Währungsgewinner: Verfahren gegen Jura eröffnet

Die Wettbewerbskommission mobilisiert gegen Unternehmen, die Währungsgewinne abschöpfen. Auch Nike und Adidas sind im Visier der Kartellhüter.

Ermittlung wegen Marktabschottung: Jura soll sich geweigert haben, Garantieleistungen für im Ausland gekaufte Kaffeemaschinen zu erbringen.

Ermittlung wegen Marktabschottung: Jura soll sich geweigert haben, Garantieleistungen für im Ausland gekaufte Kaffeemaschinen zu erbringen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jetzt macht die Wettbewerbskommission (Weko) Ernst im Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz. In der ersten Oktoberwoche hiess es, die Behörden würden 10 Pilotverfahren gegen Unternehmen einleiten, die Währungsgewinne abschöpfen. Jetzt lässt die Weko ihrer Ankündigung Taten folgen: Sie hat Untersuchungen eröffnet gegen die Jura Elektroapparate AG sowie die Kosmetik-Herstellerin Care on Skin. Beide stehen im Verdacht, mit Absprachen Parallelimporte zu behindern.

Gegen die Solothurner Kaffeemaschinenherstellerin Jura sei man aufgrund von Konsumentenmeldungen aktiv geworden, erklärt Weko-Direktor Rafael Corazza. Diese hätten reklamiert, dass Jura Garantieleistungen für Geräte verweigere, die sie im Ausland oder übers Internet bezogen hätten. «Wir ermitteln, ob eine Marktabschottung vorliegt, die gegen das Kartellgesetz verstösst», so Corazza. Jura selbst will zum laufenden Verfahren keine Stellung nehmen, wie ein Sprecher erklärte.

Auch Elektrovelos im Visier

Im Falle von Care on Skin beklagte die Inhaberin eines Kosmetikstudios, sie sei daran gehindert worden, ihre Kosmetikprodukte im günstigeren Ausland zu kaufen. Auch habe die Firma das Kosmetikstudio unter Druck gesetzt, um zu unterbinden, dass dieses ihre Produkte im Internet vertrieb.

Die beiden Verfahren sind bloss der Anfang der Behördenoffensive gegen Währungsgewinner: Wegen Verdacht von Preisbindung im Online-Handel mit Elektrogeräten und bei Elektrovelos sind in den letzten Tagen bereits Vorabklärungen aufgenommen worden. Und in den nächsten Wochen dürfte die Weko auch Verfahren gegen Nike (NKE 90.9 0.59%) und Adidas ( 0.00%) einleiten. Abklärungen dazu werden derzeit getroffen, wie Corazza bestätigt.

Dabei geht es ebenfalls um eine mögliche Behinderung von Parallelimporten: Den Anstoss gaben auch hier Konsumenten, denen Markenartikelunternehmen verwehrten, übers Internet Sportbekleidung im günstigeren Ausland zu bestellen. Auch sollen sich laut TA-Informationen Sportfachhändler in Grenzregionen darüber beklagen, dass die Einstandspreise über den Endverkaufspreisen im grenznahen Ausland liegen. Man habe von der Weko eine Anfrage erhalten und prüfe diese nun, sagt dazu Olaf Markhoff, Sprecher von Nike Schweiz. Adidas-Specherin Katja Schreiber erklärt, die Weko hätte bisher bloss im Rahmen einer allgemeinen Umfrage den Kontakt gesucht. Dabei sei es darum gegangen, das Marktverhalten von Adidas in der Schweiz zu analysieren.

Intervention «reichlich spät»

Eine weitere Vorabklärung hat die Weko gegen einen Hersteller von Babynahrung eingeleitet. Bemerkenswert daran ist, dass die Wettbewerbskommission «bloss» aufgrund von sehr grossen Preisunterschieden zwischen dem Ausland und der Schweiz Ermittlungen aufgenommen hat.

In der Vergangenheit wurden Weko-Vertreter nicht müde, zu wiederholen, Preisunterschiede allein würden noch keine behördliche Intervention rechtfertigen, da diese nicht zwingend gegen das Kartellgesetz vorstossen. Jetzt könnte sich in dieser Frage ein Gesinnungswandel abzeichnen, wie ihn Konsumentenschützer seit langem fordern. Entsprechend positiv fällt auch das Echo von Sara Stalder, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, aus: «Die Schritte der Weko kommen reichlich spät, aber sie stimmen uns zuversichtlich.»

Die Konsumentenschützerin hofft, dass die Weko nun den Mut hat, auch gegen Grosskonzerne wie Beiersdorf vorzugehen: «Noch ist die Weko den Beweis schuldig geblieben, gegen Firmen Verfahren einzuleiten, deren Produkte bei den Grossverteilern oder im Fachhandel im Regal stehen.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.10.2011, 07:54 Uhr)

Artikel zum Thema

Weko versinkt wegen der Frankenstärke in der Arbeit

Bei der Wettbewerbskommission sind deutlich mehr Beanstandungen wegen Preisunterschieden eingegangen als in früheren Jahren. Nun schieben die Wettbewerbshüter Extra-Schichten. Mehr...

Video: Mehr Weko-Beschwerden

Bei der Wettbewerbskommission sind deutlich mehr Beanstandungen wegen Preisunterschieden eingegangen als in früheren Jahren. Nun schieben die Wettbewerbshüter Extra-Schichten. Mehr...

Adidas peilt Rekordgewinn an

Dank der boomenden Nachfrage in China konnte der Konzern seinen Quartalsumsatz und seine Wachstumsprognose erhöhen. Adidas rechnet mit einer Gewinnsteigerung um 15 Prozent. Mehr...

[Alt-Text]

Werbung

Neuwagenkonfigurator

car4you.ch: Alle Marken – Jetzt Ihr Wunschauto konfigurieren!

Die Welt in Bildern

Schirmrevolution: Das Symbol der pro-demokratischen Proteste in Hongkong (24. Oktober 2014).
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...

Publireportage

Cocktails vom Fass

Ein neuer Trend erreicht die Schweizer Bars.

Marktplatz

Werbung

Neuwagenkonfigurator

car4you.ch: Alle Marken – Jetzt Ihr Wunschauto konfigurieren!

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Weiterbildung

Der richtige Flow

Man kann sich nicht konzentrieren und Lust hat man auch nicht. Was tun?

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Werbung

Die neuen digitalen Abos

Unbeschränkten Zugriff auf den Tages-Anzeiger. Jetzt testen ab CHF 1.-.


Umfrage

Hatten Sie schon einmal Schwierigkeiten mit sogenannt codierten Arbeitszeugnissen?



Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Marktplatz

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Werbung

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.


Umfrage

Haben Sie auch schon Projekte per Crowdfunding unterstützt?





Umfrage

Finden Sie die Privatisierung von Wasser durch Grossunternehmen in Ordnung?