Wirtschaft
Weshalb der Goldpreis Sprünge macht
Interview: Bernhard Fischer. Aktualisiert am 09.09.2011 25 Kommentare
Giovanni Staunovo, Rohstoff-Analyst bei UBS Wealth Management Research.
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Die Verwirrung ist perfekt: Der Franken wird geschwächt, und der Goldpreis sackt ab. Dabei gelten beide – der Franken und das Gold – als sicherer Hafen für verunsicherte Anleger. Und weder an der Verunsicherung der Anleger noch an der Stärke und Verlässlichkeit des Frankens oder des Goldes wurde gerüttelt. Zumal Gold primär in US-Dollar gehandelt wird und nicht in Schweizer Franken. Im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet klärt UBS-Rohstoffexperte Giovanni Staunovo die Zusammenhänge auf.
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Weshalb hat der Goldpreis nach der SNB-Intervention nachgegeben?
Gemessen in Dollar ist der Goldpreis nach der Ankündigung der SNB nur kurzfristig gefallen. Die Preiskorrektur von Gold scheint auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, da nun eine weitere Notenbank mehr Geld druckt. Das schürt Inflationsängste und müsste verunsicherte Anleger ins Gold treiben. Wir glauben aber, dass der positive Zusammenhang zwischen Franken und Gold den kurzfristigen Preisrückgang des Goldes erklären kann.
Erklären Sie uns das bitte genauer.
Einige Marktteilnehmer dürften also aufgrund des schwächeren Frankens Gold verkauft haben, ohne gesehen zu haben, dass die SNB eine Preisuntergrenze für den Franken zum Euro eingeführt hat. Aber nachdem dies wenige Minuten später nachvollzogen wurde, stieg Gold wieder auf den Ursprungswert. Für den tieferen Tagesendkurs am Dienstag waren vor allem die besseren Wirtschaftszahlen aus den USA verantwortlich, da dies die Wahrscheinlichkeit für eine noch aggressivere Gangart der US-Notenbank verringert. Dennoch notiert Gold in Franken gemessen weiterhin deutlich höher als vor dem Start der SNB-Intervention. Die Attraktivität des Goldes ist also weiterhin aufrecht.
Bleibt die Rolle von Gold unverändert?
Die Intervention der SNB hat die Rolle von Gold als sicherem Hafen noch verstärkt, da die Schwächung des Frankens die Zahl der als sicher geltenden Anlagen weiter verringert. Und nicht nur die SNB, sondern auch die japanischen Behörden sind nicht gewillt, eine weitere Aufwertung ihrer Währungen zuzulassen. Sämtliche Gründe, die für den Kauf von Gold sprechen, wie Schuldenberge, Inflationssorgen und konjunkturelle Risiken, sind nach wie vor da.
Wie sieht es bei anderen Edelmetallen aus? Werden diese reagieren, und wie werden diese sich entwickeln?
Aufgrund der hohen Industrienachfrage nach den anderen Edelmetallen - bei Palladium macht sie 84 Prozent der gesamten Nachfrage aus, bei Platin 61 Prozent und bei Silber 55 Prozent - werden die Preisaussichten dieser Rohstoffe von den Wirtschaftsaussichten massgeblich beeinflusst. Wir erwarten eine Seitwärtsbewegung bei Silber und Palladium, während Platin von der günstigen Bewertung gegenüber Gold profitieren könnte: Wenn der Preis von Platin unter demjenigen von Gold notiert, dann erwarten wir, dass die Luxusbranche mehr Platin anstelle von Gold nachfragen wird.
Welche aktuellen ökonomischen und politischen Faktoren spielen noch in die Goldpreisbildung hinein?
Die Staatsverschuldung der Industrieländer ist langfristig für einzelne Staaten nicht tragbar. Die Zentralbanken könnten deshalb gezwungen sein, Staatsschulden über höhere Inflation zu reduzieren, um der untragbaren Schuldenlast Herr zu werden. Ausserdem haben viele Anleger aus unserer Sicht das Vertrauen in Staatsanleihen als risikofreie Anlage verloren. Diese strukturellen Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Deshalb sorgen die Staatsschuldenprobleme in Europa und den USA zusammen mit einer hohen Inflation in den Schwellenländern dafür, dass der Preis für Gold auch in den kommenden Jahren hoch bleiben dürfte. Wir erwarten einen Anstieg des Goldpreises auf 2200 US-Dollar je Feinunze in den nächsten drei bis zwölf Monaten.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2011, 08:19 Uhr
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25 Kommentare
Gold wird von den Nationalbanken und der Fed manipuliert, gedrückt. Um einen (logischen) Goldschub nach oben stoppen, musste synchron gedrückt werden. Das ist nur ganz kurzfristig gelungen. Inzwischen sind die "Verschwörunbgstheoretiker", die systemische Goldmanipulation zugunsten des Papiergeldes anprangern rehabilitiert. Das gibt nun auch Goldman Sachs zu. Noch übler läufts beim Silber. Antworten
"..Industrienachfrage nach den anderen Edelmetallen" "bei Silber 55 Prozent". Das ist einer der Gründe weshalb die SNB (aus meiner Sicht) nun aus dem IWF austreten sollte und den Silberstandard einführen sollte. Silberhinterlegung würde nämlich antizyklisch bei Krisen die Exportwirtschaft begünstigen und im Boom gegensteuern. Silber wird nun allerdings trotzdem ansteigen, wegen Papier-Erosion 3 ;) Antworten
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