Was der Syngenta-Deal für den Standort Schweiz bedeutet

Bleibt der Konzern in Basel? Sind durch die Übernahme Jobs gefährdet? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Syngenta-Übernahme.

Ungewissheit über die Folgen des Syngenta-Deals: Am Standort Schweiz könnten Befürchtungen aufkommen. Bild: Keystone

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Bleibt Syngenta in der Schweiz?
Gemäss dem Communiqué des Syngenta-Verwaltungsrats bleibt der Hauptsitz des Unternehmens in der Schweiz. Zudem wird das derzeitige Management Syngenta weiterhin leiten und vier der aktuellen zehn Verwaltungsräte behalten ihren Platz im Aufsichtsgremium. Dessen Vorstand wird nach Abschluss der Übernahme Ren Jianxin, der Verwaltungsratspräsident von Chemchina.

Syngenta wird auch in Zukunft ein weltweit tätiger Konzern sein, Unternehmensstrategie und -Kultur sollen nach dem Deal aber nicht gewechselt werden. Nach eigenen Angaben ändert sich nur die Aktionärsstruktur.

Sind durch die Übernahme Jobs gefährdet?
Der Arbeitgeberverband Basel hat die Nachricht über den Deal besorgt zur Kenntnis genommen und sich bei Syngenta über die Folgen erkundigt, erklärt Sprecher Frank Linhart auf Nachfrage. Der Konzern habe dem Arbeitgeberverband schriftlich versichert, dass keine Arbeitsplätze in Gefahr seien. «Wir vertrauen der Unternehmensführung und hoffen, das ist wirklich so», sagt Linhart.

So reagieren Syngenta-Angestellte in Basel.

Aus Sicht der Gewerkschaft Unia ist allerdings nicht sicher, ob dies auch mittelfristig so bleibt. Sie fordert von den künftigen chinesischen Besitzern von Syngenta Garantien für die Arbeitsplätze in der Schweiz. Die Chemchina soll per sofort ihre längerfristige Strategie bezüglich der Schweizer Standorte offenlegen. Syngenta beschäftigt in der Schweiz rund 3300 Mitarbeiter in Basel, Stein AG, Münchwilen TG, Monthey VS, Kaisten BL und Dielsdorf ZH.

Was bedeutet der Deal für den Standort Schweiz?
Die bevorstehende Übernahme des Schweizer Konzerns durch ein chinesisches Staatsunternehmen weckt Befürchtungen. Zum Beispiel die Sorge, dass die Schweizer Wirtschaft im internationalen Vergleich abgehängt werden könnte. Aus Sicht der Unia besteht die Gefahr einer «Desindustrialisierung der Schweiz», was mit aller Kraft verhindert werden müsse. Auch die Basler Regierung reagiert zurückhaltend auf den Deal. Sie hätte sich eine unabhängige Syngenta gewünscht, erklärte Regierungsrat Christoph Brutschin auf Anfrage der SDA. «Da dies nun nicht mehr möglich scheint, treten Ziele und Zeithorizont der neuen Eigentümer in den Vordergrund», so Brutschin.

«Kein grosser Abbau»: Christoph Mäder, Mitglied der Syngenta-Geschäftsleitung, erklärt, was der Verkauf von Syngenta für den Standort Schweiz bedeutet. (Video: Fiona Endres und Lea Koch)

Im Moment verspricht die Chemchina, dass Syngenta ein eigenständiges Unternehmen bleibt und keine Arbeitsplätze verloren gehen, aber die Zukunft ist ungewiss. Die Unia verweist auf den Fall des Schweizer Industriekonzerns Alstom, der vom US-Grosskonzern General Electric übernommen wurde und auf Anordnung des neuen Eigentümers nächstes Jahr fast jede vierte Stelle streichen muss.

In Expertenkreisen wird das vorliegende Übernahmeangebot hingegen grundsätzlich begrüsst. Eine unabhängige Syngenta wäre aus ihrer Sicht längerfristig kein gangbarer Weg gewesen. Durch die Übernahme festigt der Basler Konzern seine Marktstellung.

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Wie reagieren die Schweizer Aktionäre?
Die vorgängigen Gerüchte und die tatsächliche Meldung über den Deal haben an der Schweizer Börse seit Dienstagnachmittag zu einem Kurssprung der Syngenta-Aktie geführt. Die Anleger bewerten den Schritt also grundsätzlich positiv, sind aber nicht so euphorisch, wie sich das der Basler Konzern und sein neuer Besitzer wahrscheinlich gewünscht haben. Denn die Aktien von Syngenta bleiben bisher weit unter dem von Chemchina angebotenen Gesamtpreis.

Zudem äussert die Vereinigung kritischer Syngenta-Aktionäre Kritik an der Entschädigungspolitik des Agrochemie-Unternehmens. Diese sei «unakzeptabel», heisst es in einer Mitteilung. Eine von der durch die Vereinigung durchgeführte Analyse habe aufgezeigt, dass der Verwaltungsrat von Syngenta bei deutlich schlechterer Leistung sehr viel besser bezahlt werde, als dies in international vergleichbaren Unternehmen der Fall sei. Die Vereinigung kritisiert weiter, dass im Gegensatz zu den anderen Unternehmen die Entschädigungen für den Syngenta-Verwaltungsrat ausschliesslich in bar ausgerichtet würden und damit in keiner Weise von der eigenen Kursentwicklung als wesentlicher Gradmesser für den Erfolg eines Unternehmens abhängig seien.

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(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 03.02.2016, 15:45 Uhr)

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