Hintergrund

Wenn das Buchungsportal vom Hotelier 45 Franken pro Nacht will

Hotelzimmer werden immer häufiger im Web gebucht. Das Geschäft dominieren internationale Buchungsportale. Sie verlangen saftige Gebühren und setzen harte Bedingungen. Jetzt tritt die Weko auf den Plan.

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15 Prozent Kommission sind in diesem Geschäft normal, teilweise sollen es sogar bis zu 20 Prozent sein. Bucht zum Beispiel ein Brite über ein Buchungsportal ein Hotelzimmer in Bern für 300 Franken, so muss das Hotel dem Vermittler 45 Franken davon abliefern. Für viele Schweizer Hoteliers wird diese Gebühr zur Last. «Buchungsportale immer mächtiger», schrieb die «Hotelrevue» im März. Die Branchenzeitschrift verwies auf eine neue Studie, wonach Buchungsportale allein in Deutschland, der Schweiz und Österreich 594 Millionen Euro jährlich einnehmen würden. Geld, das die Hotels berappen müssen.

Die Angst bei den Schweizer Hotels ist gross, dass die Buchungsportale ihre Kommissionsansätze in Zukunft sogar noch erhöhen könnten. In den USA würden bis zu 50 Prozent des Hotelpreises abgezweigt, sagt Marc Kaufmann, Geschäftsleitungsmitglied von Hotelleriesuisse im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Tatsache, dass wenige grosse Buchungsportale den Markt dominieren, scheinen die Bedenken der Schweizer Hoteliers zu stützen. Dass sich die Schweizer Hotels ganz weigern, bei den Buchungsportalen mitzumachen, ist für Kaufmann kaum mehr denkbar. Sie wären für einen Grossteil der potentiellen Kundschaft gar nicht mehr sichtbar.

Schwieriger Versuch mit eigenem Portal

Die hiesige Branche unternahm zuletzt einen eigenen Versuch, in dem Geschäft aktiv zu werden, und startete eine eigene Buchungsplattform (wir berichteten). Allein die Marktmacht der internationalen Konzerne ist erdrückend. Booking.com weist in der Schweiz einen Marktanteil von über 50 Prozent auf. Auf Platz zwei folgt die deutsche HRS mit knapp 15 Prozent. Weitere Player wie Expedia mischen mit.

Zwar wird erst gut ein Drittel der Hotelübernachtungen im Internet gebucht. Die Zuwachsraten aber sind hoch. Seit 2008 hat sich die Zahl verdreifacht. In Paris liegt sie bereits bei 60 Prozent.

Bestprice-Garantie als Zankapfel

Die Schweizer Hoteliers stören sich dabei nicht nur an der hohen Kommission. Ein Dorn im Auge ist ihnen auch die sogenannte Bestprice-Practice. Das heisst, die Hotels müssten den Buchungsportalen garantieren, dass sie ihre Zimmer nicht anderswo günstiger anbieten.

Bereits im Sommer wurde bekannt, dass die Schweizer Wettbewerbskommission in der Sache aktiv wurde. Sie hatte Voruntersuchungen eingeleitet. Angeschoben wurde die Sache von Hotelleriesuisse, dem Verband der Schweizer Hotels. Er liess ein Gutachten erstellen, das negative Auswirkungen der Buchungsportale auf die Branche feststellte.

Die Angeschuldigten wehren sich

Nun hat die Weko offiziell eine kartellrechtliche Untersuchung eröffnet, wie sie heute Morgen mitteilte. Im Visier hat die Behörde die Bestprice-Practice. Diese könnte den «Handlungsspielraum der Hotelunternehmer massiv einschränken», heisst es im Communiqué. Untersucht werden soll zudem, ob die grossen Portale eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und so den Markt diktieren können.

Die Buchungsportale selber wehren sich gegen die Vorwürfe. Die Hotels könnten dank diesen Vertriebskanälen Marketingkosten sparen, heisst es etwa. Und die seien höher als die von ihnen verlangten 15 Prozent. Auch Kaufmann räumt ein, die Buchungsportale seien grundsätzlich «gute und wichtige Kanäle» für die Hotels. «Aber mehr Fairness im Umgang mit ihnen wäre wünschenswert.»

Hotelleriesuisse applaudiert Weko

Hotelleriesuisse zeigt sich erfreut über den Schritt der Weko. «Von der Untersuchung erhofft sich der Verband eine Signalwirkung für mehr Freiheiten beim Vertrieb», heisst es im Communiqué.

Welche Chance auf eine Verbesserung der Situation rechnet man sich bei Hotelleriesuisse aus? «Die Weko hat in den letzten anderthalb Jahren intensive Voruntersuchungen gemacht und den Markt genau beobachtet», sagt Kaufmann. Sie werde wohl genug Indizien für einen möglichen Marktmissbrauch gefunden haben.

Untersuchungen auch in anderen Ländern

Das Geschäft der Buchungsportale sorgt offenbar nicht nur in der Schweiz für rote Köpfe. «Mit dem Vorgehen folgt die Weko dem weltweiten Trend, gegen die Geschäftspraktiken der Buchungsplattformen vorzugehen», heisst es bei Hotelleriesuisse. So habe das deutsche Bundeskartellamt die Bestpreis-Klausel des Kölner Anbieters HRS untersucht. Kaufmann ergänzt, die Schweiz sei überhaupt eines der letzten Länder in Mittel- und Westeuropa, das die Buchungsportale unter die Lupe nehme. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.12.2012, 11:12 Uhr

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