Wirtschaft

Warum Wallstreet so gefährlich wurde wie Tschernobyl

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 22.01.2010 16 Kommentare

Der amerikanische Präsident will Investment- und Geschäftsbanken trennen. Ein logischer Schritt von Barack Obama, der auf eine Neuauflage des «Glass-Steagall-Acts» setzt.

Katastrophen: Die Bankenkrise nahm ökonomisch betrachtet Ausmasse an, die denen des Atomunfalls in der Ukraine ähneln.

Katastrophen: Die Bankenkrise nahm ökonomisch betrachtet Ausmasse an, die denen des Atomunfalls in der Ukraine ähneln.
Bild: Keystone

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Sollen Grösse und Aufgabenbereiche von Banken begrenzt werden? Dies plant US-Präsident Barack Obama, um eine weitere Finanzkrise zu verhindern.

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Die «Financial Times» vergleicht das Verhalten der Banken in den letzten Monaten mit dem Ende des Hollywood-Films «Terminator 2»: Jedes Mal wenn der bösartige Roboter endgültig erledigt scheint, setzt er sich wieder neu zusammen. Genauso war es in letzter Zeit an der Wallstreet: Nach dem Crash von Lehman Brothers lagen die Investmentbanken am Boden. Jetzt schreiben sie bereits wieder Rekordgewinne.

Doch nun hat der Präsident der USA genug: «Nie mehr soll der amerikanische Steuerzahler in die Geiselhaft von Bankern geraten, die ‹too big to fail› sind», donnerte er und stellte gleichzeitig seine Absichten vor, wie er die Geldinstitute in den Griff bekommen will. Im Kern strebt er an, das Investmentbanking stärker von den restlichen Geschäften zu trennen, damit Profitstreben weniger als bisher zu riskantem Verhalten anspornt.

Clinton hob das Gesetz auf

Obamas Absichten könnten mit einen anderen Hollywood-Blockbuster verglichen werden: «Back to the future». Das neue Regelwerk erinnert nämlich an den so genannten Glass-Steagall Act, ein Gesetz, dass 1933 nach den Börsenexzessen der Zwanzigerjahre und dem Crash von 1929 eingeführt worden war. Nach einem jahrelangen und intensiven Lobbying der Banken wurde dieses Gesetz 1999 von der Clinton-Regierung wieder ausser Kraft gesetzt. Die Begründung: Es sei gut und recht in der Welt der Industriegesellschaft gewesen, aber die Welt habe sich nun mal verändert.

Der Glass-Stegall Act hat die Tätigkeit von Geschäftsbanken und das Investmentbanken strikt getrennt. Konkret bedeutete dies, dass ein Geldinstitut vor der folgender Wahl stand: Entweder wird es eine Geschäftsbank. Es nimmt Spargelder entgegen und verleiht diese weiter in Form von Hypotheken und Darlehen. Diese Tätigkeit ist für jede Volkswirtschaft von grösster Bedeutung, es ist gewissermassen ihr Herz. Wenn es still steht, geht gar nichts mehr. Deshalb geniessen Geschäftsbanken den Schutz des Staates, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Von der Notenbank werden sie im schlimmsten Fall mit Notkrediten über Wasser gehalten, für die Einlagen der Sparer bürgt der Staat.

Einträglich, aber risikoreich

Die Investmentbanker spielen ein ganz anderes Spiel. Sie verdienen ihr Geld mit der Herausgabe und dem Handel von Wertschriften und Devisen, sie stellen Überbrückungskredite für Unternehmensfusionen bereit oder beteiligen sich an Hedge Funds und Private Equity Firmen. Ein einträgliches, aber auch risikoreiches Geschäft.

Nach dem Wegfall des Glass-Stegall Acts war die Trennmauer zwischen Geschäfts- und Investmentbanken niedergerissen. Das bedeutete, dass die Banken nun mit billigen Spargeldern hoch rentable, aber auch hoch riskante Investmentgeschäfte tätigen konnten. Das war nach Meinung vieler Experten mit ein Grund für die Finanzkrise. Und es ist vor allem der Hauptgrund für die jetzige Krise. Werden Geschäfts- und Investementbank vermischt, dann befindet sich der Steuerzahler tatsächlich in Geiselhaft. Die Bank kann nicht pleite gehen, weil dann das Herz still steht, respektive das ganze System abstürzt.

Dem Geschäft Grenzen setzen

Das will Präsident Obama wieder ändern. Seine Absicht ist es, dass Banken, die Zugang zu Notkrediten der Notenbank haben und deren Spareinlagen versichert sind, in Zukunft nicht mehr selbst mit Wertpapieren handeln dürfen. Das hat seinen guten Grund. So hat beispielsweise Goldman Sachs 2009 rund 32 Milliarden Dollar in diesem Eigenhandel verdient. Ebenso müssen sie die Finger vom M&A-Geschäft lassen, den Unternehmensfusionen. Obama will auch die Grösse der Banken beschränken und damit der Konzentration der Geldinstitute einen Riegel schieben.

Hinter all dem steht letztlich die Einsicht, dass die Banken zu gefährlich geworden sind. In gewisser Hinsicht ist die Finanzkrise vergleichbar mit Tschernobyl. Die Lehre aus dieser Katastrophe war, dass Atomkraftwerke viel besser geschützt werden müssen. In die gleiche Richtung zielen die Absichten von Präsident Obama. Die Bankenabgabe von letzter Woche, die das Fremdkapital besteuern will, ist eine kurzfristige Notmassnahme. Der «Glass-Stegall light», wie die neuen Regulierungsabsichten auch genannt werden, ist die Langzeittherapie.

Erst müssen die Pläne noch umgesetzt werden können

Ob der Präsident seine Pläne auch durchsetzen kann, steht noch in den Sternen. Auf jeden Fall zeichnet sich ein gigantische Duell zwischen dem Weissen Haus und Wallstreet ab. Und sicher ist, dass es spannender sein wird als sämtliche Hollywood-Thriller. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.01.2010, 14:33 Uhr

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16 Kommentare

Peter Meier

22.01.2010, 14:37 Uhr
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@König und andere. Also persönlich möchte ich nicht unbedingt reich sein. Was ist das überhaupt? Ich habe mein Leben lang gearbeitet. Und zwar mit den Händen. Ich brauche eine sichere AHV und den garantierten Umwandlungssatz den PK. Meine Frau ist teilinvaild und wir haben es nicht so gut wie Sie, dass wir getrost auf Geld verzichten können. Und Hr. Schumacher. Was soll das Gerede von Stecker raus Antworten


Meier Johannes

22.01.2010, 13:37 Uhr
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Die Aussage "Nach dem Crash von Lehman Brothers lagen die Investmentbanken am Boden. Jetzt schreiben sie bereits wieder Rekordgewinne" stimmt so nicht, da einzig eine einzige US-Grossbank wieder satte Gewinne schreibt. Obame hat auch gestern überhaupt nichts von einer systematischen Trennung zwischen Geschäfs- und Investmentbanken gesagt. Antworten



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