Wirtschaft
Volvo-Verkauf nach China: Schweizer mit Zuversicht
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 29.12.2009 6 Kommentare
Spätestens im zweiten Quartal 2010 soll Volvo ( 11.04 -1.52%) Cars chinesisch werden. Der in Nöten steckende US-Konzern Ford will den traditionsreichen, aber hohe Verluste schreibenden schwedischen Autohersteller für rund 2 Milliarden Dollar an die chinesische Geely ( 2.55 -1.54%) verkaufen. Die erst 1986 als Kühlschrankbauer gegründete Geely gilt als Hersteller von Billigautos. Abgesehen vom Heimmarkt ist der zweitgrösste private Autohersteller Chinas bisher vor allem in Schwellenländern wie Südafrika, Indonesien, Mexiko und der Ukraine aktiv. Er ist seit langem auf der Suche nach moderner Technik, um seine Modellpalette aufzurüsten und für den europäischen Markt fit zu machen.
Geely bedeutet auf Chinesisch Glücksbringer. Würde der Verkauf von Volvo auch die anspruchsvolle Schweizer Kundschaft beglücken? Oder entsteht ein Imageschaden? Hiesige Händler geben sich wortkarg. Man habe vom Verkauf nur aus den Medien erfahren.
Fertigung in Europa bleibt
Gesprächiger zeigt sich Sascha Heiniger, der Sprecher des Importeurs Volvo Schweiz: «Der typische Volvo-Käufer ist sozial engagiert und erwartet ein Auto, das in Europa unter den hiesigen Sozialstandards hergestellt wird.» Heiniger ist zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Geely wolle Volvo als Premium-Marke weiterführen und die Autos für den europäischen Markt weiterhin in Europa bauen. «Wir sind überzeugt, dass die grosse Mehrheit unserer Kunden uns auch unter chinesischen Eigentümern die Stange halten wird», sagt Heiniger. Ford habe in den Verhandlungen mit Geely zudem festgelegt, dass Volvo Cars ein eigenständiger Brand bleiben und auch in Zukunft seine eigenen Produkte und Businesspläne erstellen wird. Heiniger sieht im möglichen Verkauf auch Chancen, ist doch Geely stark in der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien – und der Elektroantrieb ist auch für Volvo ein wichtiger Zukunftsbereich.
Geely-Chef beruhigt
In Schweden befürchten die Gewerkschaften derweil Schlimmes. Geely-Chef Li Shufu versuchte in einem Interview mit der staatlichen Agentur Neues China, das von Reuters verbreitet wurde, die Gemüter zu beruhigen: Volvo werde eine eigenständige Leitung haben, man werde die Produktion aufrechterhalten und sich an die geltenden gewerkschaftlichen Abkommen halten. Laut Li Shufu waren die Verhandlungen bezüglich der immateriellen Rechte komplizierter als die Gespräche über den Preis. Kein Wunder: Mit 6,5 Milliarden Dollar hatte Ford 1999 gut dreimal so viel bezahlt.
Neben Volvo steht mit Saab ( 17 -23.94%) auch ein zweiter traditionsreicher Schwede zum Verkauf. Für die Rechte an den Produktionsplattformen für die drei modernsten Limousinenreihen und zwei Motorsysteme zahlt die chinesische Baic 200 Millionen Dollar. Ob der Rest noch an den niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft wird, soll in diesen Tagen entschieden werden.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.12.2009, 04:00 Uhr
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6 Kommentare
Gottseidank ist das Gedächtnis der Konsumenten recht bescheiden in solchen Dingen: So diskret wie das abgewickelt wird, wird das in 12 Monaten kaum mehr einer wissen - dass Volvos eigentlich chinesische Autos sind. Wer dachte denn schon, dass er ein amerikanisches Auto hat, wenn er einen Saab kaufte??? Antworten
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