«Verlässt Google die Schweiz, gehen 2400 Arbeitsplätze verloren»

Interview: Reto Knobel. Aktualisiert am 13.04.2010 76 Kommentare

Ruedi Noser, FDP-Nationalrat und Informatikunternehmer, kritisiert die Halbierung der Kontingente für Nicht-EU-Ausländer. Der Finanzplatz würde Hunderte von Arbeitsplätzen nach Asien auslagern.

1/30 Ein Radfahrer vor dem Google-Logo am Schweizer Sitz in Zürich: Wie lange gibt es das Unternehmen in der Schweiz noch?
Bild: Keystone

Das ausgefallendste Büro der Schweiz steht in Zürich Google in Zürich: «Hier hätte sich auch Michael Jackson wohl gefühlt»

   

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FDP-Nationalrat Ruedi Noser (49) ist Chef der Noser Group im zürcherischen Hombrechtikon und Präsident von ICT-Switzerland, dem Schweizer Dachverband der Informatik- und Telecombranche. (Bild: Keystone )

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Ruedi Noser, Google (GOOG 591.53 -2.01%) Schweiz beklagt den Mangel an IT-Spezialisten. Nachdem der Bund für das Jahr 2010 das Arbeitskontingent für ausländische Fachkräfte halbiert hat, ist sogar die Schliessung des europaweiten Forschungszentrums in Zürich ein Thema.
Das ist nicht nur ein Problem von Google, sondern eines der gesamten Branche. Die Informatik hat einen strukturellen Arbeitskräftemangel und ist auf Ausländer angewiesen. Wir brauchen jedes Jahr etwa 6000 neue IT-Arbeitskräfte und wir bilden nur etwa die Hälfte davon selbst in der Schweiz aus.

Warum holen Sie diese nicht aus dem EU-Raum? Der Beschluss, das Kontingent zu halbieren, betrifft nur Ausländer ausserhalb der EU.
Wir sind nicht nur auf Deutsche und Engländer angewiesen, sondern auch auf Amerikaner, Koreaner, Chinesen und Inder. Für diese Ausländer gilt, dass sie nur Arbeitsbewilligungen für 1, 2 oder 3 Jahre bekommen. Dann muss ein neues Kontingent beantragt werden.

Aus Gründen des Inländervorrangs und der Beschäftigungssicherung in der Schweiz ist die Massnahme des Bundesrats nachvollziehbar.
Für die IT-Branche nicht. Ende März musste einer meiner Mitarbeiter, ein indischer Informatiker, das Land verlassen. Welchen Sinn macht das? In Deutschland fand er sofort einen neuen Job, wir hingegen konnten die Person noch nicht ersetzen – weder mit einem Schweizer noch mit einem ausländischen Spezialisten. Ich rechne damit, dass die wenig durchdachte Bundesratsmassnahme 10'000 bis 15'000 Jobs verschwinden lässt – wenn sie nicht raschmöglichst rückgängig gemacht wird. Das sind Jobs, die wir unmöglich mit Schweizer Arbeitnehmern besetzen können. Ich gehe davon aus, dass insbesondere der Finanzplatz gezwungen ist, weiter Arbeitsplätze nach Asien auszulagern.

Was unternehmen Sie?
Ich habe in meiner Funktion als Präsident des Informatik- und Telekom-Dachverband ICT-Switzerland einige Fälle dokumentiert und diese an das Bundesamt für Migration weitergeleitet. Diese Woche wird unser Verband zudem beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vorsprechen. ICT-Switzerland drängt dazu, dass die Regierung den Entscheid schnell überprüft und rückgängig macht. Zudem ist der Entscheid des Bundesrates, das Kontingent zu halbieren, auf ein halbes Jahr beschränkt. Das gibt zusätzlich Anlass zu Hoffnung, dass der Entscheid für das zweite Halbjahr rasch geändert werden kann.

Google Zürich ist der grösste Forschungsstandort des Suchmaschinen-Riesen ausserhalb der USA und beschäftigt 600 Mitarbeiter. Welche Folgen hätte die Schliessung für den Wirtschaftsstandort Schweiz?
Pro Arbeitsplatz, der in der Informatikbranche aufgegeben wird, verschwinden zwei bis drei Zulieferer. Das heisst: Verlässt Google die Schweiz, gehen bis zu 2400 Arbeitsplätze verloren. Zudem hat Google für das Forschungszentrum in Zürich ja ehrgeizige Ausbaupläne. Die wären dann auch gefährdet, wenn die Kontingentierung so restriktiv bleiben würde. Wir sind aber zuversichtlich, dass dieser für den Forschungs- und Werkplatz Schweiz problematische Entscheid rasch korrigiert werden kann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2010, 14:05 Uhr

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76 Kommentare

Markus Stutz

13.04.2010, 15:19 Uhr
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Wir hätten dem freien Personenverkehr NIE zustimmen dürfen. Genau genommen hätten wir lediglich die von der Wirtschaft geforderten Fachleute ohne grosse Formalitäten ins Land lassen sollen. In den USA läuft das genau so und es funktioniert. Antworten


Eisabeth Meier

13.04.2010, 15:48 Uhr
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Wie schön, dass jetzt auch ein FDP-Politiker einsieht, dass die Schweiz die Zuwanderung steuern muss. Es bringt uns nichts, wenn massenhaft Arbeitskräfte aus dem EU-Raum einreisen, kurz arbeiten und dann arbeitslos werden, weil ein noch billigerer oder willigerer Einwanderer den Job übernimm. Wir müssen die Zuwanderung steuern können und die Arbeitskräfte (Spezialisten) weltweit rekrutieren. Antworten



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