Wirtschaft
Wenn die A-Post nach drei Wochen immer noch nicht angekommen ist
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 29.07.2010 125 Kommentare
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Seit 1981 verkauft der 51-jährige Veit Stauffer im Recrec-Laden im Zürcher Kreis 4 CDs und Schallplatten, darunter auch Raritäten. Im Zeitalter von iPod und MP3-Player hat er keinen leichten Stand. Doch nichts hat ihn mehr deprimiert als der in seinen Augen schleichende Niedergang der Schweizer Post.
Um im Tonträgermarkt zu überleben, setzt Stauffer seit 2005 auch auf Export. Dadurch haben sich seine Umsätze bei der Post auf jährlich 7500 Franken verdoppelt. Der B-Post-Einzelversand von 1000 CDs kommt ihn auf 4500 Franken zu stehen, mit A-Post wären es 6500 Franken. Würde er die CDs als Einschreiben versichern, kämen noch 6 Franken pro Couvert dazu.
Versand ist eine Zitterpartie
«Das ist für mich unbezahlbar», sagt Stauffer. Dadurch werde aber jeder Export zur Zitterpartie. Um auf Ebay keine negativen Feedbacks zu riskieren, hatte Stauffer zu Beginn seiner Export-Offensive sämtliche Pakete per Einschreiben verschickt, allerdings mit schlechten Erfahrungen. Der A-Post-Versand einer LP nach Frankreich kostete ihn 13 Franken Porto und dazu 6 Franken Einschreibegebühr. Nach drei Wochen war die LP immer noch nicht beim Empfänger eingetroffen. Während der Kunde vermutete, dass die Ware gar nie abgeschickt worden sei, staunte Stauffer über den Service der Post: Den Aufenthaltsort des Paketes konnte sie nur bis zur Schweizer Grenze verfolgen. Eine Nachforschung dauert zudem vier bis acht Wochen – im Zeitalter von E-Mail und SMS! Zwei Monate später erhielt Stauffer 50 Franken für die LP zwar ersetzt. Doch: «In der Zwischenzeit hatte mich der Käufer auf Ebay zu Recht negativ bewertet, und wo genau das Paket in Frankreich verschollen ist, weiss ich bis heute nicht.»
Gravierender war das Verschwinden eines 1,8 Kilo schweren Paketes auf dem Weg nach New York. Stauffer hatte dafür 104 Franken Porto bezahlt: Luftpost eingeschrieben. Mit dem befreundeten Empfänger war er in ständigem E-Mail- Kontakt. Trotz Trackingnummer war das Paket acht lange Wochen weg vom Radar, niemand wusste etwas über den Verbleib. Bis das Paket schliesslich wieder bei Stauffer landete, als B-Post. «Der Empfänger hatte nie einen Abholzettel erhalten», ärgert sich Stauffer. Das Porto zahlte ihm die Post nicht zurück.
Wertloser Tipp
Übertroffen wurden diese Erlebnisse von Postfinance. Ohne die Kontoinhaber darüber zu informieren, hatte diese die zur Verfügung gestellten Couverts 2006 per Code von A- auf B-Post umgestellt. Stauffers monatlicher Zahlungsauftrag mit rund 35 Rechnungen blieb als Folge der Umstellung 10 bis 15 Arbeitstage in der Umlaufbahn. Das gewünschte Belastungsdatum konnte von der Post so gar nicht eingehalten werden. Stauffer machte einen Riesenwirbel und bekam einen Kadermann der Postfinance ans Telefon. Dieser gab ihm den Tipp, eine 15-Rappen-Marke auf das Couvert zu kleben, um aus B-Post A-Post zu machen.
Der Tipp war nichts wert: Stauffers Zahlungsauftrag blieb wieder lange unterwegs. Schliesslich musste die Post zugeben, dass der gedruckte Strichcode automatisch B-Post befördert, weil die Maschine es nicht anders lesen kann. Seit drei Jahren deckt Stauffer nun den Strichcode eigenhändig ab und klebt eine A-Post-Marke drauf. Doch selbst das klappt nicht immer. «Postfinance weigert sich hartnäckig, auf meine Reklamation einzugehen», sagt Stauffer. «Mein Vorwurf, die Kunden würden damit zum Onlinebanking gezwungen, wird kategorisch in Abrede gestellt.»
«Unglaublich arrogant»
Post-Sprecher Oliver Flüeler sagt dazu, die Umstellung von vorfrankierten A-Couverts auf vorfrankierte B-Couverts erachte man nicht als wesentliche beeinflussende Anpassung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, weil die Vorfrankierung von der Kundschaft stärker gewichtet werde als die Versandgeschwindigkeit. «Deshalb wurde diese Änderung nicht in persönlichen Briefen, sondern in der Tarifübersicht kommuniziert.» Postfinance sei die einzige Bank, die ihren Kunden kostenlos vorfrankierte Couverts für den Zahlungsverkehr zur Verfügung stelle.
Für Stauffer ist diese Haltung «unglaublich arrogant». Dabei macht er auch sehr gute Erfahrungen – etwa mit der A-Post innerhalb der Schweiz. Noch nie habe ein Kunde behauptet, eine verschickte CD nicht erhalten zu haben. Miserabel sei der Service hingegen bei B-Post-Massensendungen. «Unternehmen zahlen zwar nur 53 Rappen pro Brief, aber nicht selten ist dieser dann 8 bis 15 Arbeitstage unterwegs. Zudem ist der Verlauf mangels Datumstempel nicht mehr nachvollziehbar.» Die Post verspricht, Massensendungen spätestens am sechsten Arbeitstag nach der Aufgabe zuzustellen.
Als KMU schlecht betreut
Stauffer hat in den letzten fünf Jahren eine ganze Arbeitswoche in seine Postrecherchen gesteckt. Dabei hat er mit rund 25 Mitarbeitenden gesprochen, von der Schalterbeamtin bis zum obersten Kader. «Auffallend war die Tendenz, Probleme an die nächste Abteilung abzuschieben.» Er fühlt sich als KMU von der Post schlecht betreut. Doch einen persönlichen Kundenberater gibt es erst ab 25'000 Franken Jahresumsatz – davon ist Stauffer weit entfernt.
Für Stauffer stimmt der Service public nicht mehr. «Die Post gehörte zu den Aushängeschildern der Schweiz. Das war einmal.» Seine Erfahrungen mit dem Gelben Riesen hat Stauffer in einem Newsletter seinen Kunden mitgeteilt – und viele zustimmende Reaktionen erhalten, oft gewürzt mit eigenen Müsterchen aus der Beziehung zur Post. Stauffer hat seinen Frust auch dem abtretenden Postminister Moritz Leuenberger mitgeteilt. Per A-Post, wohlgemerkt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.07.2010, 22:12 Uhr
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125 Kommentare
Im Ausland ist es noch schlechter!!! Dies ist eine der billigsten Ausreden, miserable Leistungen, wie die der CH Post, zu verharmlosen, gar zu rechtfertigen!!! Als würde ein Vergewaltiger behaupten, seine Tat sei halb so wild, denn er habe nur eine Frau vergewaltigt, andere hätten aber mehrere Frauen vergewaltigt!!! Nichts wird dadurch besser, nur weil es etwas noch schlechteres gibt!!! Antworten
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