Wirtschaft

Warum Marc Rich bei Madoff rechtzeitig ausstieg

Der 76-jährige «King of Oil» spricht in einem «Weltwoche»-Interview über sein Madoff-Investment. Und er sagt, warum er sich vor Reisen in die USA fürchtet und dass er ein Comeback als Rohstoffhändler erwägt.

«Ich war im Geschäft erfolgreich, nicht aber in der Familie»: Marc Rich. (Bild: Keystone )

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Marc Rich hat offenbar ein Gespür für das richtige Timing. Dies bewies der Rohstoffhändler auch mit seinem Investment beim Jahrhundertbetrüger Bernard Madoff. Während andere Leute viel Geld verloren, machte Rich Profit, weil er noch rechtzeitig ausstieg, wie er in einem «Weltwoche»-Interview verrät. «Etwa drei Monate bevor Madoffs Betrug aufflog, kriegte ich so ein seltsames Gefühl, dass ich aussteigen sollte. Und ich stieg mit allem aus.»

Als Rich dieses seltsame Gefühl bekam, habe er seine Finanzberater zu Madoff geschickt, um seine Ertragsmodelle zu prüfen. Madoff habe ihnen aber nur einen sehr beschränkten Einblick in seine Geschäfte gegeben. «‹Wir verstehen nicht, was er macht›, sagten sie mir, als sie zurückkamen, ‹es ist zu schön, um wahr zu sein.› Das war für mich das Signal, um auszusteigen», erinnert sich Rich. «Ich war gut beraten. Über das Ganze gesehen, war es ein gutes Investment. Wir verdienten Geld.» Er sei zeitweise mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag bei Madoff beteiligt gewesen, sagt der 76-jährige «King of Oil». Persönlich habe er Madoff nie getroffen.

Rich befürchtet neue Attacken der USA

Im Interview widerspricht Rich dem Gerücht, dass er in der Finanzkrise einen erheblichen Teil seines Vermögens verloren habe. «Ich hatte Verluste, aber nicht erhebliche.» Inzwischen sei es gelungen, die Verluste weitgehend wieder wettzumachen. Auf 1500 Millionen Dollar schätzt das US-Magazin «Forbes» das Vermögen von Rich.

Rich, der genau vor zehn Jahren vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton begnadigt worden war, äussert sich in der «Weltwoche» auch über sein heutiges Verhältnis zu den USA. Er sei nicht mehr in den USA gewesen. Und er werde auch nie mehr dorthin reisen, obwohl er New York vermisse und Land und Leute liebe. Rich befürchtet, «dass die Amerikaner mit etwas Neuem kommen, um mich wieder attackieren zu können». Zur Erinnerung: Rich war wegen Steuerhinterziehung und illegalem Handel mit dem Iran in den USA angeklagt gewesen.

Beteiligungen an Zink-, Palladium- und Diamantminen

Im Interview macht Rich auch klar, dass er sich nie aus dem Geschäft zurückziehen wird. «My business is my life.» Er sei zwar als Gesellschafter aus seiner Holding ausgeschieden, er bleibe aber Geschäftsleiter. Zudem sagt Rich, dass er vermehrt wieder daran denke, sich direkt am Rohstoffgeschäft zu beteiligen. In diesem Geschäft sei er heute nur noch über Hedgefonds dabei. Momentan prüft Rich Beteiligungen an Zink-, Palladium- und Diamantminen in afrikanischen Ländern.

Wie Rich weiter verrät, will er seine Villa in Meggen verkaufen, aber seinen Wohnsitz in der Schweiz behalten. Im Leben seien zwei Dinge wichtig: Erfolg im Geschäft und gute Beziehungen zu Frau und Kindern. Die Lebensbilanz des erfolgreichsten Rohstoffhändlers aller Zeiten ist allerdings nicht nur positiv, wie er einräumt: «Ich war im Geschäft erfolgreich, nicht aber in der Familie. Ich bin zweimal geschieden.» (vin)

Erstellt: 27.01.2011, 11:20 Uhr

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3 Kommentare

Franz Holzer

27.01.2011, 13:43 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Lustig: Aber beim Einstieg hat er sich nicht hinterfragt ? Dieser Marc Rich wusste von anfangs an, was hier gespielt wurde - Gerüchte waren an der Bahnhofstrasse schon Monate im Gang !!!! Antworten


Peter Wotz

27.01.2011, 13:07 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Herr Rich mag wohl das eine oder andere Geschäft in rechtlichen Grauzonen gemacht haben, nichtsdestotrotz ist er für mich ein brillanter Geschäftsmann und eine beeindruckende Persönlichkeit. Sehr empfehlenswert ist das Buch "King of Oil", wenn auch es stellenweise etwas zu wenig differenziert ist. Antworten


Pat Sibler

27.01.2011, 12:22 Uhr
Melden

Marc Rich hat leider Recht: Er befürchtet, dass die USA "wieder mit was Neuem kommen", um ihn zu attackieren. Das immer "wieder mit was Neuem kommen" ist eine Eigenart von rachsüchtigen, plumpen Unrechtsstaaten. Und dazu gehören die USA. Sehr zu meinem Bedauern - es ist schade, wohin sich dieses Land entwickelt hat. Antworten



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