Wer sich nicht wehrt, wird Coop-Mitglied

130'000 Haushalte wurden unverlangt mit einer «Coop-Zeitung» bedient. Das Probeabo führt automatisch in die Coop-Genossenschaft.

Ungefragt in 130'000 Haushalte geflattert: Die «Coop-Zeitung».

Ungefragt in 130'000 Haushalte geflattert: Die «Coop-Zeitung».

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Am Dienstag erhielten 130'000 Haushalte eine persönlich adressierte Post, die sie so nicht erwarteten. In ihren Briefkästen lag die «Coop-Zeitung» und dazu ein Hinweis, es sei ein Probeabo und man werde automatisch Mitglied der Coop-Genossenschaft. Wer dieses freundliche Angebot nicht wünsche, könne es problemlos zurückweisen. Ein kurzes Telefon, eine Mail, ein Besuch auf der Coop-Homepage oder ein Fax genüge, um seinem Missfallen Ausdruck zu verleihen.

In der Werbe- und Juristensprache heisst der Vorgang Opt-out. Der Empfänger muss adressierte Werbepost akzeptieren, solange ihm der Absender ein Widerrufsrecht zugesteht, selbst wenn am Briefkasten ein Sticker «Keine Werbesendungen» klebt. Die Aktion sei «juristisch korrekt», sagt Coop-Sprecherin Sabine Vulic. «Wer die Zeitung nicht möchte, hat eine Vielzahl an Möglichkeiten, uns dies auf unkomplizierte Weise kundzutun.» Der Aufwand, den ein Empfänger dafür aufbringen müsse, sei hinzunehmen. Das Ziel von Coop sei, neue Abonnenten zu gewinnen und «die Vorteile des Hello Family Club bekannt zu machen», eine Kundenbindungsaktion wie die Kundenkarte Supercard.

«Genossenschaft wird zur Farce»

«Wir haben grosse Einwände gegen solche ungebetene Post», sagt Sara Stalder, die Leiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Illegal sei sie zwar nicht, aber für die Schweizer Haushalte ärgerlich, weil sie gezwungen sind, sich gegen die Werbeflut zu wehren. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte liess über seine Sprecherin Eliane Schmid ausrichten: «Es wäre besser, wenn Coop mit der erstmaligen Zustellung der Zeitung dem Betroffenen die Möglichkeit gäbe, die Zeitung zu abonnieren.»

Juristisch kniffliger ist die automatische Mitgliedschaft. «Laut Statuten der Coop-Genossenschaft ist die ‹Coop-Zeitung› deren offizielles Informationsorgan. Grundsätzlich ist die Mitgliedschaft also mit dem Gratis-Zeitungsabo gekoppelt», bestätigte Coop. Die SKS lehnt diese Verknüpfung ab: «Es ist keine Art, seinen Mitgliederstamm mit diesem intransparenten Vorgehen auszubauen. Die Genossenschaft wird damit wirklich zur Farce.»

Doch kann Coop eine Person ohne ausdrückliche Einverständnis als Mitglied registrieren? Stalder schreibt, dass Coop wohl juristisch auf der sicheren Seite sei. «Als Mitglied gibt es keine Pflichten und die Einzelhaftung für Mitglieder bei Verlusten ist laut Statuten ausgeschlossen.»

Kritischer Datenschützer

Der Datenschützer des Bundes, Hanspeter Thür, ist da kritischer: «Für Mitgliedschaften oder sonstige Verpflichtungen braucht es in der Regel die Einwilligung des Betroffenen», sagt Sprecherin Schmid. Im vorliegenden Fall stelle sich einzig die juristische Frage, ob die 130'000 Empfänger in früheren Jahren nicht möglicherweise doch unwissend eine Einwilligung für eine solche Aktion gegeben haben, etwa über Kleingedrucktes in Wettbewerben. Leider sei kein politischer Vorstoss hängig, der dieses Problem lösen würde, sagte Stalder. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 07.12.2012, 06:42 Uhr)

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