Wirtschaft
«Wenn das Fleisch angelaufen war, haben wir es mariniert»
Aktualisiert am 09.11.2011 414 Kommentare
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Ein ehemaliger Coop-Mitarbeiter erzählt der «Kassensturz»-Reporterin von seinen Erfahrungen. (Bild: sf)
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Qualitätsleiter Silvio Ragini erklärt die neuen Standards. (Bild: sf)
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Vor einem Monat sorgte der Bericht der Sendung «Kassensturz» für Empörung bei den Konsumenten. In einer Coop-Filiale sei regelmässig abgelaufenes Fleisch aus der Selbstbedienung in die Theke gelegt worden und den Kunden als Frischfleisch verkauft worden.
Vor laufenden Kameras erzählte der ehemalige Coop-Metzger Tobias Lehmann, dass er in der Coop-Fililale Plaffeien (FR) abgelaufenes Fleisch verkaufen musste. Die Reaktion des ehemaligen Arbeitgebers folgte sogleich. Coop bestritt diese Vorwürfe vehement. Sie hätten die Kontrollen in der Filiale Plaffeien verschärft und «weder aus hygienischer Sicht noch in Sachen Täuschung irgendeinen Verstoss feststellen können», wie Coop-Sprecherin Susanne Sugimoto sagte.
Doch wie «Kassensturz» berichtet, sind nach der Ausstrahlung des Beitrags weitere Stimmen von ehemaligen oder aktuellen Coop-Mitarbeitern laut geworden. «Es wird in den meisten Coop-Filialen so gehandhabt, dass abgelaufene Ware wieder verwertet wird», sagt ein Metzger, der wie alle anderen anonym bleiben will. Acht Jahre lang stand er in verschiedenen Filialen hinter der Coop-Frischfleischtheke. «Ist das Fleisch einmal ausgepackt und die Verpackung mit dem Ablaufdatum weg, weiss niemand mehr, wie alt das Fleisch ist.»
Schweinefilet mit Speck umwickelt
Nicht nur beim Ablaufdatum, sondern auch bei der Herkunft des Fleisches wurde geschummelt. Er habe zum Beispiel Import-Poulet mit Schweizer Poulet vermischen und als Schweizer Poulet verkaufen müssen.
Ein weiterer Metzger aus dem Kanton Zürich erzählt in der Sendung, dass das abgelaufene Fleisch aus der Selbstbedienung jeweils in einer Kiste gesammelt worden sei. «Meistens donnerstags haben wir dieses Fleisch weiterverarbeitet. Schweinefilet haben wir mit Speck umwickelt, und wenn das Fleisch angelaufen war, haben wir es mariniert.» Rote Marinade sei am besten gewesen, das sehe immer frisch aus. Die Weisungen seien jeweils vom Chefmetzger gekommen. Wer sich gewehrt hat, wurde intern schikaniert.
Praxis weit verbreitet
Insgesamt sieben ehemalige oder aktuelle Coop-Mitarbeiter haben dem Schweizer Fernsehen ihre Erfahrungen aus der Fleischwarenabteilung berichtet. Von diesen Gesprächen weiss «Kassensturz» von Kundentäuschungen in 24 Coop-Filialen in den Kantonen Aargau, Bern, Glarus, Schwyz, St. Gallen, Uri und Zürich.
Bei einem der Informanten handelt es sich um einen ehemaligen Coop-Filialleiter. Dieser sagt, es habe System, dass Metzger ihre Kunden betrügen. Es gäbe finanzielle Anreize dafür. Und der Verkaufsdruck von oben werde immer stärker. «Wenn man zu viele Abschreiber braucht und die Vorgaben von Coop überzieht, gibt es Ende Jahr keinen Bonus», sagt er. Tatsächlich erhalten Chefmetzger und Filialleiter 15 Prozent des Jahresbruttolohns als Erfolgsbeteiligung. Ein Teil davon ist abhängig davon, wie viel Fleisch sie abschreiben oder wegwerfen. Das zeigt ein internes Dokument, das «Kassensturz» vorliegt.
Vorschriften verschärft
Coop hat nach der ersten «Kassensturz»-Berichterstattung reagiert und die internen Vorschriften verschärft. Gemäss Qualitätsleiter Silvio Ragini gelten ab sofort neue interne Regeln: «Neu ist, dass man generell keine Ware aus der Selbstbedienung auspacken und am Buffet verkaufen darf, auch nicht in marinierter Form. «Erlaubt sei nur noch, zum Beispiel ein Poulet auszupacken, es warm zuzubereiten und als Tagesfrischartikel zu verkaufen.» (wid)
Erstellt: 08.11.2011, 22:04 Uhr
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Eine wunderbare Unternehmenskultur. Wieder einmal wird sichtbar, wie Bonus und Erfolgsbeteiligung für die oberen Etagen schöne Resultate bescheren. Und wer sich von den Angestellten wehrt, wird schikaniert und entlassen. Diese verluderte Unternehmenskultur hat unterdessen sogar in Genossenschaften Einzug gehalten. Märssi, Coop, fürs Gammelfleisch. Antworten
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