Wenn man bei Prepaid plötzlich nachbezahlen muss

«Bei Null ist Schluss», dachte sich Christian H., als er für seinen Sohn bei Sunrise eine Prepaidkarte kaufte. Doch dann musste er 50 Franken nachbezahlen. «Eine Unverschämtheit», meint Comparis-Experte Ralf Beyeler.

Über das Limit: Vor allem junge Menschen telefonieren mit Prepaid-Karten - bis nichts mehr geht.

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Christian Hartmann (Name geändert) hat einen elfjährigen Sohn. Der Teenager hat von seinem Götti ein Smartphone geschenkt gekriegt. Obwohl Hartmann dies nicht guthiess, besorgte er seinem Sohn eine Prepaidkarte von Sunrise, in der Hoffnung, so Kontrolle über die Handyausgaben seines Zöglings zu haben. Doch damit lag Christian Hartmann falsch.

Eines Tages blieb das Telefon seines Sohnes stumm, die Nummer wurde gesperrt. Als sich Hartmann bei Sunrise erkundigte, traute er seinen Ohren kaum: Sein Sohn habe seine Prepaidkarte überzogen, weswegen man die Nummer blockiert habe. Wenn Hartmann das Handy seines Sohnes wieder entsperren wolle, müsse er am Kiosk einen Coupon kaufen.

«Eine Frechheit»

«Das ist mir nun schon zweimal passiert», sagt Hartmann, «das eine Mal musste ich 50, das andere Mal 30 Franken bezahlen.» Die Kosten seien entstanden, weil sein Sohn im Internet gesurft habe. «Zu Hause haben wir WLAN. Aber entweder hat die Verbindung unterbrochen oder er hat auch auswärts gesurft.» Darum geht es Hartmann aber gar nicht, sondern ums Prinzip: «Die Tatsache, dass man eine Prepaidkarte überhaupt überziehen kann, ist eine Frechheit», findet er. Er habe sich ja gerade eine solche Karte angeschafft, um sicherzugehen, dass, wenn das Kontingent aufgebraucht ist, Schluss ist.

«Als ich bei Sunrise nachfragte, warum man nicht einfach bei 0 abstellen könne, hiess es, das sei mein Problem. Ich solle doch beim Handy meines Sohnes einfach die Internetfunktion abstellen.» Damit nicht genug: Als Hartmann drohte, er werde nicht bezahlen, bekam er zur Antwort: «keine Angst, wir schicken Ihnen schon eine Rechnung».

Keine Kostenkontrolle mehr

«Das ist eine Unverschämtheit», sagt auch Ralf Beyeler, Telecom-Experte bei Comparis.ch. «Prepaid heisst ja gerade, dass man im Voraus bezahlt.» Bei allen Anbietern könne man zwar «minimal ins Minus» gelangen, Beyeler geht da aber von bis etwa zehn Franken aus.

«Ich habe auch von einem Fall gehört, bei dem es 290 Franken ins Minus ging. Da empfehle ich, erst mal abzuwarten.» Sollten dennoch Rechnungen ins Haus flattern, rät Beyeler, sich an den Anbieter und falls keine Einigung möglich, an die Ombudscom, die Ombudsstelle der Telekombranche, zu wenden. «Prepaid bedeutet Kostenkontrolle», so Beyeler, «man kann nicht mehr verbrauchen, als man einbezahlt hat. Etwas anderes darf nicht passieren.»

André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz sind ebenfalls einige solcher Fälle bekannt. «Allerdings geht es um Beträge zwischen 10 und 20 Franken.» Dennoch erachtet es Bähler als sinnvoll, wenn das Prepaidkonto auch wirklich beim Stande von 0 aufhört zu funktionieren. «Nur ein letzter Anruf sollte noch machbar sein, mehr nicht.»

Sunrise empfiehlt Surf-Option

Bei Sunrise wiegelt man ab: «In Einzelfällen kann es vorkommen, dass zwischen der GPRS Datenübertragung und der Verrechnung eine zeitliche Verzögerung eintritt und somit die Surf-Session trotz fehlendem Guthaben nicht abrupt unterbrochen wird», schreibt Sprecherin Sevgi Gezici. «Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass das Guthaben ins Minus gerät». Sunrise empfiehlt darum ihren Kunden mit Smartphone, eine Surf-Option abzuschliessen.

Für Christian Hartmann ist das allerdings keine Option. Er hätte dann den Internetkonsum seines Sohnes ausserhalb des Hauses nicht mehr unter Kontrolle. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2011, 13:23 Uhr

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