Warum die französische Regierung die Renault-Affäre verharmlost

Trotz zu hohen Emissionen bei Dieselfahrzeugen haben die französischen Behörden «Vertrauen in Renault». Schaut man genauer hin, wird der Grund dafür schnell klar.

Wird von der Regierung nicht im Regen stehen gelassen: Der französische Autobauer Renault.

Wird von der Regierung nicht im Regen stehen gelassen: Der französische Autobauer Renault. Bild: Keystone

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Vom «jeudi noir», dem «schwarzen Donnerstag» ist die Rede: Die Umstände rund um den gestrigen Aktienkurssturz von Renault dominieren die Titelseiten der französischen Medien. Es war der grösste in der Firmengeschichte: Der Aktienkurs des Autobauers brach nach Meldungen über Razzien an einigen seiner Standorte zwischenzeitlich um knapp 23 Prozent ein und schloss am Abend mehr als zehn Prozent im Minus. Die französischen Zeitungen spekulieren bereits über den nächsten «Fall Volkswagen» und berichten von Gerüchten über allfällige Tricksereien. «Renault: Der grosse Schrecken» titelt die Zeitung «Le Figaro».

«In keiner Weise vergleichbar mit Volkswagen»

Die französischen Behörden wollen davon allerdings nichts wissen. Die Lage bei Renault sei «in keiner Weise mit derjenigen bei Volkswagen vergleichbar», sagte Wirtschaftsminister Emmanuel Macron mit Verweis auf die Ermittlungen. Eine Expertenkommission der französischen Regierung hat bei Dieselfahrzeugen des Autobauers zu hohe Emissionen festgestellt – aber keine Hinweise auf einen möglichen Betrug wie bei VW gefunden. Bei der von der Regierung vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals angeordneten Untersuchung von rund hundert Fahrzeugen sei «keine Manipulationssoftware» gefunden worden, sagte Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal in einem Interview mit «Le Parisien». Sie habe deshalb «Vertrauen in Renault».


Informiert über den Stand der Ermittlungen: Umweltministerin Ségolène Royal. (Quelle: BFM TV)

Dass sich die Regierung hinter den Autobauer stellt, kommt nicht von ungefähr. Denn gemäss der Einschätzung von «Le Figaro» ist sie mehr als alle anderen von den Turbulenzen rund um Renault betroffen. Der französische Staat ist mit fast 20 Prozent Anteilen erster Aktionär des Autoherstellers. Durch dessen Kurssturz hat er nach Angaben der Zeitung virtuell 500 Millionen Euro verloren. Dies sei umso ärgerlicher, als der Staat sich gerade dazu entschlossen habe, 4,7 Prozent seiner Anteile in den nächsten Monaten zu verkaufen, schreibt «Le Figaro». Sie ist überzeugt, dass die Regierung versucht, die Affäre herunterzuspielen, um weiteren Schaden zu verhindern.

Gefahr für die französische Wirtschaft

Renault büsste durch den Aktienkurssturz binnen eines Tages rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert ein. Gleichzeitig hatte dieser negative Auswirkungen auf andere Unternehmen, in erster Linie auf den grössten französischen Autohersteller und Mitbewerber Peugeot-Citroën. Dessen Werte sackten ebenfalls ab – um etwa 7 Prozent. Auch davon ist der Staat betroffen: Er hält 14,4 Prozent der Anteile von Peugeot. Zudem verloren auch die französischen Zulieferer Faurecia und Valeo an Wert. «La Tribune» bezeichnet die Renault-Affäre deshalb als «ein Risiko für die französische Wirtschaft». Sollte sich herausstellen, dass Peugeot-Citroën ebenfalls vom Verdacht des möglichen Betrugs betroffen sei, wäre laut der Zeitung das «grösstmögliche Katastrophenszenario» perfekt.

Renault trage eine grosse Verantwortung für den schwarzen Donnerstag an der Börse, meint die Zeitung «L'Alsace». Der Konzern habe offenbar geglaubt, dass die Durchsuchungen geheim bleiben könnten. Auch die Verantwortlichen für die Software bei VW seien überzeugt gewesen, dass ihr Plan niemals auffliege. Auch andere Zeitungen unterstellen dem Autobauer, getrickst zu haben. Es gebe «keinen Rauch ohne Feuer», schreibt beispielsweise «Les Echos». Auch wenn Renault keine Manipulationssoftware installiert haben sollte, trage die Automobilbranche Schaden davon, so die Zeitung. Der Autohersteller müsse jetzt handeln, meint «La Tribune»: «Mit Unschuldsbekundungen allein lassen sich Konsumenten und Investoren nicht besänftigen.» Gelingt dies Renault nicht, könnte die Affäre aus Sicht der Medien der französischen Wirtschaft nachhaltig Schaden zufügen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.01.2016, 12:55 Uhr)

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