Nachfolge von Raymund Breu als Finanzchef an, der am 31. März das obligatorische Rentenalter erreicht.
Aktie legt zu
Finanzanalysten sprachen von einem soliden Jahresabschluss. Positiv werteten sie auch den raschen Rückzug Vasellas auf das Verwaltungsratspräsidium. In einem negativen Umfeld konnte die Novartis-Aktie im frühen Handel deutlich zulegen. (tan/ddp)
Erstellt: 23.02.2010, 19:06 Uhr



