Wirtschaft

Weshalb Grübel die UBS aufspalten sollte

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.08.2010 17 Kommentare

Oswald Grübel sollte dem Beispiel von Goldman Sachs folgen und das Investmentbanking vom übrigen Geschäft abtrennen.

Könnte dem Steuerzahler einen ruhigeren Schlafen bescheren, indem er das Investmentbanking vom übrigen Geschäft trennt: UBS-Chef Oswald Grübel.

Könnte dem Steuerzahler einen ruhigeren Schlafen bescheren, indem er das Investmentbanking vom übrigen Geschäft trennt: UBS-Chef Oswald Grübel.
Bild: Keystone

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Goldman Sachs will seine Handelsabteilung schliessen und als unabhängiger Hedgefonds weiterführen. Diese Meldung verbreitete sich Anfang August wie ein Lauffeuer durch die Wirtschaftspresse. Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) will ihr Investmentbanking vom übrigen Geschäft abspalten und als eigene Firma an die Börse bringen. Dieses Gerücht setzt nun der Bahnhofstrassen-Insider François Bloch im «Tages-Anzeiger» in die Welt. Er könnte recht bekommen, aus verschiedenen Gründen.

Goldman Sachs ist nicht irgendeine Bank. Sie gilt als der Goldstandard des Investmentbankings, die am meisten bewunderte und am meisten kopierte Institution der Finanzwelt. Über Jahre hinweg hat sie regelmässig weit überdurchschnittliche Gewinne ausgewiesen. Nur ein Drittel dieses Gewinns wurde jedoch mit klassischem Investmentbanking erzielt. Der Rest ging auf das Konto des Wertschriftenhandels auf eigene Rechnung. Kein Wunder also, dass Goldman Sachs immer wieder als «verkleideter Hedgefonds» bezeichnet wird.

Ospel erzielte Gewinne mit hohen Risiken

Den gleichen Vorwurf musste sich bis zum Ausbruch der Subprime-Krise auch die UBS gefallen lassen. Unter Marcel Ospel wies die Bank zeitweise eine Leverage-Ratio (Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital) von 1 : 52 auf, ein Wert, den selbst die risikofreudigsten Hedge Funds nicht annähernd erreichen. Mit anderen Worten, Ospel & Co., erzielten ihre damals bewunderten Gewinne ebenfalls nicht mit klassischem Banking, sondern indem sie viel zu grosse Risiken eingingen. Im Unterschied zu den Schweizern erkannten die smarten Jungs von Goldman Sachs jedoch rechtzeitig, dass die Luft im US-Immobilienmarkt draussen war.

Wie die UBS geriet jedoch auch Goldman Sachs in politische Schwierigkeiten. Je mehr eine erstaunte Öffentlichkeit über das Innenleben einer Investmentbank erfährt, desto höher schlagen die Emotionen. Es geht dabei längst nicht mehr nur um die Boni. Beim klassischen Investmentbanking sind die Interessen der Bank und des Kunden identisch, das Geschäft der Bank ist de facto eine Beratungsgebühr. Anders beim Eigenhandel: Dort kann die Bank unter Umständen gegen ihre eigenen Kunden spekulieren. Genau diesen Vorwurf erhob die US-Börsenaufsicht gegen Goldman Sachs und leitete ein Verfahren ein. Von einer Anklage hat sich die Bank inzwischen nur mit einer 500-Millionen-Dollar Busse befreien können.

Gefährliches Kasino

Der Eigenhandel der Investmentbanken muss eingedämmt werden, denn er verwandelt die Finanzmärkte tatsächlich in Kasinos. Das ist volkswirtschaftlich unsinnig und politisch sehr gefährlich. In den USA ist deshalb bereits ein neues Finanzmarktgesetz beschlossen worden. Die darin enthaltende «Volcker-Regel» sorgt dafür, dass Banken mit ihrem Eigenkapital keine grossen Risiken eingehen können. Damit wird verhindert, dass solche Wetten mit Steuergeldern beglichen werden müssen, wenn eine Bank aufs falsche Pferd gesetzt hat, aber gerettet werden muss, weil sie zu gross ist für den Untergang.

Mit einem unabhängigen Hedgefonds will Goldman Sachs der «Volcker-Regel» entkommen. In der Schweiz ist noch nicht entschieden, wie das «Too big to fail»-Problem gelöst werden soll. Dass es gelöst werden muss, ist klar, und wohl nicht zufällig hat Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, vor ein paar Monaten vorgerechnet, dass das Investmentbanking für unsere Grossbanken ein schlechtes Geschäft ist. Sollte also Oswald Grübel dem Beispiel von Goldman Sachs folgen und das Investmentbanking tatsächlich vom übrigen Geschäft abtrennen – wunderbar. Idealerweise würde er gar zum ursprünglichen Geschäftsmodell zurückkehren. Wie heute Anwaltskanzleien wurde Investmentbanking einst als private Partnerschaft betrieben. Geld verdiente man dabei hauptsächlich mit Beratungshonoraren, und wenn man an den Börsen spekulierte, tat man es mit dem eigenen Geld. Der Steuerzahler konnte ruhig schlafen.

Idealerweise würde das Investmentbanking zur privaten Partnerschaft. Der Steuerzahler könnte ruhig schlafen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2010, 22:05 Uhr

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17 Kommentare

Lucas Meier

19.08.2010, 11:41 Uhr
Melden

Herr Löpfe, weshalb sind Sie eigentlich nicht UBS CEO? Antworten


Jop Ligtenberg

19.08.2010, 11:40 Uhr
Melden

Ich glaube, Herr François Bloch arbeitet selber fuer ein Hedgefund und versucht hier mit hilfe von Philipp Löpfe Volatilitaet in der UBS Kurs zu bringen. Investmentbanking vom uebrigen Geschaeft abtrennen hat als Folge das normale Bankkunden weniger Service bekommen im Bereich Aktienhandel, Bondshandel, Devisen usw. weil das Investmentbanking normalerweise die Volumen und Zugang zu Maerkte bringt. Antworten



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