Wirtschaft

Wenn Bankmitarbeiter zum Risiko werden

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 01.02.2010

Der erneute Fall eines Deals mit gestohlenen Bankdaten zeigt: Der in den letzten Jahren zelebrierte Kult des Anreizes durch Geld kann für die Banken zum Bumerang werden.

Vom Geld getrieben: Bankmitarbeiter lassen öfters etwas mitlaufen, wenn sie sich davon monetäre Vorteile versprechen. (Der Mann im Bild allerdings ist ein Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers, der sein Büro geräumt hat.)

Vom Geld getrieben: Bankmitarbeiter lassen öfters etwas mitlaufen, wenn sie sich davon monetäre Vorteile versprechen. (Der Mann im Bild allerdings ist ein Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers, der sein Büro geräumt hat.)
Bild: Reuters

Sicherheitsfachleute innerhalb und ausserhalb der Banken suchen nach Wegen, wie ein Datenklau künftig verhindert werden könnte. Welche weiteren Massnahmen auch immer ergriffen werden, um den Zugang zu sensiblen Daten weiter einzuschränken – stets werden viele Banker weiterhin darauf Zugriff haben. Dies schon allein darum, weil das ihre Arbeit erfordert.

Wenn der Diebstahl solcher Daten von ausländischen Staaten mit Millionenprämien belohnt werden kann, steigt das Risiko. Ein drohender Verrat von Geheimnissen durch Mitarbeiter beschränkt sich allerdings nicht auf Banken. Personen mit krimineller Energie gibt es auch in anderen Branchen. Dennoch ist das Risiko in der Finanzbranche besonders gross. Das liegt nicht an laschen Sicherheitsmassnahmen oder der Besonderheit der Geheimnisse, sondern an der speziellen Kultur, die in der Branche seit Jahrzehnten vorherrscht.

Geld kommt vor Loyalität

Seit den 80er-Jahren dreht sich bei den Banken alles um den kurzfristigen persönlichen Gewinn. Darunter haben vor allem die Loyalität und ein gesamtwirtschaftliches Verantwortungsgefühl gelitten. Je mehr jemand verdient, je mehr zählt er in dieser Branche. Langfristige, nachhaltige Ziele gehen dabei unter. Das Problem hat man auch beim Schweizer Bankpersonalverband erkannt. Die Devise in der Branche habe zu sehr gelautet: «Um jeden Preis soll man zu Geld kommen», sagt die Zentralsekretärin, Denise Chervet. Für Geld gingen Banker in der jüngsten Vergangenheit an die Grenze der Gesetze, teilweise überschritten sie diese auch.

Jetzt droht der Schuss nach hinten loszugehen. Denn wenn diese Art von Skrupellosigkeit einmal den Alltag bestimmt und der Status vom Gehaltskonto abhängt, dann fehlt nicht viel, für einen entsprechend hohen Scheck auch dem eigenen Arbeitgeber zu schaden. Schliesslich hält man es in der Branche auch für normal, gleich teamweise ein Institut für höhere Boni zu wechseln. Angesichts der Tatsache, dass viele Banker momentan über die jüngsten Entwicklungen ihrer Branche frustriert sind, ist das Risiko eines illoyalen Handelns sogar besonders gross.

Verblüffend wenig Fälle

Angesichts dieser Risiken ist es verblüffend, dass der Verrat von Bankgeheimnissen bisher eine seltene Ausnahme geblieben ist. Doch jeder weitere Fall provoziert Nachahmer. Die Banken haben daher allen Grund, ihre Kultur zu ändern - nicht nur wegen der Gefahr eines Datenklaus. «Die Geldkultur bei den Banken ist nicht einfach ein Schicksal», sagt Denise Chervet vom Bankpersonalverband, «die Banken haben es in der Hand, das zu ändern.» Die Zentralsekretärin sieht hier vor allem die Bankleitung in der Pflicht. Doch auch Chervet weiss, eine Kultur ändert man nicht über Nacht.

Kurzfristig haben die Schweizer Banken allen Grund zu hoffen, dass Deutschland im jüngsten Fall am Ende nichts oder nicht viel bezahlt, dass wenigstens die deutschen Politiker moralische Skrupel haben. Das Beispiel des jüngsten Datenklaus darf keine Schule machen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2010, 13:22 Uhr

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