Wirtschaft
Weshalb John Paulson Gold zu Geld machte
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.11.2011 14 Kommentare
Hat sich in diesem Jahr verspekuliert: Hedgefonds-Manager John Paulson, hier an einem Senats-Hearing im Jahr 2008. (Bild: Reuters )
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Der Hedgefonds-Manager John Paulson ist bei legendären «Big Short» richtig gelegen. Er hat aufs Platzen der amerikanischen Immobilienblase gesetzt und dabei rund vier Milliarden Dollar verdient. Seither werden seine Deals von der weltweiten Investorenschar scharf beobachtet. Aus den Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht haben sie entnehmen können, dass Paulson im dritten Quartal für 1,94 Milliarden Dollar Gold verkauft hat. Das hat Schlagzeilen gemacht. Paulson war bisher als grosser Fan des Edelmetalls bekannt. Geht er nun davon aus, dass die Goldblase bald platzen wird?
Der Goldpreis ist seit Ausbruch der Finanzkrise explodiert, er stieg Anfang September bis auf 1900 Dollar pro Unze. Derzeit liegt er bei knapp 1700 Dollar pro Unze. Für diese Preisexplosion gibt es erklärbare Gründe: einerseits die Angst vor Inflation und andererseits einen wachsenden Mittelstand in Indien, dem grössten Goldmarkt der Welt. Doch es gibt auch den begründeten Verdacht, dass Spekulanten den Goldpreis künstlich in die Höhe getrieben haben und jetzt versuchen, rechtzeitig abzuspringen.
Auch andere Financiers stossen Gold ab
Für die Spekulationsblase spricht der Umstand, dass auch der Financier George Soros bereits im ersten Quartal für 800 Millionen Dollar Gold verkauft hat. Bei John Paulson hingegen gibt es eine andere Erklärung: Es könnte sein, dass er sich vom Edelmetall trennen musste, um seine Investoren ausbezahlen zu können, denn er scheint sich in diesem Jahr massiv verzockt zu haben.
Die Flucht ins Gold lässt sich einzig mit einer Angst vor Inflation begründen. Doch eine solche Inflation ist zumindest kurzfristig unwahrscheinlich. Das Klima der Weltwirtschaft hat sich wieder merklich abgekühlt. In den USA stagniert das Wachstum, in Europa ist gar eine zweite Rezession wahrscheinlich geworden. In diesem Umfeld ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich eine Teuerungsspirale in Gang setzen kann, denn Unternehmen können am Markt keine höheren Preise durchsetzen und Gewerkschaften keine höheren Löhne.
Öl sprudelt wieder reichlich
Die Teuerung könnte einzig durch höhere Rohstoffpreise angeheizt werden. Doch auch an dieser Front herrscht Ruhe. Beim Öl kann man gar von einem rasanten Stimmungswechsel sprechen: «Peak Oil», das war gestern. Die Angst, dass der Zenit der Ölförderung bereits überschritten sei, ist weg. Nun ist plötzlich von einem «Peak Demand» die Rede, davon, dass mehr Öl auf den Markt kommt, als verkauft werden kann. Schuld daran sind neue Ölfördertechniken in den USA und Kanada. Zudem fliesst auch das Öl aus Libyen wieder reichlich.
Nicht Inflation bedroht daher die Weltwirtschaft, sondern die Deflation. Viele Ökonomen fürchten, dass sich die Wirtschaft der westlichen Staaten in den nächsten Jahren gemäss dem Muster der japanischen Wirtschaft entwickeln wird. Will heissen: Die Wirtschaft wächst kaum, und der Wert des Geldes nimmt leicht zu. In einem deflationären Umfeld ist Gold keine attraktive Investition. So gesehen gibt es gute Gründe, dass sich die Starinvestoren jetzt wieder vom gelben Metall trennen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.11.2011, 11:26 Uhr
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14 Kommentare
Dass Investor A zwei Milliarden Gold verkaufte, ist die eine Seite. Er verkaufte sie den Investoren B. Man könnte also auch eine Headline "B steigen massiv in Gold ein" machen. Wie der Artikel andeutet, war der Verkauf eher der Not gehorchend als dem eigenen Triebe von John Paulson. Antworten
Ein einzelener hantiert mit Mrd. wärend ein Nationalstaat nach dem anderen Bankrott erklärt wird und die und die Zivilgesellschaft sowie die dort lebenden Bürger zum Schuldendienst gewzungen werden. Demokratie war gestern, Feudalherschaft wird offensichtlich wieder en vogue Wie beten die falschen Götter an... Die Globalisierung und LIberalisierung haben wir so oder so nicht im Griff... Antworten
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