Wirtschaft
Wer will mich? UBS-Banker klopfen bei der Konkurrenz an
Von David Vonplon. Aktualisiert am 29.01.2009
«Niemand weiss, wie viele Stellen abgebaut werden»: Viele UBS-Mitarbeiter hegen Abwanderungsgelüste - trotz Boni.
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Bei der UBS liegen die Nerven blank. «Den Angestellten machen der Druck und die Wut der Öffentlichkeit enorm zu schaffen», erklärte Elli Planta, Präsidentin der internen Arbeitnehmervertretung der UBS unlängst gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Zur Frustration, dauernd als Prügelknabe herhalten zu müssen, gesellt sich bei den Mitarbeitern die Jobangst. Gerüchte machen die Runde: Nicht nur im Investmentbanking, sondern auch in der Vermögensverwaltung werde die Unternehmensführung am 10. Februar einen Stellenabbau bekannt geben. «Niemand weiss angesichts der schlechten Zahlen der UBS, wie viele Stellen abgebaut werden», sagt Headhunter Philip Jung dazu.
Deshalb haben nun auch viele hochkarätige UBS-Mitarbeiter die Nase voll und stehen bei der Konkurrenz Schlange. Immer wieder kommt es vor, dass ganze Kundenberater-Teams der UBS ausgespannt werden. Für die UBS sind besonders Abgänge im Private Banking schmerzhaft: Die Vermögensverwaltung ist das Herz der Bank. Und dort setzt sich der Trend fort, dass Kunden ihre Gelder abziehen und kleineren Finanzinstituten anvertrauen. Bis zum dritten Quartal 2008 zogen UBS-Kunden 83 Milliarden Franken ab, weitere 5 Milliarden Franken sollen es nach Schätzungen von Analysten im vierten Quartal sein.
UBS im Teufelskreis
Die UBS befindet sich hier in einem Teufelskreis: Der Abfluss von Geldern schafft bei der Konkurrenz neue Arbeitsplätze, die für UBS-Berater wiederum attraktiv sind. Weil die Berater einen Teil ihrer Kunden zur Konkurrenz mitnehmen, fliessen weitere Gelder ab. Bei den Privatbanken stapeln sich derweil die Bewerbungsdossiers von abwanderungswilligen Mitarbeitern der Grossbank. «Als Arbeitgeber sind derzeit die kleineren und mittleren Finanzinstitute attraktiv, da sie von der Krise des Investmentbankings weniger oder nicht betroffen sind», sagt Jung. Viele dieser Banken konnten gar von der Finanzkrise profitieren – ihnen flossen in den letzten Monaten Kundengelder in Milliardenhöhe zu. Deshalb sind diese Finanzinstitute auf der Suche nach Personal.
So etwa die Zürcher Kantonalbank: Sie schafft aufgrund dieser Wachstumsinitiative bis ins Jahr 2012 im Bereich Kundenbetreuung und –Beratung 250 Stellen. Bewerbungen von potenziellen Mitarbeitenden ereilen die ZKB «von allen Seiten» - auch von der UBS, wie eine Sprecherin erklärt. Auch die Raiffeisen Bank muss das Wachstum in der Vermögensverwaltung verarbeiten, wie Sprecher Franz Würth erklärt. Wie viele neue Stellen dazukommen, sagt er nicht. Bereits im September 2008 hatte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz erklärt, dass seine Banken «eine grosse Anzahl von Blindbewerbungen» von der UBS erhalten. Würth spricht nun von einer weiteren, wenn auch «nur leichten Zunahme» von Dossiers von abwanderungswilligen UBS-Mitarbeitern.
Die Bank Pictet bestätigt derweil auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass sich vermehrt «Mitarbeiter von internationalen Grossbanken bei kleineren Instituten, und unter anderem auch bei den Privatbanken bewerben.» Die vielen Bewerbungsdossiers würden allerdings nicht zwingend von UBS-Mitarbeitern stammen, so Sprecher Simon Roth. Dabei ist die Genfer Privatbank an neuen Mitarbeitern gegenüber durchaus aufgeschlossen: «Wir sind an interessanten Profilen interessiert.»
Boni nicht entscheidend
Dass die UBS ihre Mitarbeiter allein mit Boni halten kann, bezweifelt Headhunter Jung: «Wer sich zum Stellenwechsel entschieden hat, wird nicht wegen höherer Boni zum Bleiben zu bewegen sein.» Wie sehr die Kundenberater von der UBS verwöhnt werden, zeigt ein weiteres Beispiel: Bereits im Herbst hatte UBS-Präsident Peter Kurer laut der Wirtschaftszeitung «Cash» seinen Private Bankern eine Lohnerhöhung von 10 Prozent in Aussicht gestellt – trotz Stellenabbau und internen Sparprogrammen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.01.2009, 15:52 Uhr



