Wenn das Päckli die Weihnachtszeit vermiest

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 10.12.2009

Wer sich ein Weihnachtsgeschenk aus dem Ausland bestellt, kriegt oft noch eine ungewollte Bescherung dazu: hohe Zoll- und Bearbeitungsgebühren. Da heisst es, genau hinschauen.

Unverhoffte Bescherung: Päckchen werden auf dem Postzollamt kontrolliert und allenfalls mit einer Gebühr belegt.

Unverhoffte Bescherung: Päckchen werden auf dem Postzollamt kontrolliert und allenfalls mit einer Gebühr belegt.
Bild: Keystone

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Die Päckli-Gebühren

Grundsätzlich ist jedes Päckchen aus dem Ausland zoll- oder mehrwertsteuerpflichtig. Bis zu einem Warenwert von 65 Franken wird jedoch die Gebühr erlassen, weil dann der Mehrwertsteuer-Wert weniger als 5 Franken beträgt. Bei Waren mit einem Mehrwertsteuersatz von 2,4 Prozent (zum Beispiel bei Büchern) beträgt die Freigrenze 209 Franken. Bei einem Warenwert (inklusive Porto) bis 500 Franken fallen dann 18 Franken Taxe an. Beträgt der Warenwert über 500 Franken sind es 35 Franken Taxe. Wer sich also eine Gebühr sparen will, achtet darauf, dass die Bestellung bei Büchern nicht 206 Franken sowie bei anderen Produkten nicht 65 Franken übersteigt. Oder falls möglich: die Bestellung in mehrere Lieferungen aufteilen und sich etappenweise schicken lassen.

Beat K. ist verärgert. Er hat sich bei einem Onlineversandhaus ein vermeintliches Schnäppchen bestellt, um es zu verschenken. Als er sein Päckchen voller Vorfreude auf der Post abholen will, erwartet ihn jedoch eine unschöne Überraschung: Knapp 30 Franken Mehrwertsteuer und Zollgebühren muss er hinblättern, damit er sein Päckchen bekommt. Dabei hatte er noch wenige Wochen zuvor ein Paket mit Büchern im Wert von über 100 Euro erhalten – ohne Zusatzgebühren zahlen zu müssen. Aus seinem Schnäppchen-Kauf ist ein Ärgernis geworden.

So wie Beat K. geht es vielen Postkunden. Vor allem in der Weihnachtszeit, wo sie auf den letzten Drücker noch ein gutes Geschenk finden wollen, ohne die Hektik der Kaufhäuser ertragen zu müssen.

Mehrere Beschwerden wöchentlich

Beim Eidgenössischen Preisüberwacher kennt man das Problem dieser unverhofften Gebühren. «Wir erhalten im Durchschnitt mehrere Meldungen wöchentlich», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans, «die Tendenz ist in den vergangenen Jahren stark steigend. In diesem Jahr sind es über zweihundert Beschwerden.» Meierhans rechnet auch nicht damit, dass sich dies bald ändert, «zumal gerade das Onlineshopping über die Grenzen immer populärer wird.»

Meierhans forderte deshalb schon im Sommer beim Finanzdepartement, die Freigrenze für die Mehrwertsteuer auf 10 Franken zu erhöhen, damit auf der Zollinsel Schweiz weniger Gebühren anfallen. Er blitzte ab. Dennoch hofft er, «dass sich die Politik diesem leidigen Problem annehmen wird.»

«Gebühren sind viel zu hoch»

Der Aufschlag auf die Pakete stört auch Sara Stalder vom Schweizerischen Konsumentenschutz: Zwar sei die Post billiger als private Anbieter, doch «die Gebühren sind auch da viel zu hoch.» Statt von Grösse und Gewicht des Päckchens sei die Taxe vom Warenwert abhängig. «Doch für einen Warenwert von 66 Franken zahle ich gleich viel Zollgebühr wie für einen Inhalt im Wert von 499 Franken, nämlich 18 Franken.», sagt Stalder. «Das steht in keinem Verhältnis.» Konsumenten, die ein Schnäppchen landen wollten, würden so eine böse Überraschung erleben. Für Stalder ist klar: «Die Konsumenten sind zu wenig informiert, hier besteht grosser Nachholbedarf.»

«Kunden müssen sich informieren»

Die Post sieht die Verantwortung beim Kunden und versucht, diesen im Internet für anfallende Zollgebühren zu sensibilisieren. «Die Kunden müssen aufmerksamer sein und sich Internet-Bestellgewohnheiten aneignen», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler, «sie müssen sich informieren, über welchen Transportweg ihr Produkt versandt wird.» Doch selbst auf den Webseiten der Anbieter fehlen oft Hinweise auf die besonderen Zollbestimmungen für Lieferungen in die Schweiz.

Dass sich deswegen – gerade in der Weihnachtszeit - viele Kunden beschweren, will Flüeler aber nicht bestätigen. «Die meisten begreifen, dass wir eine Zollinsel sind.» Ausserdem würden gegen 99 Prozent der Sendungen aus dem Ausland ohne zusätzliche Kosten geliefert. «Und verglichen mit privaten Diensten sind wir der günstigste Anbieter», so Flüeler. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2009, 08:48 Uhr

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