Wirtschaft

Verspätungen könnten Easyjet den Namen kosten

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 22.07.2010

Gründer Haji-Ioannou gibt der Airline 90 Tage Zeit, um pünktlicher zu werden. Sonst entzieht er ihr die Rechte an der Marke Easy.

Easyjet muss handeln: Zu oft verlassen Passagiere das Flugzeug zu spät.

Easyjet muss handeln: Zu oft verlassen Passagiere das Flugzeug zu spät.
Bild: Keystone

Die Maschine der Easyjet sollte am Samstagabend von Genf nach Split und zurück fliegen. In Split warteten Dutzende von Urlaubern auf ihren Heimflug – und wurden in letzter Minute enttäuscht. Wegen tagsüber entstandener Verspätungen schaffte es der Flieger nicht mehr nach Kroatien. Der Flug wurde gestrichen, die Passagiere vertröstet. Auf den nächsten Flug, am Dienstag.

Von solchen Geschichten hat Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou genug: Per Anwalt gibt er der Fluggesellschaft 90 Tage Zeit, die Pünktlichkeit der Flüge drastisch zu verbessern. «Sonst bleibt mir nichts anderes übrig, als Easyjet die Lizenz zu entziehen», schreibt Haji-Ioannou auf der Website seiner Holdinggesellschaft Easy Group. Easyjet war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auch die Schweiz betroffen

Auslöser für die heftige Reaktion sind Statistiken des Flughafens London Gatwick, die am Wochenende in der britischen Presse auftauchten. Demnach starteten im Juni nur gerade 48 Prozent der Easyjet-Flüge mit weniger als 15 Minuten Verspätung. Das ist schlechter als Air Zimbabwe. British Airways brachte es zeitgleich auf über 85 Prozent pünktlicher Starts. Auch in der Schweiz sind die Verspätungen so häufig, dass laut Sonntagspresse der Chef des Euroairports in Basel das Gespräch mit Easyjet gesucht hat und das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Entwicklung verfolgt.

Laut Easyjet sind die in Europa grassierenden Fluglotsenstreiks in Kombination mit den engen Flugplänen schuld. Gründer Haji-Ioannou sieht das anders: «Die Fluggesellschaft hat zu wenig Crewmitglieder, um die Flüge zu betreiben, die sie ihren Kunden verkauft hat.» Und das wiederum sei das Resultat der fehlgeleiteten Expansionsstrategie des Ende Juni ausgeschiedenen Easyjet-Chefs Andy Harrison: «Harrison entschied im Winter, so viele Crewmitglieder wie möglich zu feuern, um die Zahlen fürs erste Halbjahr besser erscheinen zu lassen», kritisiert Haji-Ioannou. Weil im Sommer mehr Destinationen angeflogen würden, habe sich die Situation in den letzten Wochen verschärft. «Als Aktionär denke ich, das Unternehmen sollte den riesigen Bargeldbonus einbehalten, den es Harrison versprochen hat.»

Seit Jahren schwelender Streit

Offiziell argumentieren Haji-Ioannous Anwälte, die Unpünktlichkeit schade nicht nur der Fluggesellschaft selbst, sondern dem Ruf der gesamten Easy-Markenfamilie, zu der Hotels, Busse, Buchungsplattform oder Handyabos gehören. Damit verstosse Easyjet gegen die Lizenzvereinbarung. Beim Börsengang von Easyjet im Jahr 2000 ging die Marke Easy in den Besitz von Haji-Ioannous Easy Group über. Die Fluggesellschaft zahlt jährlich einen symbolischen Betrag von 1 Pfund für die Lizenz.

Easyjet-Gründer Haji-Ioannou kämpft bereits seit Jahren gegen die Expansionsstrategie der Airline. 2008 reichte er eine erste Klage ein. Damals warf er dem Management um Andrew Harrison vor, sich weiter vom Kerngeschäft zu entfernen, als es die Lizenzvereinbarung zuliesse. Der Rechtsstreit ist bis heute nicht geklärt. Später begehrte er gegen die Unternehmensführung auf, weil er den Expansionskurs des Unternehmens verurteilte und sich stattdessen für Dividendenzahlungen einsetzte.

Im Mai verliess er den Verwaltungsrat von Easyjet, mit dem er sich immer wieder überworfen hatte, um einen Aktionärsaufstand gegen die Expansionspläne zu organisieren. Haji-Ioannou und seine griechischzypriotische Familie kontrollieren 38 Prozent von Easyjet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2010, 22:34 Uhr

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