Wirtschaft

Villiger versteckt sich hinter Grübel

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 17.04.2009 15 Kommentare

Das grösste Problem der UBS ist der Vertrauensschwund. Dieser ist messbar. Im ersten Quartal betrug er 23 Milliarden Franken. Gefordert ist der neue Präsident – doch der sucht noch seine Rolle. Eine Analyse.

In jungen Jahren schwang sich Kaspar Villiger noch mutig auf die Bäume.

In jungen Jahren schwang sich Kaspar Villiger noch mutig auf die Bäume. (Bild: Keystone)

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Am 26. Februar zauberte Peter Kurer einen neuen Konzernchef aus dem Hut: Oswald Grübel, gelangweilter Pensionär und Banker a. D. Gleichentags bezog der Ex-Credit-Suisse-Mann ein Büro am UBS-Hauptsitz und legte los. Ganz der Macher, wie man ihn kennt. Seit Mittwoch wissen wir, dass jeder zehnte UBS-Mitarbeiter seinen Job verliert. Grübels Handschrift: Er kam, sah und traf radikale Entscheide.

Seit Grübel im Haus sei, soll Peter Kurer nichts mehr zu sagen gehabt haben, wird gemunkelt. Das liegt in der Natur der Sache. Ein scheidender Präsident ist eine Lame duck, eine lahme Ente. Entscheidend ist allerdings die Frage: Wie wird das mit dem neuen Präsidenten weitergehen, mit Kaspar Villiger? Wird dieser neben (unter?) Grübel etwas zu sagen haben?

Villiger versteckt sich hinter Grübel

Bisher gibt sich Villiger ausgesprochen defensiv. «Der Konzernchef wird die Bank mit starker Hand führen», sagte er am Mittwoch nicht zum ersten Mal. Und der Präsident? Bei allem Respekt für die Banker- und Saniererqualitäten des Oswald Grübel: Für die Rückgewinnung des Vertrauens fehlt dem Zahlenmenschen das politische Gespür. Mit Recht hat er zwar an der Generalversammlung den Zusammenhang zwischen Vertrauen und Profitabilität postuliert: «Eine Bank, die Verluste macht, kann auch kein Vertrauenskapital aufbauen.» Wer wollte schon sein Geld einem Institut anvertrauen, das nicht gewinnbringend damit umzugehen weiss?

Gerade die Tatsache, dass mit Grübels Einstieg bei der UBS der Mittelabfluss nicht gestoppt werden konnte, ist ein Hinweis darauf, dass auch seine Fähigkeiten nicht überirdischer Natur sind. Zogen im letzten Jahr Kunden die kaum fassbare Summe von 226 Milliarden Franken ab, waren es von Januar bis Ende März immer noch 23 Milliarden. Obwohl Grübel weitherum zugetraut wird, die UBS in die Profitabilität zurückzuführen, fliessen also weitere Kundengelder ab. Das zeigt, dass drastisches Kostenmanagement und striktes Streben nach Profitabilität allein nicht genügen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Niemand wollte verantwortlich sein

Die Ursachen des Vertrauensschwunds reichen tiefer. Es ist nicht nur die Misswirtschaft, welche die Kundschaft zur Konkurrenz trieb und treibt. Für tiefes Misstrauen sorgt die Tatsache, dass niemand ernsthaft die Verantwortung für die gemachten Fehler übernommen hat, dass die Chefetage trotz gravierender Fehlleistungen in grossem Stil abgezockt hat und sich Verwaltungsrat und Management bis heute weigern, künftigen Lohnexzessen einen Riegel vorzuschieben.

Das ist der Punkt, wo der Verwaltungsrat und vor allem dessen neuer Präsident gefordert wären. Doch Villiger laviert, sagt, er verstehe die Verbitterung im Volk, verteidigt aber das Lohnniveau der am Staatstropf hängenden Grossbank. Man kennt den ehemaligen Finanzminister: höflich, korrekt. Er selbst verzichtet auf den grösseren Teil der Entschädigung, die ihm als UBS-Präsident zustehen würde. Aber anderen wehtun, sich unbeliebt machen – das ist nicht sein Ding.

Kaspar Grübel entscheidet mutig

Wenn die UBS innert nützlicher Frist Vertrauen zurückgewinnen will, braucht sie zwei Grübels an der Spitze: Oswald Grübel, der als Konzernchef nicht vor unpopulären und drastischen Entscheiden zurückschreckt, indem er beispielsweise der Belegschaft die Gehaltsnebenleistungen zusammenstreicht. Genauso bräuchte die UBS einen Kaspar Grübel als Präsidenten, der ebenso klar durchsetzen würde: Keine Boni für das Geschäftsjahr 2008. Und: Keine Boni, die das Grundgehalt überschreiten. Und: Keine Begrüssungsmillionen für neue Manager. Und: Keine Arbeitsverträge für Verwaltungsräte, die Lohnfortzahlungen über die Amtsperiode hinaus festschreiben. Und so weiter.

Fast ist man geneigt, Peter Kurer nachzutrauern. Die UBS von heute hat wenig gemein mit jener bei seinem Amtsantritt. Verwaltungsrat und Konzernleitung wurden weitgehend erneuert. Die Kapitalbasis wurde in mehreren Schritten gestärkt. Verschiedenste Problembereiche wurden massiv reduziert: die aus der Subprime-Krise stammenden Risiken, die Bilanz, die Kosten und – last but not least – die sprichwörtliche UBS-Arroganz. Kurz: Die Leistungsbilanz von Peter Kurer lässt sich sehen. Er hat Führungsqualitäten gezeigt.

Davon ist bei Villiger bis jetzt nichts zu spüren. Von einem Mann von aussen erwartet man frischen Wind, das Infragestellen von Althergebrachtem, das Rütteln an Tabus. Stattdessen übt sich der neue Präsident im Sowohl-als-auch. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss Farbe bekennen. Auf die Bäume, Herr Präsident!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2009, 07:05 Uhr

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15 Kommentare

Peter Raliker

17.04.2009, 00:33 Uhr
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An die Redaktion: seid ihr sicher, dass der abfluss 23 mia. Sind und nicht ca. 7mia? Gemäss der Rede von Grübel sind die 23 mia in der Sparte WM Swiss Bank entstanden, denen stehen jedoch 16 mia in WM Americas gegenüber. Oder? Antworten


Arthur Spieser

17.04.2009, 10:19 Uhr
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Bruno Schletti reitet wieder einmal eine Attacke gegen die UBS. Das ist man von ihm ja gewohnt. Dass VR-Präsident Villiger, seit drei Tagen offiziell im Amt, noch keinen Leistungsausweis à la Kurer ausweisen kann, ist eigentlich logisch. Dass die UBS Kundengelder verliert, weil sie sich von 50'000 US-Kunden trennt, ist ebenfalls logisch. Antworten



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