Warum Frauen der UBS gut tun

Die Grossbank erhöht mit Beatrice Weder di Mauro und Isabelle Romy den Frauenanteil im Verwaltungsrat – höchste Zeit, finden Experten. Der Bank winken gleich mehrere Vorteile.

Wirtschaftswissenschaftliche Weisheit für die UBS: Beatrice Weder di Mauro, ehemalige Sachverständige der Deutschen Wirtschaft.

Wirtschaftswissenschaftliche Weisheit für die UBS: Beatrice Weder di Mauro, ehemalige Sachverständige der Deutschen Wirtschaft. Bild: Keystone

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Verfechter der Geschlechtergleichstellung durften sich heute Morgen über die Nachricht der UBS (UBSN 16.39 0.24%) freuen: Wie die Bank ankündigt, sollen Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger und der abtretende Verwaltungsrat Bruno Gehrig im Mai durch zwei Frauen ersetzt werden. Ins Gremium stossen sollen die Schweizer Ökonomin Beatrice Weder di Mauro und die Schweizer Juristin Isabelle Romy – erstere ist als eine der fünf Deutschen «Wirtschaftsweisen» bekannt, letztere arbeitet als Rechtsprofessorin und Partnerin einer renommierten Anwaltskanzlei. Gegenwärtig ist mit Ann Godbehere nur eine Frau im elfköpfigen Gremium vertreten.

Drei Frauen im Verwaltungsrat: Was bedeutet diese Neuzusammensetzung für die UBS? Tatsächlich steht es mit dem Frauenanteil in Verwaltungsräten nicht überall zum besten. Im vierzehnköpfigen Verwaltungsrat der Credit Suisse ist beispielsweise nur eine Frau vertreten; es ist die irisch-amerikanische Doppelbürgerin Noreen Doyle. Bei der amerikanischen Citigroup sind zwei von dreizehn Mitgliedern des Verwaltungsrats weiblich. Auffallend durchmischt ist dagegen die Deutsche Bank: Acht von zwanzig Aufsichtsratssitzen werden im Frankfurter Finanzunternehmen von Frauen besetzt (wobei sechs dieser Frauen die Arbeitnehmerseite und zwei die Arbeitgeberseite vertreten).

Drei Frauen sind Pflicht

Im Branchenvergleich belegt die Deutsche Bank damit einen Spitzenplatz. Wie der Verein «Frauen in die Aufsichtsräte» ermittelte, sind in Deutschen Finanzinstituten durchschnittlich nur knapp acht Prozent der Konzernleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder weiblich. Präsidentin Monika Schulz-Strelow sähe es gern, wenn dieser Anteil etwas höher wäre: «Mindestens drei Frauen sollten im Verwaltungsrat eines Unternehmens vertreten sein», sagt Schulz-Strelow, die in Deutschland als einflussreiche Lobbyistin für Frauenfragen gilt.

Bei der Regierungskommission «Deutscher Corporate Governance Kodex» fand Schulz-Strelows Forderung Gehör: 2010 erliess die Behörde eine Empfehlung, wonach jedes börsennotierte Unternehmen eine Angabe über die geplante Anzahl der Frauen in Aufsichtsratspositionen machen solle. Diese «Frauenquote» könnten Unternehmen nach eigenem Ermessen festlegen – einmal aufgestellt, müssten Firmen jedoch die Quote respektieren und periodisch Rechenschaft ablegen. A propos: In der Kommission sitzt auch die Ökonomin Beatrice Weder di Mauro, die nun zum UBS-Verwaltungsrat hinzustossen soll.

Frauen gegen das Gruppendenken

Dort dürfte sie zusammen mit Kollegin Isabelle Romy auch etwas Staub aufwirbeln – zumindest wenn es nach den Erkenntnissen der Wirtschaftsforschung geht. «Frauen hinterfragen Vorschläge des VR-Präsidenten öfter als Männer», weiss Expertin Schulz-Strelow: «Sie fühlen sich den wirtschaftlichen Männernetzwerken weniger verpflichtet und trauen sich deshalb, kritische Nachfragen zu stellen.» Diskussionen über Details seien Karrierefrauen auch weniger peinlich als Männern – den Argwohn männlicher Kollegen seien sie ohnehin gewohnt.

Gudrun Sander, Vizedirektorin an der Executive School der Universität St. Gallen, pflichtet der Deutschen Expertin bei. «Ein höherer Frauenanteil im Verwaltungsrat hilft, Gruppendenken zu verhindern», sagt sie – ein relevantes Phänomen, gerade in der männerdominierten Finanzbranche, wo anteilsmässig wenig Frauen im höheren Management vertreten sind. Als Neulinge würden sich Frauen oft sehr sorgfältig auf Verwaltungsratssitzungen vorbereiten, meint Sander. Mit hartnäckigen und kritischen Fragen würden Frauen nicht selten eine Erhöhung der Transparenz im Unternehmen bewirken. «Essentiell bleibt jedoch die berufliche Qualifikation», hält Sander fest.

Kompetenz für die Ausschussarbeit

Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger misst dem Faktum «drei Frauen im UBS-Verwaltungsrat» derweil keine grosse Bedeutung bei. In seiner Karriere war Geiger selbst Mitglied verschiedener Verwaltungsräte und Aufsichtsgremien rund um den Schweizer Bankenplatz. Vor zwanzig Jahren hätten weibliche Führungskräfte gewissen Rechtfertigungsdruck verspürt, so Geiger. Doch diese Zeiten seien vorbei: Keine Frau hätte heute noch das Gefühl, man halte sie im Verwaltungsrat für eine «Quotenfrau». Zur heutigen Situation meint Geiger: «Die Fähigkeiten sind entscheidend, das Geschlecht ist irrelevant».

Qualifikationen kommen laut Geiger vor allem in der Ausschussarbeit von Verwaltungsräten zum Zug. Eine Grossbank müsse sich sehr gut überlegen, welche Talente sie für Kommissionen wie den Lohn-, Audit- oder Risikoausschuss rekrutieren wolle, sagt Geiger. In dieser Hinsicht scheint die UBS jedenfalls ganze Arbeit geleistet zu haben; Isabelle Romy gilt als Expertin in Sachen grenzüberschreitende Gerichtsprozesse schlechthin. Auch mit der UBS ist die Partnerin der Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey bereits bestens bekannt: 2009 trat sie als Zeugin vor Gericht in Miami auf, um im Auftrag der UBS den US-Behörden die Funktionsweise des Schweizer Bankgeheimnisses zu erklären.

Mit dem Zuzug von Beatrice Weder di Mauro und Isabelle Romy gewinnt UBS also gleich doppelt: Nicht nur erhält die Grossbank Zugang zu Fachwissen und Beziehungen zweier ausgewiesener Experten. Die Bank kann sich damit auch als Vorkämpferin in Sachen Gleichstellung und Corporate Governance profilieren. Nicht nur die als «Wirtschaftsweise» zurückgetretene Weder di Mauro wird es zu schätzen wissen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 03.02.2012, 19:34 Uhr)

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Der geplante Wechsel der Ökonomin Beatrice Weder di Mauro in den UBS-Verwaltungsrat hat in Deutschland hohe Wellen geworfen. Die Professorin scheidet aus dem exklusiven Zirkel der fünf «Wirtschaftsweisen» aus, welcher die Regierung in Berlin berät.

Weder di Mauro ist seit der Gründung des Gremiums 1963 bisher die einzige Frau gewesen, die in diesem Einsitz genommen hat. «Ich habe rund acht Jahre lang mit grosser Freude meine Tätigkeit im Sachverständigenrat ausgeübt», sagte die gebürtige Baslerin mit Schweizer und italienischer Staatsbürgerschaft.

Gemischte Reaktionen

Ihre Amtszeit endet turnusgemäss am 29. Februar und die Finanzmarktexpertin stellt sich nicht mehr zur Verfügung für weitere fünf Jahre. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagte, Weder di Mauros Expertenwissen werde in Deutschland besonders in Fragen internationaler Wirtschaftsbeziehungen fehlen.

Die grüne Partei verband ihr Bedauern mit einem Seitenhieb auf die Finanzbranche: «Schade, dass eine so kompetente Frau an der Spitze der Wissenschaft zu einer Bank geht», sagte der Finanzexperte der Grünen-Fraktion, Gerhard Schick.

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, bedauert Weder di Mauros Entscheidung. «Das ist ein Schlag ins Kontor», sagte Franz zu «Handelsblatt Online». Er könne ihre Beweggründe aber verstehen, denn ein Angebot wie jenes der UBS bekomme man nicht alle Tage, sagte er. (sda)

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