Verzweifelte Arbeitnehmer: Suizide auch in der Schweiz

Aktualisiert am 11.10.2009

Die Suizidserie bei France Télécom in den letzten Monaten sorgt für Schlagzeilen. Nun zeigen Recherchen der Zeitung «Sonntag», dass sich auch Schweizer Arbeitnehmer aus Verzweiflung umgebracht haben.

  • Ein Bankangestellter, der entlassen wurde, beging mithilfe von Medikamenten Suizid. Der 55-Jährige hinterlässt eine Frau und erwachsene Kinder.
  • Ein 38-jähriger lediger Mitarbeiter, der im internationalen Handel tätig war, sprang von einer Brücke und starb – dies, nachdem er von seinem Chef den blauen Brief erhalten hatte.
  • Ein 46-jähriger Banker unternahm einen erfolglosen Suizidversuch mit einer Schusswaffe, nachdem ihm sein Arbeitgeber gekündigt hatte. Seither ist der Vater zweier Kinder im schulpflichtigen Alter halbinvalid und sitzt im Rollstuhl.

Die drei Fälle ereigneten sich innerhalb der letzten sechs Monate. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verzichtet der «Sonntag» auf weitere Angaben über die Betroffenen. Eines haben die Fälle gemeinsam: Es handelte sich stets um Männer und um Kadermitglieder.

Krisenbedingte Depressionen

Seit Ausbruch der Krise stellen Psychiater einen Anstieg von Patienten mit Depressionen fest, welche in schweren Fällen zu Suizidgedanken und Suizidhandlungen führen können. «Ich stelle seit etwa einem Jahr einen Anstieg von bis zu 30 Prozent krisenbedingter Depressionen fest», bestätigt Prof. Erich Seifritz, Direktor an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Dies deckt sich mit den Beobachtungen der Sektionen des Kaufmännischen Verbandes. So müssen die Berater seit Anfang Jahr jede Woche zwei oder drei Arbeitnehmer mehr betreuen, die infolge von Arbeitsplatzverlust oder Lohnkürzungen unter Depressionen leiden. «Eine solche Zahl habe ich in meiner 25-jährigen Laufbahn noch nie gesehen», sagt Peter Vonlanthen, Geschäftsleiter des KV Zürich. (bru)

Erstellt: 11.10.2009, 07:31 Uhr

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