Wirtschaft

Verrückt oder verantwortungslos?

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 31.03.2011 33 Kommentare

Sonova-Patron Andy Rihs ist ein Gefühlsmensch. Einer, der allem nachjagt, was ihn zu begeistern vermag. Und lebt seine Launen auch in Bereichen aus, von denen er «überhaupt nichts versteht».

1/7 Knalleffekt: Andy Rhis eröffnet das Zürcher Sechstagerennen im Hallenstadion (15. Dezember 2009).
Bild: Keystone

   

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Sonova-Gründer Andy Rihs ist der Nicolas Hayek der Hörgeräte-Branche: Der 68-Jährige gilt als innovativ, zuverlässig, integer. Doch der Skandal um mögliche Insidergeschäfte bei der ehemaligen Phonak zeigt den Stäfner Industriepionier in einem schiefen Licht. Sein Ruf leidet – nicht zum ersten Mal.

Am bekanntesten ist wohl der Skandal um den amerikanischen Radprofi Floyd Landis, der 2006 für Rihs’ Phonak-Team die Tour de France gewann. 2007 wurde Landis des Dopings überführt – und musste den Titel wieder abgeben. Kaum hatte sich der Verdacht gegen Landis erhärtet, stellte ihn Rihs auf die Strasse und zog sich vorübergehend aus dem Radsport zurück, um dem Gerede ein Ende zu machen. Dass er als Patron und Sponsor von der ärztlichen Nachhilfe im Phonak-Team keine Kenntnis gehabt haben soll, liess sich so wenig beweisen wie der Verdacht, dass sie seinen Segen hatte. In der Öffentlichkeit hatte sich Rihs stets als Kämpfer gegen Doping im Radsport gebärdet.

Ein «einfacher Bub vom Land»

Auffällig ist, dass weder Freunde noch Geschäftspartner eine böse Absicht hinter solchen Verstrickungen wittern. Sie alle sehen in Rihs vor allem das Gute. Dass er sich manchmal in die Nesseln setze, liege an seinem «eigenwilligen Wesen». Zweifellos eine Untertreibung. «Ein bisschen verrückt», wie es ein anderer umschreibt, trifft seinen Charakter wohl eher.

Dem Manager-Klischee entsprach Rihs als Verwaltungsratspräsident des Weltkonzerns Sonova (SOON 89.35 2.94%) nie. Das zeigte sich schon daran, wie unbeschwert er durch eine Generalversammlung führte. Und mit Dreitagebart, Rollkragenpullover oder offenem Hemdkragen hebt er sich fast demonstrativ von der Wirtschaftselite ab. Rihs wirkt hemdsärmlig, jovial und unkompliziert – und geht ohne Dünkel auf Menschen zu. Einer der reichsten Männer der Schweiz kokettiert mit der Rolle des «einfachen Buben vom Land», wie er sich am Zürcher Sechseläuten einmal selbst nannte.

Viele Entscheide trifft er aus dem Bauch heraus

Rihs sei gutgläubig, vertrauensselig und freigebig, aber auch grundehrlich, sagen Freunde sowie Bekannte, die ihn geschäftlich kennen. Und wenn ihn die Begeisterung für eine initiative Person oder für eine «gute Sache» packt, fackelt er nicht lange. Viele Entscheide trifft er aus dem Bauch heraus – auch wenn sie sich nachträglich als falsch erweisen. Aber vor allem legt er einfach mal los, ohne zuerst die Hälfte seiner Energie mit Powerpoint-Präsentationen und Businessplänen zu vergeuden. Dass er knapp 10 Prozent der Sonova-Aktien besitzt und über ein beträchtliches Vermögen verfügt, erlaubt ihm unternehmerische Abenteuer, die nüchterne Buchhalter erschrecken würden.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass er damit der Verantwortung, die er für Tausende von Arbeitsplätzen innehat, nicht immer Rechnung trägt. Sein geschäftlicher Erlebnishunger hat ihn auf so viele Hochzeiten geführt, dass ihm die Kontrolle über den Tanz im Stammhaus – das immerhin gut 7000 Menschen beschäftigt – entglitten ist. Gerade als Bauherr hat er aber auch seine weniger kumpelhaften Seiten hervorgekehrt. In Zug setzte er gegen Denkmal- und Grünraumschützer unzimperlich den Abbruch eines alten Herrschaftshauses durch. In Stäfa wollte er «zum Wohl des Dorfes» Industrieland mit Wohnbauten vergünstigen, um Unternehmen anzulocken. Doch die Gemeindeversammlung stellte sich quer.

Er leistet sich Geschäfte wie andere Hobbys

Rihs lebt seine Launen auch in Feldern aus, von denen er laut Experten «überhaupt nichts versteht» – etwa bei der Gratiszeitung «.ch», die sich als Eintagsfliege erwies. Er leistet sich Geschäfte wie andere Hobbys – etwa das Hotel Al Porto in Lachen SZ. In der Provence besitzt Rihs ein nobles Hotel mit Weingut, auch in Neuseeland winzert er. In den USA hat er in die Rinderzucht investiert. Und auch das Velogeschäft kann Rihs, der nach eigenen Worten jährlich 7000 Kilometer abspult, nicht lassen. In Grenchen strebt er mit Carbonvelos der Marke BMC das oberste Qualitätssegment an. Auch ein Rennteam ist wieder unterwegs – diesmal garantiert dopingfrei, verspricht Rihs.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2011, 07:33 Uhr

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33 Kommentare

Pierre Rappazzo

31.03.2011, 08:31 Uhr
Melden 20 Empfehlung

"Andy Rihs ist der Nicolas Hayek der Hörgeräte-Branche" Das ist eine Beleidigung Hayeks. Antworten


Claus Peters

31.03.2011, 08:53 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Der VR-Präsident weiss nichts von der Gewinnwarnung, verkauft aber kurz vorher für 40 Kisten Aktien? Und das nicht bei einem Tante-Emma-Wärkhöfli, sondern bei einer Weltfirma. Als Stützrädli für die Erklärung wieder mal der sattsam bekannte Herr Wigdorovits. Aufwachen, liebe Journis, Tagwache! Anstand und Rücksicht ist okay, aber helfen beim Leichen verbergen ist unprofessionell! Da stinkts! Antworten



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