Wirtschaft
Warum dem EFSF die Ratingagenturen egal sind
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 17.01.2012 5 Kommentare
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Niedrige Zinsen
Einen Tag nach seiner Herabstufung hat der Rettungsfonds EFSF erfolgreich 1,5 Milliarden Euro aufgenommen. Für die Anleihen mit sechs Monaten Laufzeit müsse der EFSF 0,27 Prozent Zinsen zahlen, hiess es nach der Auktion am Dienstag in einer Erklärung. Das Investoreninteresse war rege. Das Angebot sei dreifach überzeichnet gewesen, teilte der EFSF mit. (dapd)
Wer beim EFSF wirklich haftet
Der EFSF wurde im Juni 2010 gegründet, um die finanzielle Stabilität in Europa, insbesondere in der Eurozone, zu erhöhen. Der EFSF nimmt dazu Geld am Kapitalmarkt auf, um Kredite an die Euroländer zu vergeben. Der gesamte Haftungsrahmen des EFSF wird theoretisch von allen 17 Eurostaaten gestützt und beläuft sich auf 779,78 Milliarden Euro. Tatsächlich haften strauchelnde Empfängerländer nicht mit, das sind aktuell Griechenland, Irland und Portugal. Je nach Wirtschaftskraft und Beteiligungsgrad des jeweiligen Mitgliedsstaates beläuft sich die maximale Haftungssumme daher auf 726 Milliarden Euro. Bis jetzt wurden davon 55 Milliarden Euro bewilligt, davon sind bis dato rund 20 Milliarden über absolvierte Emissionen hereingebracht worden, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus EU-Kreisen erfuhr. Die politischen Verhandlungen in den nächsten Wochen werden zeigen, ob dieser Rahmen bis auf die Hälfte der maximalen Haftungssumme ausgeweitet wird. (fib)
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Das Urteil der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) über den Euro-Rettungsschirm ist nicht das Todesurteil für die Eurozone. Langfristig hat S&P dem Euro-Rettungsschirm EFSF die Bestnote aberkannt. Kurzfristig wird das Triple A weiterhin von allen drei grossen Ratingagenturen bestätigt.
Für den Fortbestand des Euro ist die nahe Zukunft des Euro-Rettungsschirms EFSF viel entscheidender. Denn mit der Haftung der Eurostaaten für den EFSF ist die Zahlungsbereitschaft zur Rettung des Euro unmittelbar verknüpft. So ist der EFSF auch das Finanzierungsvehikel für Griechenlands nächste Finanzierungstranche von 130 Milliarden Euro – zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Um den Euro-Rettungsschirm mit ausreichend Geld zu dotieren, hofft man heute unter anderem auf eine erfolgreiche Anleihenauktion sechsmonatiger Staatspapiere durch den EFSF (siehe Infobox links).
Ab Juli ESM statt EFSF
Der Rettungsschirm verbreitert damit seine Angebotspalette für Investoren. Dreimonatige sowie drei-, fünf-, und zehnjährige Staatsanleihen werden bereits vom EFSF angeboten. Heute sind Anleihen mit sechs Monaten Laufzeit hinzugekommen. Und bald sollen auch ein- und siebenjährige Anleihen erhältlich sein, um das Programm zu komplettieren, heisst es aus EU-Kreisen. Ob das noch unter dem privatrechtlich organisierten EFSF stattfinden oder unter der Leitung des durch internationale Verträge gestützten ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) organisiert wird, ist unklar.
Berichte der Tageszeitungen «Handelsblatt» oder «New York Times» deuten darauf hin, dass ab Jahresmitte der EFSF vom ESM abgelöst werden soll. Dieser wäre dann auch mit «echten» Einzahlungen unterlegt und nicht nur mit Haftungen wie der EFSF. Das Rating für den EFSF verlöre damit an Bedeutung. Der Chef des Rettungsschirms, Klaus Regling, gibt sich zuversichtlich und wird vom deutschen «Handelsblatt» zitiert: «Der EFSF hat genug Mittel, um seine Verpflichtungen unter den laufenden und potenziell künftigen Anpassungsprogrammen zu erfüllen, bis der ESM seine Arbeit im Juli 2012 aufnimmt.»
Die «New York Times» weist darauf hin, dass Juli schon zu spät sein könnte. Bereits am 20. März könnte Griechenland zahlungsunfähig sein. Dann werden nämlich Schulden von 14,5 Milliarden Euro fällig. Die Märkte seien darüber verunsichert, ob nun entweder ein 50-prozentiger Forderungsverzicht gegenüber Griechenland durch Privatgläubiger oder der ESM rechtzeitig umgesetzt werden können. Investoren würden dem Blatt zufolge an den Märkten mit einer hohen Volatilität in den nächsten Tagen rechnen.
Der EFSF bleibt bestehen
Sollte der EFSF wie geplant im Juli dieses Jahres in den Stabilitätsmechanismus ESM überführt werden, dann handelt es sich um eine Einrichtung nach internationalem Recht. Derzeit werden Hilfsgelder für Griechenland über bilaterale Verträge und den IWF gewährleistet. Die Zahlungsströme werden über die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank abgesichert. Verschwinden wird der EFSF beim Übergang zum ESM aber nicht. Anleihenprogramme, die nach Privatrecht aufgelegt wurden, könnten nicht plötzlich in internationalen Verträgen geregelt werden. Für die bisherigen Programme müsste der EFSF in seiner Rechtsform daher bestehen bleiben, sagt ein EU-Vertreter im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Von der Emission neuer Anleihen mit mehr als einem Jahr Laufzeit dürfte der EFSF daher Abstand nehmen, wenn bald der ESM in Kraft treten soll.
Kurzfristig nach wie vor Triple A
Hinzu kommt, dass die langfristige Bewertung für den EFSF gestern zwar von Standard & Poor's herabgestuft wurde. Die Ratingagenturen Moody's und Fitch aber halten an der Bestnote Triple A für den EFSF weiterhin fest; Moody's mit einem stabilen Ausblick, Fitch hält den EFSF noch unter Beobachtung für eine potenzielle Herabstufung. Kurzfristig aber behält der Euro-Rettungsschirm laut dem Finanzinformationssystem Bloomberg die Bestnote von allen drei Ratingagenturen. Das prägt auch das heute aufgelegte sechsmonatige Anleihenprogramm,
Die Ratingaktion spiegelt sich nur in den bestehenden fünfjährigen und zehnjährigen Anleihenprogrammen des EFSF wider. EFSF-Anleihen werden derzeit zu 3,1 Prozent Zinsen gehandelt. Das sind um fast 128 Prozentpunkte mehr als die Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Nur noch Deutschland, Finnland, die Niederlande und Frankreich bieten niedrigere Zinsen als der EFSF. Österreich, Belgien, Spanien, Italien, Irland, Portugal und Griechenland müssen höhere Zinsen bedienen. Bei zehnjährigen Anleihen hingegen darf sich auch Österreich noch zum «Klub der Reichen» zählen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 12:49 Uhr
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5 Kommentare
Hmmm ...."Die «New York Times» weist darauf hin, dass Juli schon zu spät sein könnte. Bereits am 20. März könnte Griechenland zahlungsunfähig sein." Gut gebrüllt, Löwe. Leider liegt da noch ein wichtiges Datum dazwischen. Der "Fools Day". So heisst dort der 1. APRIL ! Antworten
Frau @Meisser, manipuliert werden die Märkte wohl schon länger: "Berger Mafiabosse" g.ogeln.
Wo soll das Geld denn sonst hin? In die Realwirtschaft ? Haha, der Ackermann (muss wegen seiner Aussage diesbezüglich jetzt halt den Kopf hinhalten) will seine zweistelligen Renditen und kein Nobelpreis für humanitäres Handeln. Btw, es gibt keinen "Markt", nur Marktakteure, und die sind ganz real.
Weil die Ganzen Märkte zur Zeit Manipuliert sind, damit das System (noch) hält. Seit 2008 währe das System schon lange (mehrmals) geCrascht, ohne die ill/leganden Manipulationen und eingriffe.


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