Wie Cablecom Netflix kontern will

Der TV-Anbieter will mit einem Monatsabo für Filme und Serien dem neuen Konkurrenten entgegentreten. In Holland läuft das Experiment bereits.

Nervosität vor dem Markteintritt von Netflix: Website von UPC Cablecom auf einem Tablet. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Nervosität vor dem Markteintritt von Netflix: Website von UPC Cablecom auf einem Tablet. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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UPC Cablecom plant, bis Ende Jahr mit einem neuen Angebot auf den Markt zu kommen, das es mit dem Video-Streaming-Dienst Netflix aufnehmen soll. Sprecher Marc Maurer bestätigt entsprechende Pläne gegenüber dem TA. Zuerst will Cablecom offenbar noch abwarten, mit welchen Konditionen Netflix in der Schweiz Fuss fassen will. Der Startschuss wird für den 18. September erwartet. Eine Einladung, die Netflix für einen Anlass an diesem Datum verschickte, legt diesen Schluss nahe. Parallel mit dem Start in der Schweiz soll der Dienst auch in Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Österreich hochgefahren werden.

Netflix bietet Serien, Filme und TV-Sendungen via Internet an – für eine Monatspauschale. Darunter auch Inhalte, die Netflix exklusiv produzieren lässt. Bekanntes Beispiel ist etwa die ­Serie «House of Cards».

Mit diesem Angebot tritt Netflix in Konkurrenz zu den bestehenden Online-Videotheken- und TV-Anbietern, die bereits in der Schweiz mit Angeboten am Markt vertreten sind. Darunter auch ­Cablecom, Sunrise und Swisscom. Bisher hielt sich die Konkurrenz mit Plänen weitgehend bedeckt, wie man auf den neuen Herausforderer reagieren wird. «Wir prüfen derzeit verschiedene Modelle, um unseren Kunden per Ende Jahr Flatrate-Angebote im Bereich Filme, ­Serien und Dokumentationen anzubieten», heisst es bei Swisscom. Konkreteres werde erst kommuniziert, wenn es so weit ist. Cablecom liess verlauten, man halte sich alle Optionen offen.

Konditionen noch unbekannt

Noch unbekannt ist, mit welchen Konditionen Netflix starten wird. In seiner Mitteilung vom 20. Mai verspricht das Unternehmen Unterhaltung zu tiefen Monatsgebühren. Ein Blick in die Länder, in denen der Dienst bereits angeboten wird, gibt Aufschluss, was darunter zu verstehen ist. In den USA kostet das Einsteigerprodukt 8 Dollar pro Monat und erlaubt Streaming auf ein Gerät ohne High Definition (HD). Für einen Dollar mehr gilt das Abo für zwei Geräte und in HD-Qualität. Das teuerste Abo kostet 12 Dollar und bietet HD auf vier Geräten. In Holland ist Netflix seit 2013 online und verlangt dieselben Preise – aber in Euro. Zu den gegenwärtigen Fremdwährungskursen bedeutet dies um rund 30 Prozent höhere Preise als im Mutterland USA. Die Spannbreite der europäischen Preise reicht von 9 bis über 11 Franken für das Einstiegsangebot (siehe Tabelle). Dennoch ist die Monatsgebühr für bestehende Video-on-­Demand-Anbieter bedrohlich tief. Filme gibt es bei den Anbietern ab 3.50 Franken. Aktuelle Kassenschlager kosten teilweise mehr als das Doppelte.

Laut Cablecom-Sprecher Maurer wird der Preis für das neue Monatsabo unter 15 Franken pro Monat liegen. Der Grund, weshalb die Firma beim Preis noch sehr vage bleibt: Zuerst will man abwarten, wo sich Netflix ansiedelt. Ein Blick nach Holland verrät jedoch mehr über die Strategie des Cablecom-Mutterkonzerns Liberty Global. Die dort ansässige Tochtergesellschaft UPC Nederland ist dem Produkt namens My Prime dem Konkurrenten Netflix mit aggressiven Preisen gegenübergetreten. Im April dieses Jahres lancierte die holländische Cablecom-Schwester dieses neue Angebot. Für die Kunden mit den teuersten Abos ist es gratis. Für die anderen kostet es 5.60 Euro, also knapp 7 Franken.

Die Vorbereitung der Schweizer TV- und Video-Anbieter zeigt deutlich: Die Nervosität vor dem Markteintritt von Netflix ist gross – und man will den Neuankömmling mit einem Preiskampf empfangen. Inwieweit versucht wird, Netflix inhaltlich Paroli zu bieten, ist noch nicht absehbar. Die Aufregung kommt nicht von ungefähr: Laut den letzten Zahlen hat Netflix weltweit 50 Millionen Kunden, 13,8 Millionen davon ausserhalb der USA. In Grossbritannien startete Netflix Anfang 2012 und zählt laut jüngsten Schätzungen aktuell 4,5 Millionen User. Ein rasantes Wachstum.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.08.2014, 06:37 Uhr)

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